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Gesundheit

Die gängigsten Gesundheitsmythen

Synonyme für das Wort Mythos sind Aberglaube, Urglaube, Götterlehre, aber auch Legende, Sage oder Idol. 

© Adobe Stock – Family Business

Die Auswahl richtet sich nach der ursprünglichen Bedeutung, die personen-, ereignis- oder glaubensbezogen sein kann. So gibt es Kultfiguren oder Episoden, die als Legenden oder Mythen in die Geschichte eingegangen sind. 

Auch das Wort Halbgott findet sich im Zusammenhang mit dem Ursprungsbegriff wieder. Womit wir bei den Halbgöttern in Weiß wären, die zum Teil selbst dem Spinatkomplott heute noch auf den Leim gehen und auch andere Gesundheitsmythen propagieren. Nicht alle sind wahr. Und einige sind nicht ganz falsch.

Light ist gesünder

Die Liste der Lightprodukte wächst ständig. Die Marketingexperten veranstalten kreative Gedankenwettrennen, um die Vermarktung dieser Produkte zu forcieren. Konsumenten werden durch psychologisch fundierte Schachzüge zum Kauf getrieben. Light ist gesünder und das Gewissen beruhigt. 

Dabei ist nicht einmal einheitlich festgelegt, mit welcher konkreten Eigenschaft dieses Produktmerkmal genau belegt ist. Fettarm, fettfrei, zuckerreduziert, zuckerfrei und kalorienärmer sind durchweg positive Begriffe, gemessen an den Normalwerten. Problematisch ist, dass zucker- oder fettfrei nicht unbedingt kalorienarm bedeuten. 

Über den Lebensmittelbereich hinaus sieht sich auch die Genussmittelbranche dem Zwang ausgesetzt, Lightprodukte anzubieten. Alkoholfreie Biere und Sekte finden ihre Fans genauso wie Lightzigaretten. Einem Laster frönen und dabei das Gewissen beruhigen. Das gelingt natürlich nur, wenn der Körper sich nicht schon in einem Suchtlevel bewegt. 

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Die Zigarette wird gern als Stressminimierer gesehen und eingesetzt. Für starke Raucher ist sie das auch tatsächlich. Der Effekt wird durch den Nikotingehalt hervorgerufen. Ist die Zigarette leicht, hält dieser nicht so lange an und es werden mehr Zigaretten für den gleichen Nikotinspiegel geraucht. 

Die meisten anderen schädlichen Inhaltsstoffe sind in der Konzentration pro Glimmstengel nicht abgesenkt. Bei höherem Konsum werden diese dann entsprechend auch in höheren Dosen aufgenommen. Und ob die nikotinärmere Tabakware für die Passivraucher etwas nutzt, bleibt zu erforschen. 

Passivrauchen – für Kinder am gefährlichsten

Hier brauchen wir nicht lange um den heißen Brei herumreden. Dieser Mythos ist kein Aberglaube, sondern Fakt. Kinder sind in der Entwicklung befindlich, welche durch jeden und jeder Schadstoffeinfluss gehemmt wird. Zudem schädigt es die Gesundheit nachhaltig. 

Das Rauchen komplett aufzugeben ist nicht so leicht. Viele nehmen hierfür einen kleinen Umweg über die E-Zigarette in Kauf. Die Entwöhnung kann hier wirklich zum erreichbaren Ziel werden. Der Umstieg mindert die gesundheitlichen Risiken für sich selbst und die Menschen in der unmittelbaren Umgebung. 

Das Spinatdrama

Ob je geklärt wird, wie viele Kinder dem Spinatmythos zum Opfer gefallen sind? Wahrscheinlich nicht. Denn auch heute noch fallen die Worte Spinat und Eisen häufig gepaart in einem Satz. In Begleitung sind dann Attribute wie „viel“ und „gesund“. Kurios: Die Aussage, dass Spinat viel Eisen enthält, ist wahr und falsch zugleich.

Wahr: Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde in einer Untersuchung bewiesen, dass das Blattgemüse einen Eisengehalt von 35 mg auf 100 Gramm aufweist. Das Ergebnis verbreitete sich rasant. Die Untersuchungsvoraussetzungen sind allerdings auf der Strecke geblieben. Durchleuchtet wurde nämlich getrockneter Spinat und nicht der erntefrische. Durch den Wasserentzug potenziert sich der Gehalt der Nährstoffe.

© Adobe Stock – Sunny Forest

Falsch: Für die darmseitige Verstoffwechselung ist das Eisen im Spinat gar nicht verwertbar. Der Körper kann es schlichtweg nicht verdauen. Außerdem ist der Eisengehalt im frischen Spinat sehr viel geringer. 

Positiver Nebeneffekt: Das satte Grün enthält andere wichtige Nährstoffe und Spurenelemente, die es trotzdem zu einem gesunden Lebensmittel machen. Und immerhin ist die Kultfigur Popeye, der Spinatmatrose, dieser Legende entsprungen. Es gibt wohl keine Generation, seit es Popeye gibt, die nicht durch seine Eisenfäuste zum Spinatkonsum verführt werden sollte. 

Nur roh macht froh

Rohes Gemüse ist ultragesund. Gemüse bringt uns nur ungekocht in den vollen Genuss der Vitamine. Was ist dran an diesen Aussagen?

Die gute Nachricht: Der Marathon um den Rohkoststand in der Betriebskantine kann beendet werden. Es stimmt durchaus, dass gemäßigter Verzehr von rohen Produkten gesund ist. Eine Überdosis jedoch führt zu Blähungen und Bauchschmerzen. Bei einigen Gemüsesorten müssen giftige Bestandteile sogar durchs Garen eliminiert werden, um überhaupt genießbar zu werden.

Diese Gemüse sind roh ungenießbar oder giftig:

• grüne Bohnen

• Rhabarber

• Kartoffeln

• Maniok

• Auberginen

Pilze (außer Zuchtchampignons)

Die Zeit ist reif für den Genuss nach Knopfdruck. Smoothies, auch grüne, sind der Trend schlechthin. Diverse Rezeptbücher vermitteln den Eindruck, dass für einen Smoothie der gesamte Inhalt des Gemüsefachs in den Mixer geleert werden kann. 

Einige Vitamine kann der Körper nur aufnehmen, wenn das Gemüse gegart ist. Für andere benötigt der Körper den Hauch eines guten Öls. Es gibt keinen Grund, ausschließlich rohe Zutaten in einen Gemüsesmoothie zu geben. Schonend gedünstet oder kurz blanchiert können wir die Zutaten viel besser verwerten. 

Die Kortisonverschwörung

Die Gefährlichkeit von Kortison ist seit langem ein präsentes Thema. Der Umgang mit diesem Problem spaltet die Nation. Ein Teil der Bevölkerung meidet Kortison wie Vampire den Knoblauch. Ein anderer Teil sieht diese Thematik etwas reflektierter. Und der Rest hat ohne Kortison kaum Lebensqualität und nimmt die Nachteile in Kauf.

Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Mensch mit verschiedenen Systemen ausgestattet ist. Jedes System hat dabei seine Aufgabe. Neben guter Verdauung, freier Atmung, stabilem Blutkreislauf und gesunden Nerven, ist die Produktion von Hormonen wesentlich für das Befinden von Körper und Geist. Kortison ist ein Hormon, das im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden kann. 

Der Wirkstoff hemmt Entzündungen und wirkt abschwellend. Allergiker und chronisch Erkrankte wissen diesen Umstand sehr zu schätzen. Wie bei allem, macht die Dosis in Verbindung mit der Anwendungsdauer hier den entscheidenden Unterschied. Nebenwirkungen können Auftreten, müssen es aber nicht. 

Kortison ist in unterschiedlichsten Applikationen vorhanden. Von Nasentropfen über Injektionen bis zur Salbe ist das Hormon lindernd bis heilsam. Kein Mensch konsumiert es ohne zwingenden Grund. Liegt dieser vor, dann gibt es dahinter einen Arzt, der das Präparat verordnet. Verantwortungsvolle Anwendung ist in diesem Fall ungefährlich. 

Schwere Nebenwirkungen treten vor allem auf, wenn die Anwendung sehr hoch dosiert oder über lange Zeit vorgenommen wird. Es gibt Erkrankungen, die einen sehr hohen Leidensdruck erzeugen. Betroffene erdulden hier die Nebenwirkungen, weil die Linderung der Beschwerden für sie vorrangig ist. 

Unter ärztlicher Kontrolle angewendet, ist die Gefährlichkeit von Kortison ein überschaubares Risiko. 

Lesen unter der Bettdecke beeinträchtigt die Sehkraft

Der ewige Kreislauf der Elternirrtümer wird von der Annahme befeuert, dass Kinder schlafen, wenn die Eltern das Licht ausknipsen. Das betrifft auch die Eltern, die es aus ihrer eigenen Kindheit besser wissen müssten. Besser wissen, weil sie mit der Taschenlampe unter der Bettdecke noch den Comic fertiggelesen oder mit den drei Fragezeichen einen brisanten Fall geklärt haben. 

„Du verdirbst Dir die Augen!“ Eine abgedroschene Phrase oder Wahrheit? Aufatmen ist angesagt. Das Lesen bei spärlicher Beleuchtung ist anstrengend und kann Kopfweh verursachen. Es macht aber nicht sehschwach. Hierfür ist in der Regel das Alter verantwortlich. 

Liegen nicht ohnehin Augenerkrankungen vor, die eine Brille erforderlich machen, so sorgt das zunehmende Alter dafür, dass die Linsen an Elastizität einbüßen. Lesen im geheimen Versteck darf also weiter zelebriert werden. 

Vor dem Schwimmen keine große Mahlzeit einnehmen

Horrorszenarien von sinkenden Schwimmern im beaufsichtigten Hallenbad spielen sich in vielen Köpfen ab. Der Grund: Ein gutes Essen. Können wir diese Ängste nehmen?

Der Mythos, dass ein Schwimmer nach dem Essen schneller ertrinken kann, stimmt nur zum Teil. Ist der Körper mit der Verdauung größerer Nahrungsmengen beansprucht, benötigt der Magen eine besonders hohe Durchblutung. Andere Körperregionen werden daher nur grundversorgt. Das kann in den Muskeln zu Krämpfen führen, wenn diese besonders beansprucht werden.

Nach einem kleinen Pausensnack ist Schwimmen also bedenkenlos möglich. Nach der halben Weihnachtsgans sollte man sich Ruhe gönnen. 

Schwimmen ist übrigens auch nicht gleich Schwimmen. Gemächliche Bahnen, die plaudernd mit dem Kopf über Wasser gezogen werden, beanspruchen den Körper bei weitem nicht so, wie das Schwimmen unter Wettbewerbsbedingungen wie Paul Biedermann

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin K. Schöler.