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Die Gesichter des Winters

Die Olympia-Saison hat deutschen Athleten viele Erfolge beschert – und auch tragische Momente.

Von Fabian Nitschmann und Michaela Widder

Der lange Sportwinter ist zu Ende. Endlich – werden wohl nicht nur die meisten Athleten jetzt sagen. Was bleibt? 31 olympische Medaillen sprechen eine klare Sprache für die deutsche Mannschaft. Vor allem der Überraschungserfolg beim olympischen Eishockey-Turnier, die dominanten Auftritte der Kombinierer, die faszinierende Goldkür des Eiskunstlaufpaars Aljona Savchenko/Bruno Massot, aber auch die bittere Niederlage für Rodler Felix Loch in Pyeongchang oder der Sturz von Richard Freitag bei der Vierschanzentournee in Innsbruck bleiben in Erinnerung.

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Für Claudia Pechstein gingen nicht alle Träume auf.
Für Claudia Pechstein gingen nicht alle Träume auf. © Robert Michael
Kombinierer Eric Frenzel hat wieder geliefert.
Kombinierer Eric Frenzel hat wieder geliefert. © action press
Richard Freitag hat auch Pech in seiner besten Saison,
Richard Freitag hat auch Pech in seiner besten Saison, © dpa
Zwei Goldmomente erlebte Francesco Friedrich.
Zwei Goldmomente erlebte Francesco Friedrich. © Robert Michael

Die prägenden Gesichter und Momente der vergangenen sechs Monate hat die SZ zusammengestellt:

Die Zuverlässige

Nervosität und Versagensängste? Für Laura Dahlmeier sind das Fremdwörter. Immer wenn es darauf ankommt, ist die Biathlon-Königin da. In Pyeongchang holte sich die siebenmalige Weltmeisterin zweimal Olympiagold und einmal Bronze. Mit gerade 24 Jahren hat die Bayerin nun alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. „Für mich waren es wahnsinnig erfolgreiche Winterspiele“, meinte Dahlmeier, die längst zu den ganz Großen des deutschen Sports gehört: „Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, das hat mich als Sportlerin weitergebracht, und ich habe mich als Mensch weiterentwickelt.“ Am Saisonende war auch eine Dahlmeier irgendwann erschöpft und blieb in diesem Winter damit ohne eine der begehrten Trophäen im Gesamtweltcup.

Der Überraschungssieger

In diesem Moment schlossen ihn auch die geschlagenen Gastgeber in ihr Herz: Als Thomas Dreßen bei der legendären Abfahrt von Kitzbühel zum Sieg raste und im Ziel völlig losgelöst juchzte, freuten sich selbst Österreicher für den deutschen Ski-Youngster. Der 24-Jährige erlebte eine Traumsaison mit zwei Siegen auf der Streif und in Kvitfjell sowie zwei dritten Plätzen. Nach Jahren in der Bedeutungslosigkeit sind die deutschen Speedfahrer dank Dreßen zurück in der Weltspitze. Auch wenn es noch nicht mit einer Medaille bei Olympia klappte. Mit seiner lockeren Art sammelt Dreßen auch neben der Piste Sympathiepunkte – und gilt für viele als Nachfolger des langjährigen Ski-Alleinunterhalters Felix Neureuther.

Der Pechvogel

Einmal die Ski-Enden überkreuzt, schon lag Richard Freitag im nebligen Innsbruck mit der Nase voraus im Schnee – und alle Hoffnungen auf den ersten deutschen Vierschanzentournee-Sieg seit 16 Jahren waren dahin. Der Sturz am Bergisel sorgte für den Bruch in der Saison des 26 Jahre alten Sachsen, der im vergangenen Sommer vom Erzgebirge ins Allgäu nach Oberstdorf gezogen war. Bis zur Tournee-Halbzeit sammelte Freitag Podestplätze ein und führte den Gesamtweltcup an. Danach gelang ihm noch Bronze bei der Skiflug-WM und Team-Silber bei Olympia. Die Überlegenheit und die Leichtigkeit aber waren verflogen. Auch die Gesamtführung im Weltcup war gegen den Polen Kamil Stoch nicht mehr zu halten. Seine beste Saison beendet Freitag immerhin als Zweiter.

Die Unermüdliche

Trotz der sie selbst nicht zufriedenstellenden Platzierungen bei ihren siebten Winterspielen denkt Claudia Pechstein auch mit 46 Jahren nicht ans Aufhören. Obwohl Deutschlands erfolgreichster Winterolympionikin in einigen Medien nach Pyeongchang der Rücktritt nahegelegt wurde, peilt die Berlinerin nun sogar Peking 2022 an. Zuzutrauen ist es ihr, denn die nationale Konkurrenz ist erschreckend schwach. Auch im hohen Alter war Pechstein im Olympia-Winter die erfolgreichste Deutsche auf dem Eis: Sie gewann zwei Weltcuprennen, brachte das Trio in der Teamverfolgung dreimal auf das Podest und egalisierte zum Ausklang der Saison den nationalen Meisterrekord von Gunda Niemann-Stirnemann mit 34 Titeln.

Die Bahnbezwinger

In Sotschi 2014 nach 50 Jahren erstmals leer ausgegangen, nun mit drei Olympiasiegen die Optimal-Ausbeute fürs deutsche Bobfahren erreicht. Trotz des Material-Hickhacks während der Saison liefen die Schlitten beider Hersteller auf der Bahn von Pyeongchang bestens. Nach Platz fünf zur Halbzeit und einer schlaflosen Nacht holte der nervenstarke Pilot Francesco Friedrich im FES-Zweierbob zeitgleich mit den Kanadiern Justin Kripps/Alexander Kopacz Gold. Im Wallner-Vierer sorgte der Pirnaer mit einem souveränen Auftritt für das Double, das erste seit 2006. Pilotin Mariama Jamanka – erst vor fünf Jahren vom Hammerwerfen zum Bob gewechselt – überraschte mit Gold, da sie eigentlich als B-Team gestartet war. Einen Weltcup hatte die Berlinerin zuvor noch nie gewonnen.

Der Traurige

Sekundenlang blieb Felix Loch nach seinem verpassten Gold-Hattrick zusammengesunken wie ein Häufchen Elend auf seinem Schlitten sitzen. Papa und Cheftrainer Norbert Loch tröstete seinen Sohn. Durch einen schweren Fahrfehler in der kniffligen Kurve neun vergab der zweimalige Olympiasieger seinen schon sicher geglaubten Sieg im Olympic Sliding Centre. „Da muss man ihm einfach nur zur Seite stehen, so etwas kann mal passieren. Er hat sein Gold einfach nur weggeschenkt“, sagte Vater Loch. Nach Tagen der Ruhe testete der Berchtesgadener schon wieder Material im Eiskanal von La Plagne und postete entschlossen: „Nach Olympia ist vor Olympia.“

Der Fokussierte

Eric Frenzel weiß, was er will. Und in diesem Winter war das nicht der Gesamtweltcup. Für den 29-Jährigen zählte nur Olympia. Dem ordnete er alles unter, arbeitete akribisch auf das Ziel zweiter Olympiasieg hin. Dabei ließ er sich von Misserfolgen im Vorfeld nicht beirren – und wurde in Pyeongchang belohnt: Zwei Olympiasiege und einmal Bronze machten den Nordischen Kombinierer zu einem der erfolgreichsten deutschen Starter. Den Kollegen im „Team D“ war wohl vorher bewusst, dass Frenzel Großes leisten wird: Sie wählten den Sachsen mehrheitlich zum deutschen Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier in Südkorea.

Die Silberjungs

Am Ende fehlten nur 55,5 Sekunden: Nach einem dramatischen Spiel musste sich die Eishockey-Nationalmannschaft in der Verlängerung des Olympia-Finales gegen die Olympischen Athleten aus Russland geschlagen geben. Doch dass sie überhaupt um Gold spielen würden, hätte vor dem Turnier wohl niemand erwartet. „Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, sagte Bundestrainer Marco Sturm nach dem bislang größten Erfolg des deutschen Eishockeys. Dank unglaublicher Leidenschaft stand sein Team kurz davor, sich erstmals zum Olympiasieger zu krönen. Für die WM im Mai in Dänemark bremste Sturm die Erwartungen aber gleich wieder: Eine Medaille sei unrealistisch. (dpa/SZ)