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Die Gewinner der Schlecker-Pleite

Supermärkte werben vergeblich mit Parfum. Die Drogerie-Kunden orientieren sich neu.

© dpa/Stefan Puchner

Dresden. Vor zwei Jahren hat ein neuer Wettkampf im Einzelhandel begonnen, und er ist noch nicht zu Ende. Seit der Schlecker-Pleite im Sommer 2012 werben viele Händler um die Kunden der maroden Drogeriemarktkette. Die großen Supermarktketten und Discounter wollten sich ein möglichst üppiges Stück vom Kuchen sichern. Die Zwischenbilanz zeigt: Die Hoffnungen von Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl haben sich nicht erfüllt.

Der Handelsexperte Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) urteilt klar: „Die Gewinner der Schlecker-Pleite sind DM, Rossmann und Co.“ Nach seiner Erfahrung haben zwar zunächst auch Supermärkte und Discounter einen Teil der ehemaligen Schlecker-Kunden angelockt. Doch sie konnten viele von ihnen nicht halten.

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Die Gründe für den Erfolg der Drogeriemarktketten sind für die Handelsexpertin Denise Klug vom Marktinformationsdienst Planet Retail offensichtlich: Die Konsumenten in Deutschland seien „an die Kompetenz und Angebotsvielfalt der Drogeriemärkte gewöhnt“. Sie wollten nicht nur drei Sorten Shampoos im Angebot, sondern viel mehr. Das Image der großen deutschen Drogeriemarktketten bei den Kunden ist tatsächlich außergewöhnlich gut. In einer Studie der Unternehmensberatung OC&C wurde DM in diesem Jahr zum beliebtesten Händler Deutschlands gekürt und verdrängte damit den Online-Riesen Amazon vom Spitzenplatz. Aber auch die Rivalen Müller und Rossmann konnten sich unter den Top Ten der Unternehmen mit der größten Kundenzufriedenheit platzieren – auf den Rängen fünf und sechs.

Kosmetik ist kompliziert

Das zahlt sich aus. Nach den Untersuchungen der Marktforscher können die Drogeriemärkte viele neue Käufer gewinnen und nehmen Supermärkten Marktanteile nicht nur bei Kosmetik und Körperpflegeprodukten ab, sondern auch bei Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln. Dabei begannen mit der Schlecker-Pleite für die anderen Drogeriemarktketten zunächst schwierige Zeiten. Denn die Verbraucher nutzten den Ausverkauf im Sommer 2012, um sich billig mit Vorräten einzudecken. Mancher kaufte zehn Fliegenklatschen. Das bremste bis weit ins Jahr 2013 hinein die Nachfrage.

Doch seit die Restbestände verbraucht sind, brummt das Geschäft. Allein im Januar steigerten die Drogeriemärkte ihre Umsätze laut GfK im Vorjahresvergleich um 8,4 Prozent. Auch in Nachbarländern sind sie aktiv. Der Lebensmittelhandel hatte, als Schlecker pleite ging, laut Handelsexpertin Klug noch nicht genügend große Sortimente. Es habe zwar Versuche der Supermärkte gegeben, mehr Kosmetikprodukte ins Angebot zu nehmen. Aber diese seien nicht immer vom Erfolg gekrönt gewesen. „Das ist eine komplizierte Kategorie. Die Kundinnen machen gerne mal die Packungen auf und testen die Produkte. Da ist Beratung notwendig, aber man muss auch ein Auge auf die Ware haben“, erklärt die Branchenkennerin.

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Doch das letzte Wort im Kampf um die Kunden ist nach ihrer Einschätzung noch nicht gesprochen. Klug ist sicher: „Supermärkte und Discounter werden im Wettbewerb mit den Drogeriemärkten nicht aufgeben, sondern weiter versuchen, Boden gut zu machen.“ Sie seien dabei, die nötige Fachkompetenz aufzubauen. Die Drogeriemarktketten selber rechneten deshalb damit, dass ihre Wachstumskurven in Zukunft wieder etwas abflachten, berichtet die Branchenkennerin. So viele Läden wie einst Schlecker wollen sie nicht öffnen. DM hat sogar seine Filiale im Bahnhof Dresden-Neustadt wieder geschlossen. (dpa/SZ)