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Die Freundin beklaut

Ein Meißner hebt heimlich 800 Euro von deren Konto ab. Das kostet ihn jetzt viel Geld. Aber nicht nur das.

Von Jürgen Müller
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Ein Meißner soll heimlich 800 Euro vom Konto seiner Freundin abgehoben haben.
Ein Meißner soll heimlich 800 Euro vom Konto seiner Freundin abgehoben haben. © © Symbolfoto: dpa

Meißen. „Ich hab´s versemmelt.“ Das ist wohl so ziemlich der einzige wahre Satz, den der Angeklagte vor Gericht von sich gibt. Versemmelt hat der 40-jährige Meißner in der Tat so einiges. Vor allem hat er das Vertrauen seiner Freundin auf schäbigste Weise missbraucht. Nun sieht er seine damalige Lebensgefährtin vor Gericht wieder. Sie hat ihn angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Computerbetrug vor. Er soll mit der EC-Karte der Frau und der dazugehörigen Geheimzahl zweimal Geld abgehoben haben, einmal 300 und einmal 500 Euro. Das streitet der Mann auch gar nicht ab. Doch betrogen habe er nicht. Im Gegenteil, seine Freundin habe ihm sowohl die EC-Karte als auch die Geheimzahl gegeben. 

Die 300 Euro seien für die gemeinsame Lebensführung verbraucht worden, die 500 Euro habe er benötigt, um eine medizinisch-psychologische Untersuchung machen zu können. Das sei abgesprochen gewesen. „Ich habe keine rosige Vergangenheit. Als ich ihr das beichtete, hat sie Theater gemacht und das Geld zurückgefordert“, sagt er. 70 Euro seien schon für Lebensmittel ausgegeben worden. Die restlichen 430 Euro habe er auf den Tisch gelegt.

Das hat er wohl tatsächlich gemacht, fotografiert und der Frau als Beweis das Foto geschickt. Als diese nach Hause kam, war das Geld aber nicht mehr da.

Überhaupt ist die Sache wohl ganz anders gelaufen, als der Angeklagte erzählt. Nein, sie habe ihm ihre EC-Karte nicht gegeben, die habe er ihr gestohlen, während sie schlief, sagt die Frau. Das sei ganz einfach gewesen, schließlich habe das Portemonnaie ja in der Wohnung herumgelegen.

Doch woher hatte er die Geheimzahl. Er habe diese ausgespäht, ihr beim Bezahlen mit der EC-Karte über die Schulter geschaut, sagt die Geschädigte. Und das war tatsächlich so. Der Angeklagte hat ihr das in einer Whatsapp-Nachricht gebeichtet. Der Richter liest den gesamten Nachrichtenverlauf vor. Dort schreibt der Angeklagte auch, dass er 2010 seine Fahrerlaubnis verloren hat und seitdem ohne diese Auto fährt. Er habe das Geld für die MPU gebraucht und habe es heimlich zurückzahlen wollen.

„Das hättest du sagen sollen. Wie soll ich Dir je wieder vertrauen“, antwortete die Freundin und zieht die Konsequenzen. Sie schmeißt ihn raus. Noch am gleichen Tag kann er seine Sachen holen. Sein Fahrrad und sein Fernsehgerät aber behält die Frau ein als Pfand für die 500 Euro, bis diese bezahlt sind.

Wahrscheinlich hätte sie ihn sowieso rausgeschmissen, nachdem er ihr sein kriminelles Vorleben gebeichtet hatte. Der 40-Jährige bringt es auf 32 Verurteilungen, saß insgesamt mehrere Jahre im Gefängnis. Schon als Jugendlicher setzte es Haftstrafen, die er auch verbüßen musste. Oft waren es Diebstähle, aber auch erpresserischer Menschenraub steht in seinem Sündenregister. 

Gefängnis droht ihm auch jetzt wieder. Der Staatsanwalt fordert eine Haftstrafe von acht Monaten. Selbst der Verteidiger plädiert auf eine Gefängnisstrafe, allerdings will er Bewährung. Der Richter ist jedoch gnädig, verhängt eine Geldstrafe von 2 000 Euro. Er begründet das damit, dass die Taten fast zwei Jahre zurückliegen und es vorher lange keine Eigentumsdelikte gab.

Zudem ordnet er Wertersatz an, das heißt, die Staatsanwaltschaft wird versuchen, die 800 Euro von ihm einzutreiben und an die Geschädigte zurückzuzahlen. Viel Hoffnung, dass sie das Geld bekommt, besteht aber nicht. Nach eigenen Angaben hat der Angeklagte mehr als 10 000 Euro Schulden.