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Die gefesselte Bombe

Ein Blindgänger legte in der Nacht zu Freitag das Leben in Teilen Pirnas lahm. Ihn zu entschärfen, war kompliziert.

© Daniel Förster

Von Daniel Förster und Christian Eissner

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Punkt 2.26 Uhr am Freitagmorgen war der Spuk vorbei. Drei Stunden, nachdem sie mit der Arbeit begonnen hatten, gaben Daniel Großer-Scholz und Sven Redmer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei Entwarnung. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie die beiden Aufschlagzünder der 250-Kilo-Sprengbombe aus Stahlguss ausgebaut. Die Bombe aus amerikanischer Produktion wird nun in der zentralen Sammelstelle in Zeithain entsorgt.

Gabi Protze (l.) und Martina Brückner machen es sich auf den Rängen der Turnhalle an der Struppener Straße so bequem wie möglich.
Gabi Protze (l.) und Martina Brückner machen es sich auf den Rängen der Turnhalle an der Struppener Straße so bequem wie möglich. © Marko Förster

Der im Zweiten Weltkrieg auf einem Feld oberhalb der Viehleite niedergegangene Blindgänger war am Donnerstagmittag auf dem Baufeld für die Südumfahrung Pirna entdeckt worden. Kampfmittelsondierer suchen den künftigen Trassenverlauf derzeit nach Munition ab. Sie hatten per Magnetfeldaufnahme auf der Fläche oberhalb der Viehleite einen verdächtigen Wert gemessen und den rund 80 Zentimeter tief im Boden verborgenen Metallkörper daraufhin als „Störpunkt“ markiert. Bei der genaueren Überprüfung herrschte schnell Klarheit, dass es sich um eine Fliegerbombe handelt.

Die etwa einen Meter lange Bombe steckte im 60-Grad-Winkel mit der Spitze im Boden. Entsprechend kamen die Fachleute an den Zünder am Heck relativ einfach heran. „Um an den zweiten zu gelangen, mussten wir aber erst einmal ein paar Felsen beiseiteräumen“, sagt Kampfmittelbeseitiger Daniel Großer-Scholz. Das war nicht so einfach. Die Bombe, vermutlich abgeworfen im Februar 1945, hatte nach 73 Jahren in der Erde schon arg gelitten.

So erklärt sich auch die lange Zeit, die die Spezialisten zum Entschärfen benötigten. „Der Aufwand, den wir betreiben mussten, um an den zweiten Zünder heranzukommen, war erheblich“, erläutert Daniel Großer-Scholz. Sandsteinblöcke von etwa 50 Zentimeter Stärke lagen auf dem Blindgänger. Ein Baggerfahrer der Sondierungsfirma unterstützte die beiden. „Sonst hätten wir Technik vom THW anfordern müssen.“ Mit vereinten Kräften nahmen sie die Gesteinsmassen neben und auf der Bombe weg und legten den Rest per Handarbeit mit der Schaufel frei. Auch wenn die Sache kompliziert war: Das Polizeiverwaltungsamt schätzt die Entschärfung am Ende als reibungslos ein.

Auch die Evakuierung mehrerer Straßenzüge funktionierte letztlich recht zügig und geordnet. Auf der Facebook-Seite der SZ Pirna dankten viele Betroffene den Einsatzkräften für ihre gute Arbeit. „Das Zusammenspiel hat perfekt und professionell funktioniert“, lobt auch Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke. „Ebenso möchte ich natürlich allen betroffenen Bürgern meinen Respekt zollen, mit welcher Geduld sie diese durchaus belastende Situation getragen haben.“

Pirnas Gemeindewehrleiter Peter Kammel schließt sich der Einschätzung an. Jeder einzelne am Einsatz Beteiligte habe einen perfekten Job gemacht, so Kammel. „Die vielen positiven Stimmen aus der Bevölkerung zeigen, dass der Einsatz recht gut gelungen ist.“

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