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Die Furcht auf dem Nachhauseweg

Immer wieder werden Kinder im Rödertal von Fremden angesprochen. Alarmzeichen oder harmloser Vorgang?

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© Symbolfoto: dpa

Von Thomas Drendel

Rödertal. Erst vor wenigen Tagen passierte es wieder. In Radeberg ist eine Schülerin auf dem Schulweg von einem Fremden angesprochen worden. Offenbar wollte der Mann sie nach Hause fahren. Doch sie ließ sich auf das Angebot nicht ein.

Einen ähnlichen Vorfall gab es Ende Juli. Ein Neunjähriger hatte seinem Vater erzählt, dass er in Medingen an der Straße Am Eichelberg zweimal aus einem Auto heraus angesprochen wurde. Damals soll es sich um eine schwarze Mercedes-Limousine mit Bautzener Kennzeichen gehandelt haben. Der Fahrer soll ein Mann mittleren Alters mit einer aufklappbaren Brille gewesen sein. Der Junge ignorierte den Mann. Die Polizei nahm die Sache ernst und suchte Zeugen. Ein weiterer Fall hat sich Ende August in Wachau ereignet.

Bundesweit sorgen Vorfälle für Schlagzeilen

Nach den Vorfällen sind Eltern beunruhigt. „Wir machen uns Sorgen, da es ja schon mehrere Vorfälle dieser Art gab. Glücklicherweise ist noch nichts passiert“, sagt Katja Frey, Mutter aus Wachau. Bundesweit sorgen schließlich immer wieder Vorfälle für Schlagzeilen, bei denen Kinder auf Schulwegen abgepasst werden und Täter sich an ihnen vergehen. Deshalb nehmen auch Schulleiter im Rödertal die Vorfälle ernst. „Ich habe mein Lehrerkollektiv und auch die Eltern nach dem letzten Ereignis informiert. Einen Vermerk im Klassenbuch gibt es ebenfalls. Immer, wenn wir von solchen Vorfällen erfahren, sind wir verpflichtet, das Umfeld zu informieren“, sagt die Leiterin der Grundschule Liegau-Augustusbad, Alexandra Baumgärtel.

Mit einer Rundmail hat sie auch den Schulleitern umliegender Einrichtungen davon berichtet. „Wir haben daraufhin die Kinder belehrt, sowie mit Lehrern und Eltern gesprochen“, sagt Sabine Fleischer, die Leiterin der Grundschule Wachau. Auch mit Vertretern der Gemeindeverwaltung saß die Schulleitung bereits an einem Tisch. „Es geht darum, dass auch von dieser Seite alles an Vorsorge getan wird.“

Hinweise werden ernst genommen

Im Wachauer Gemeindeamt werden die Gespräche bestätigt. Nähere Auskünfte zum Vorgehen will die Verwaltung allerdings nicht geben. „Die uns bekannten Vorfälle sind in dieser Woche bei der Polizei angezeigt worden. Ermittlungen wurden aufgenommen“, sagt Roland Kaiser, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. „Darüber hinausgehende Aussagen kann und darf die Verwaltung im Hinblick auf das laufende Verfahren nicht treffen. Auf jeden Fall nehmen wir die Hinweise sehr ernst.“ Alexandra Baumgärtel weist darauf hin, dass über das Thema Schulweg regelmäßig gesprochen wird. „Das passiert im Ethik- oder im Sachunterricht. Wir versuchen, Eltern und Kinder zu sensibilisieren.“ Den Kindern wird dabei gesagt, was sie tun sollen, wenn sie von einer unbekannten Person angesprochen werden. „Die oberste Regel lautet, niemals mit einem Fremden mitgehen oder sich gar zu ihm ins Auto setzen, auch wenn die Angebote noch so verlockend sind. Ganz wichtig ist ein klares Nein“, sagt Alexandra Baumgärtel. Solche Präventionsgespräche finden nach ihren Worten auch unabhängig von konkreten Vorfällen statt.

Die Polizei nimmt solche Anzeigen ebenfalls sehr ernst, sagt Thomas Knaup, Mitarbeiter der Polizeidirektion Görlitz. Er bestätigt, dass es Hinweise zu Vorfällen am Morgen des 23. August auf der Hauptstraße in Wachau sowie am Nachmittag des 24. August auf der Stolpener Straße in Radeberg gegeben hat. „Wir sind ihnen nachgegangen. In keinem der genannten Fälle war bislang jedoch eine strafbare Handlung zu erkennen. Ebenso ergaben sich bei den Ermittlungen keine Hinweise darauf, dass sich die geschilderten Begebenheiten tatsächlich zugetragen haben oder eine Gefahr für die Kinder bestand“, sagte er.

Nachrichten und Gerüchte verbreiten sich schnell

Die Sorgen der Eltern seien natürlich verständlich. Zur ganzen Wahrheit gehöre aber auch, dass das Ansprechen eines Menschen, auch eines Kindes, nicht strafbar ist. Es komme beispielsweise vor, dass Autofahrer Schulkinder beispielsweise nach dem Weg fragen. „Das wird dann beobachtet und oft schnell im Internet verbreitet.“ Als Beispiel nennt er einen Vorfall im Landkreis: „Über soziale Netzwerke kursierte seit Monaten Gerüchte, wonach im Raum Bautzen, Bischofswerda und Umgebung aus einem grünen Mercedes Kleintransporter mit Pirnaer Kennzeichen Kinder angesprochen und in das Fahrzeug gelockt würden. Die Informationen sind nachweislich falsch“, sagt der Polizeibeamte. „Die Polizei hat den betreffenden Wagen gestoppt und kontrolliert. Der Fahrer konnte den Beamten glaubhaft erklären, warum er damals verkehrsbedingt neben einem Kind an der Straße gehalten hat.“

Die Mutter aus Wachau hält es indes für richtig, wenn Eltern oder auch alle anderen Einwohner im Rödertal über solche Vorfälle informiert werden. „Dann halten ja vielleicht mehr Leute die Augen offen und es hilft, schlimme Dinge zu verhindern.“