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„Die Fremdenhasser aus Freital“

Zum Prozessauftakt gegen die „Gruppe Freital“ wird wieder bundesweit über die Stadt berichtet – nicht gerade positiv.

© Archivfoto: SZ

Von Tobias Hoeflich

Freital. Mehr als ein Jahr liegen die Taten zurück. Zwischen Juli und November 2015 erschütterten Anschläge auf Flüchtlingsheime und Politiker nicht nur Freital. Sie rückten die Stadt auch bundesweit in den Fokus. Kaum ein Medium berichtete nicht über die Taten der mutmaßlichen Terrorzelle „Gruppe Freital“.

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Mit dem Prozessauftakt am Dienstag kehrt die Stadt in die Schlagzeilen zurück. „Die Fremdenhasser aus Freital“ oder „Wir sind Nazis bis zum bitteren Ende“ lauten die wenig schmeichelhaften Überschriften. Zwar sei es in der Stadt wieder ruhig geworden, bilanzieren mehrere Medien. Doch rechtsextreme Einstellungen seien nach wie vor präsent. Die SZ gibt einen Überblick, welches Bild überregionale Medien vom heutigen Freital zeichnen.

Das 40 000-Einwohner-Städtchen am Südwestrand von Dresden [...] hat in den vergangenen zwei Jahren weit über Deutschland hinaus unrühmliche Bekanntheit erlangt: mit Angriffen auf Ausländer, Politiker, Aktivisten. In Freital zeigte sich die hässliche Seite der Asyldebatte in konzentrierter Form: der Fremdenhass vieler und die Gewaltbereitschaft einiger weniger. [...] Für Freital könnte das Verfahren befreiend sein, wenn mit der juristischen Aufarbeitung auch eine ernsthafte gesellschaftliche Debatte über Rechtsextremismus im Ort einsetzt. „Es gab kaum noch Übergriffe seit den Festnahmen“, sagt Linken-Stadtrat Michael Richter, dessen Auto im Sommer 2015 ein Sprengsatz zerstörte. Mit dem Rechtsterrorismus sei allerdings nicht auch der Fremdenhass aus Freital verschwunden: „Und wenn diese hirnlosen Menschen wieder auf die Straße gehen, werde ich auch wieder protestieren.“

Spiegel Online

Anschläge auf Flüchtlinge und deren Unterstützer hat es seitdem immerhin nicht mehr gegeben. „Es ist ruhiger geworden“, sagt auch Steffi Brachtel. Die zierliche Frau zählt zu den Freitalern, die in Flüchtlingen nicht den Untergang des Abendlandes sehen [...]. „Die Fremdenfeindlichkeit ist mit den Festnahmen aber nicht verschwunden. Das Schlimme ist, dass das hier bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen ist.“ [...] Vor Gericht stehe nur der harte Kern, sagt sie. In der Stadt gebe es noch gut zwei Dutzend Leute, die zu Ähnlichem fähig seien.

Freilich seien nicht alle in der Stadt fremdenfeindlich, aber der Ruf als braunes Nest rühre eben auch daher, dass die große Mehrheit zu den Vorfällen schweige. „Ich wünschte mir, dass mehr Leute aufstehen und sagen: So was wollen wir nicht.“

Frankfurter Allgemeine

Freital heute? In die einst mit dem Etikett „Ausländerfeindlich“ versehene Kleinstadt ist wieder Ruhe eingezogen. Seitdem die Gruppe in Gewahrsam sitzt, ist nichts Nennenswertes mehr vorgefallen. Dennoch, mit dem Prozess wird der Name Freital wieder in den Schlagzeilen sein. Und das wird vermutlich so bleiben, bis ein Urteil gesprochen ist. ZDF

Ines Kummer ist auch Stadträtin in Freital. Sie ist eine Grüne. Es sind zwei Fragen, die sie nicht loslassen: Wie konnte das alles passieren? Und wie konnte Freital das zulassen? „Eine kleine Minderheit hat es fertiggebracht, dass bei uns Gewalt Realität geworden ist.“

Mitteldeutsche Zeitung

Kerstin Köditz ist sächsische Landtagsabgeordnete, 49, Linke, aus dem Muldentalkreis. In ihrer Fraktion seit einer gefühlten Ewigkeit zuständig für den rechten Rand. [...] „Manchmal habe ich das Gefühl, es ist zu spät“, sagt die kleine Frau in ihrem Dresdner Büro und klingt erschöpft. „Hier in Sachsen sind Dinge ins Rutschen geraten und ich weiß nicht, wie man das alles noch einmal zurückdrehen kann.“ Schon der Name der „Gruppe Freital“ sei falsch, sagt sie. „Mir ist unklar, wieso die nur die acht Angeklagten ausgewählt haben.“ Nur acht Angeklagte, es gebe mindestens noch einmal so viele, die vor Gericht gehörten. [...]

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Nach den Verhaftungen ist es ruhiger gewesen in Freital, ja, das sieht Köditz auch so. „Aber was bedeutet das, wenn es danach in Bautzen losgeht? [...] Die NPD ist nun zwar weg“, sagt sie. „Aber das Denken ist noch da. Es ist geblieben.“

Badische Zeitung