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Die Fürsten sind los

In der Albrechtsburg gibt es bald die seltene Gelegenheit, Sachsens Markgrafen an die Wäsche zu gehen.

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© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Albrecht der Stolze kommt seinen Ankleidern kein bisschen entgegen. Selbst beim Überstreifen des violetten Hemdes hält er die Arme steif von sich gestreckt. Dabei geht Anne Hofmann wirklich sehr sensibel mit ihm um. Die junge Dame ist Vorsitzende des Vereins „Fürstenzug zu Dresden“. Mit insgesamt 19 Fürsten ist sie jetzt nach Meißen gereist. Allerdings handelt es sich dabei nicht um lebendige Personen, sondern um leicht formbare, dunkelgraue Kunststoffpuppen. Erst Kleider machen Leute. Entscheidend sind die Harnische, bunten Mäntel und federgeschmückten Hauben, welche in großen Kisten neben den Puppen stehen und ihnen nach und nach angepasst werden.

Die prächtigen Gewänder sind den Bildern der sächsischen Markgrafen auf dem Fürstenzug aus Meissener Porzellan in Dresden nachempfunden. Für die insgesamt 94 Personen zählende Parade verarbeiteten fleißige Frauen innerhalb von 28 Monaten rund 1 400 Meter hochwertige Stoffe, mehr als 1 000 Knöpfe, Haken und Ösen sowie 250 000 Meter Nähfaden. Ihr Ziel war es, Geschichte zum Anfassen zu schaffen, den Fürstenzug lebendig werden zu lassen. Bislang wurden die Kostüme auf Schloss Rochlitz zwischen Chemnitz und Leipzig aufbewahrt. Dort mussten sie nach der intensiven Sanierung des Schlosses einer neuen Dauerausstellung weichen. Diese Chance hat die Albrechtsburg beim Schopfe gepackt. In mehreren Staffeln werden Sachsens Regenten ab Mittwoch, dem 14. September, in den Räumen der Burg gezeigt. Entscheidend sei gewesen, eine Beziehung zwischen den Figuren und der Albrechtsburg herzustellen, sagt Burg-Museologe Falk Dießner. Albrecht der Stolze darf hierfür erneut als Paradebeispiel gelten. Die Tracht des wahrscheinlich an vergifteten Speisen gestorbenen Wettiners fand unweit des ihm gewidmeten Wandbildes aus dem 19. Jahrhundert ihren Platz. Die zweidimensionale Ansicht des etwas grimmig dreinblickenden Ritters wird durch die dreidimensionale Präsentation mit Kleiderpuppe zu Pferde ergänzt.

August der Starke kommt zu Böttger

Anne Hofmann hat den störrischen Fuß ihres Fürsten im Steigbügel verankert. Bei Sätteln und Satteldecken auf den Kunststoffpferden handelt es sich nicht etwa um Attrappen. Alle in der Burg präsentierten Kleider und Zubehörteile sind voll funktionsfähig und waren bereits im Einsatz, sagt Anne Hofmann. Drei bis fünfmal im Jahr ist der lebendige Zug unterwegs. Am 18. September werden einige Vereinsmitglieder nach München fahren, um als sächsische Albertiner verkleidet am Festumzug zum Start des Oktoberfests teilzunehmen. Die in Meißen ausgestellten Kostüme können trotzdem bleiben. Es existiert eine zweite Garnitur, nur die teuren Perücken treten mit die Reise nach München an.

Vorführen und Ausstellen, das sind für Anne Hofmann zwei Seiten einer Medaille. „Oft kommen Besucher bei Auftritten zu unseren Darstellern, fragen sie aus, lassen sich die Kleider zeigen“, so die Vereinschefin. Daraus entstünde vielfach der Wunsch, die Stücke nochmals näher und intensiver zu betrachten. Die Gelegenheit biete sich nun in den nächsten Monaten auf der Albrechtsburg.

Einen besonderen Hingucker dürfte August der Starke bilden. Der Kurfürst von Sachsen und König von Polen erhielt das aufwendigste Kostüm. Allein an seinem Umhang wurde ein ganzes Jahr gestickt. Ausgestellt wird das Ornat des wohl berühmtesten Wettiners vor dem Wandbild, das August den Starken bei einem Besuch im Labor des Porzellan-Erfinders Johann Friedrich Böttger zeigt. „Im Prinzip werden wird die Puppen fast über die ganze Burg verteilen“, sagt die Marketing-Verantwortliche der Burg Margit Weinhold. Besonders während der Herbstferien Anfang Oktober dürften sie sich als neue Zugpferde erweisen. Am Freitag können Besucher einmalig, zwischen 16 Uhr und 19 Uhr, einen kostenlosen Blick auf die neue Attraktion erheischen.