Teilen:

Die Gemeinde mit dem Stern

© René Meinig

Seit 40 Jahren gibt es die Herrnhuter Brüdergemeine auf der Oschatzer Straße. Nun will sie bekannter werden.

Von Sarah Herrmann

Pieschener Gläubige haben es leicht. Sie müssen einfach dem Stern folgen – dem Herrnhuter Stern. Der weist den Weg zu einer kleinen Hinterhof-Kirche auf der Oschatzer Straße, die sogar von vielen Nachbarn bislang unbemerkt blieb. Dabei trifft sich die „Herrnhuter Brüdergemeine“ dort bereits seit 40 Jahren.

Um ihre Glaubensbewegung bekannter zu machen, haben Pfarrerin Henna van Hell und ihre „Brüder und Schwestern“ – wie die Gemeindemitglieder genannt werden – jeden Monat eine Veranstaltung auf die Beine gestellt. Am Sonnabend können Interessierte bei einer Ausstellung zum Jubiläumsauftakt mehr über die Geschichte der Bewegung erfahren.

Die wurde 1722 von Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf in Herrnhut gegründet. Bei dem Wort „Brüdergemeine“ ist dem Grafen indes kein Schreibfehler unterlaufen. Es leitet sich von der Gemeinschaft ab, die den Brüdern und Schwestern besonders wichtig ist. Den meisten ist die Gemeinde durch die Losungen bekannt, die jährlich herausgegeben werden, in über 50 Sprachen übersetzt wurden und die es mittlerweile auch per App aufs Handy gibt. Und natürlich durch den Herrnhuter Stern. In Deutschland gibt es zurzeit 6 000 Mitglieder, in Dresden sind es 250. Etwa ein Viertel von ihnen ist daneben auch in anderen Gemeinden. „Da sind wir offen“, sagt Henna van Hell.

Die gebürtige Niederländerin war früher in der evangelischen Landeskirche tätig. Nach ihrem Studium in Brüssel zog sie nach Zeist nahe Utrecht und lernte die Brüdergemeine kennen. Seit 2015 predigt sie auf der Oschatzer Straße. „Mich haben vor allem die Beerdigungen und die Osterfeier beeindruckt“, sagt die Theologin. Wenn ein Gemeindemitglied verstirbt, wird es von den anderen unter Blasmusik zu Grabe getragen. „Das rührt mich immer zu Tränen“, sagt van Hell. Am Ostermontag wird die Auferstehung Christi bereits ab 6 Uhr morgens gefeiert. Auf einem Friedhof wird bis zum Sonnenaufgang gesungen. Dabei werden die Namen der verstorbenen Gemeindemitglieder aus dem Vorjahr verlesen.

Ausstellungseröffnung mit gemeinsamem Kaffeetrinken am Sonnabend um 15 Uhr, weitere Veranstaltungen stehen online unter: www.dresden.ebu.de