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Die Goldjungs

© Sebastian Schipfel

Tim Sebastian und Michail Kraft gewinnen sensationell den Akrobaten-Wettkampf bei den World Games in Breslau.

Von Thomas Riemer

Sie hatten mit einer Medaille geliebäugelt. Jetzt ist sogar der Traum von Gold Wirklichkeit geworden. Tim Sebastian und Michail Kraft, das Dresden/Riesaer Akrobaten-Paar , hat bei den World Games im polnischen Breslau nach einem wahren Wettkampf-Krimi sensationell den Titel geholt.

Mit gelungen Übungen und zahlreichen Höchstschwierigkeiten überzeugte das Akrobatenpaar vom SC Riesa die Kampfrichter bei den Wettbewerben am Dienstag in Breslau. © Sebastian Schipfel

Es war kurz nach 21.30 Uhr am Dienstag, als das Duo zur entscheidenden Vorstellung auf die Matte in der altehrwürdigen Jahrhunderthalle der polnischen Ausrichterstadt musste. Als sie ihre Kombi-Übung mit Höchstschwierigkeiten und sehr viel Ausstrahlung absolviert hatten, war die Silbermedaille schon mal sicher. Als wenig später auch das russische Team unter der Punktzahl von Sebastian/Kraft blieb, kannte der Jubel keine Grenzen. Die Athleten und Bundestrainer Igor Blintsov sanken sich vor laufenden Kameras und klickenden Fotoapparaten und Handys in die Arme.

„Das ist emotional nicht zu beschreiben“, sagt Frank Schöniger zu diesen Momenten. Er ist Fachwart Sportakrobatik und Trainer beim SC Riesa, in dem die „Goldjungs“ trainieren. Schöniger erlebte den Freudentaumel als Zuschauer in der Halle - gemeinsam mit vielen Anhängern der Sportakrobatik aus Dresden, der Heimat Tim Sebastians, sowie aus Riesa und Oldenburg. „Wir waren ein richtig großer Fanblock“, beschreibt Frank Schöniger die Stimmung in der Halle, die er selbst noch als aktiver Sportler kennt.

Der Wettkampfmodus in Breslau war für die Akrobaten von Anfang an ziemlich ungewohnt. Während bei anderen Wettkämpfen die einzelnen Auftritte über zwei Tage verteilt sind, mussten bei den World Games Tempo-, Balance- und Kombi-Übung innerhalb weniger Stunden dem gestrengen Kampfgericht präsentiert werden. Tim Sebastian und Michail Kraft starteten hoffnungsvoll mit der drittbesten Übung im „Tempo“. Den „Balance“-Akt schloss das Paar dann schon mit der höchsten Punktzahl ab. Nahziel erreicht: Als Gesamtzweiter zogen Sebastian/Kraft ins Finale der besten Vier ein. Dort ging es dann für alle bei Null los. Die Chinesen und die US-Amerikaner turnten solide. Aber das deutsche Duo übertraf deren Wertung relativ deutlich. Bange Momente noch einmal, als die Russen ihre Schwierigkeiten präsentierten.

Jetzt sind Tim Sebastian und Michail Kraft, der Student und der künftige Auszubildende, „Olympiasieger der Herzen“, wie es Frank Schöniger schmunzelnd bezeichnet. Denn die World Games sind das höchstdotierte Sportereignis für Sportarten, die bislang nicht im olympischen Programm vertreten sind, gelten daher auch als „Olympische Spiele der Randsportarten“. „Für uns ist das wie eine Olympiade“, bestätigt auch Frank Schöniger. Dass die beiden Athleten in Diensten des SC Riesa als einzige aus dem Landkreis den Sprung nach Breslau schafften und dann gleich mit Gold zurückkehren, habe auch im Verein für großen Jubel gesorgt. Einen entsprechenden Empfang wird der SC dem Duo natürlich in den nächsten Tagen bereiten, zudem ist schon jetzt ein Empfang bei Riesas Oberbürgermeister Marco Müller inklusive Eintrag ins „Goldene Buch“ der Stadt im Plan.

Tim Sebastian und Michail Kraft kehren heute nach Deutschland zurück, nachdem sie sich gestern die letzten Wettbewerbe der Sportakrobaten noch angeschaut haben. Am Abend nach ihrem eigenen Triumph sei nur kurz Gelegenheit zum Gespräch mit den Jungs gewesen, so Frank Schöniger. Doping-Kontrolle, Interviews, Siegerehrung – alles halt wie bei Olympischen Spielen.