merken

Die Fremdkocher

Das Lokal „Jakobs Söhne“ hat im Juli auch abends offen. Es gibt viel Wein – und Speisen, die es hier sonst eigentlich nicht gibt.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Der gegrillte Oktopus liegt fertig auf dem Blech, die gefüllten Paprika-, Zucchini- und Auberginen-Schoten auf dem zweiten, Moussaka auf dem dritten. Auf dem Herd steht noch ein Topf mit Kichererbsensuppe. Seit mittags um zwölf haben Evangelos Papadopoulos und Tom Hockauf zusammen am Herd des Lokals „Jakobs Söhne“ in der Jakobstraße 5a gestanden, um die vier griechischen Spezialitäten zuzubereiten.

Anzeige
IT-Techniker (m/w/d) gesucht
IT-Techniker (m/w/d) gesucht

Lust auf die Arbeit in einem inhabergeführten, wachsenden & innovativen Unternehmen? Der IT-Dienstleister INFOTECH besetzt Stellen!

Die beiden Männer könnten sich auch als Konkurrenten betrachten: Papadopoulos, der von allen Vangelis genannt wird, ist Inhaber des griechischen Restaurants Mediteranos am Obermarkt, Hockauf kocht jeden Mittag im „Jakobs Söhne“. Weinhändler Axel Krüger hat die Verbindung hergestellt. „Die Jakobstraße“, so Krüger, „ist keine Laufgegend.“ Der Mittagstisch wird hier gut angenommen, aber abends gehen die Leute zum Essen in die Altstadt. Doch was passiert, wenn man konkrete Abend-Termine in der Jakobstraße plant und kräftig bewirbt? Dieser Frage geht Krüger noch  bis 26. Juli täglich nach. „Pop-Up Weinbar“ nennt sich das auf Neudeutsch, also einfach mal eine Weinbar ausprobieren. Der 54-Jährige hat nebenan im Keller der Jakobpassage einen großen Weinkeller, kann also ständig neue Weine hervorholen. Das tut er mit Leidenschaft: „Ich gehe persönlich an jeden Tisch, um die Weine des Abends vorzustellen, und schaue dann, wer was mag.“ Dazu kocht Hockauf wechselnde moderne Gerichte. An sechs Tagen erhält er Unterstützung von Fremdkochern, also Köchen, die sonst ganz woanders am Herd stehen. Vangelis war am Montag da. „Das ist bei mir der Ruhetag, da habe ich Zeit für so eine Aktion“, sagt er. Geld habe er damit nicht verdient, aber Spaß hat es ihm gemacht, seinen freien Tag dafür zu opfern. Ganz neu ist die Erfahrung für ihn nicht: „Ich habe auch schon bei Porta und beim Braufest gekocht.“ Krüger hat insgesamt sieben Fremdkocher eingeladen – alles Leute, die Hockauf oder er kennen. Sechs haben zugesagt, einer schafft es zeitlich nicht. „Wir wollen zeigen, dass wir viel von einem guten Miteinander halten“, sagt er. Letztlich könnten die Köche mit ihrer eigenen Handschrift auch für ihre Lokale werben, etwa für das neue Restaurant im Hotel „Insel der Sinne“ am Berzdorfer See.

Die Aktion läuft jeden Abend ab 17 Uhr. Küchenschluss ist 21 Uhr. Um die Nachbarschaft nicht zu ärgern, sollten die Gäste nicht viel länger als bis 22 Uhr im Hof sitzen. Das funktioniert gut, sagt Krüger. Doch nicht nur das: „Ich bin überrascht vom Erfolg der ganzen Aktion, in der Regel ist das Essen gegen 21 Uhr tatsächlich aufgegessen.“ Über den Abend verteilt kommen meist 60 bis 70 Leute, einige „nur“ zum Weintrinken, 30 bis 50 aber auch zum Essen. Gisela Pfenniger ist mit ihren 87 Jahren fast jeden Abend dabei, aber sonst ist das Publikum bunt gemischt. „Die Mehrheit ist unter 40“, sagt Krüger. Auch Vangelis ist am Ende des Abends hochzufrieden: Das Essen ist restlos aufgegessen.

Termine mit fremden Köchen: 19. Juli indisch kochen mit Isabell Kube (Niesky), 23. Juli Henry Kellner (Küchenchef Insel der Sinne), 24. Juli kurdisch mit Bozan Ates (Antalya am Demianiplatz), 25. Juli Marcel Müller (Küchenchef Waldstrandhotel im Trixi-Ferienpark Großschönau)