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Die Gemüsemänner

Richard und Rafael Perdoch kommen aus Polen. In Bischofswerda verkaufen sie Frisches.

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© Regina Berger

Sylvia Gebauer

Bischofswerda. Manche Besucher des Bischofswerdaer Wochenmarktes können es kaum erwarten, dass Richard Perdoch mit seinem Transporter vorfährt. 6 Uhr morgens sind bereits die ersten Kunden da. Denn das Angebot des polnischen Markthändlers unter anderem an Radieschen, Tomaten, Gurken und Kartoffeln hat sich herumgesprochen. Geschätzt wird Richard Perdoch für die Frische seiner Waren. 90 Prozent bezieht der Händler von seinem Schwager, der ein einhundert Hektar großes Feld bewirtschaftet. Hinzu kommen noch fünf Gewächshäuser und eine Schweinezucht.

Wenn Richard Perdoch nicht auf dem Wochenmarkt steht, sitzt er im Auto. Mehrere Hundert Kilometer legt er am Tag zurück. 130 Kilometer sind es von seinem Heimatort Brode, einem Dorf bei Gubin, bis nach Bischofswerda. Bis nach Breslau, wo er von Händlern Orangen, Mandarinen und Weintrauben kauft, sind es 200 Kilometer. Im Sinne der Kunden will er auf dieses Obstangebot nicht verzichten. „Es spricht sich ja herum, wenn ich gute Ware anbiete“, sagt Richard Perdoch. Zahlreiche Stammkunden kann er jeden Freitag in Bischofswerda begrüßen. Neben Obst und Gemüse kaufen sie polnische, in unterschiedlich farbigem Papier abgepackte Pralinen. Einzeln sind sie zu haben. Geduldig erklärt der Händler beinah jedem Kunden die Geschmacksrichtungen. Kokos, Pflaume, Nougat und einige andere gibt es. 50 Kilogramm Konfekt verkauft der Markthändler an einem Freitag in Bischofswerda. Hergestellt werden die Pralinen in einem polnischen Betrieb, 30 Kilometer von Richard Perdochs Heimatort entfernt.

Ein kleiner Familienbetrieb

Montags wird neue Ware eingekauft. Von Dienstag bis Freitag ist er auf deutschen Wochenmärkten anzutreffen, seit 2012 in Bischofswerda. Zwar gibt es auch in seinem Heimatort einen kleinen Markt, doch das lohnt sich nicht. „Die meisten Leute sind arbeitslos und haben deshalb nicht so viel Geld. Außerdem habe ich dort viele Bekannte. Ich müsste meine Ware verschenken“, sagt Richard Perdoch in ausgezeichnetem Deutsch.

Sein Geschäft hat sich über die Jahre zu einem kleinen Familienbetrieb entwickelt. Richards Perdochs Söhne sind ebenfalls ins Marktgeschäft eingestiegen. Beide, gelernte Gasheizungsmonteure, waren arbeitslos. Jetzt haben sie eine berufliche Perspektive. Sohn Rafael ist mit seinem Vater auf den Märkten unterwegs. Sein Bruder zeitgleich auf einem anderen. Zu zweit betreuen sie den Stand. Am Anfang unterstützten Richard Perdoch in Bischofswerda seine Cousine und der Vater der Freundin seines Sohnes. „Ihnen war das frühe Aufstehen zu stressig, deshalb haben wir das beendet.“

Täglich 16 Stunden auf den Beinen

Jahrelang montierte der gelernte Gasheizungsmonteur für eine Münchner Firma Trockenbauwände. Nur zweimal im Jahr kam er nach Hause. Zu wenig für den Familienmenschen. 2000 entschied sich Richard Perdoch für den beruflichen Neuanfang. „Meine Eltern verkauften Eis auf Märkten. Ich wusste, worauf ich mich einlasse“, sagt er. Zufrieden ist Richard Perdoch mit seinem Job, auch wenn er von Montag bis Freitag täglich 16 Stunden auf den Beinen ist. Wenn er gegen 12.30 Uhr in Bischofswerda seine Sachen zusammenpackt, fährt er anschließend nach Forst. Beim Italiener kehrt er immer ein. 17 Uhr ist er zu Hause. Dann bleiben noch Zeit zum Fernsehen, für einen Plausch mit der Frau. 19 Uhr legt sich Richard Perdoch hin. Drei Uhr klingelt in der Woche der Wecker. Am Wochenende wird ausgeschlafen.

An diesem Freitag gibt es wegen des Weihnachtsmarktes in Bischofswerda keinen Wochenmarkt.