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Die Grenzen sind fließend

Die Filmgesellschaft lädt den Kritiker kostenlos zum Interview nach London. Die Reisegesellschaft spendiert dem Redakteur ein Fünfsternehotel in Mexiko. Die Autofirma lädt die Schreiber zum Test des neuen Wagens an die Côte d’Azur.

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Von Valeria Heintgesüber Korruption im Journalismus

Die Filmgesellschaft lädt den Kritiker kostenlos zum Interview nach London. Die Reisegesellschaft spendiert dem Redakteur ein Fünfsternehotel in Mexiko. Die Autofirma lädt die Schreiber zum Test des neuen Wagens an die Côte d’Azur. Alles völlig normal?

Ein Unternehmen lädt Journalisten am ersten Tag in die Konzernzentrale, am nächsten zur Vergnügungstour an die deutsche Strecke der Tour de France. Die Zigarettenfirma fördert Praktikantenplätze in New York und lädt die Schreiber an den Broadway, auf dass sie über das soziale Engagement der Firma schreiben. Alles völlig normal?

Der Ruderverein möchte, dass das Fernsehen über seine Regatta berichtet. Er beteiligt sich an den Produktionskosten des Senders. Ganz normal? Der Reitverein wünscht einen Bericht über ein großes Turnier und bezahlt dafür den Journalisten. Der Journalist berichtet über das Turnier und steht dabei vor einer Wand, auf der Firmen werben. Die Frau des Journalisten betreibt die Werbeagentur für die Firmen, die auf einer Tafel auffällig lange hinter seinem Kopf zu sehen sind. Normal? Illegal! Und zum Glück nicht normal.

Doch die Grenzen zwischen dem Normalen und dem Illegalen sind fließend. Das System ist anfällig für Menschen, die sich bereichern wollen. Journalisten werden ständig der Versuchung ausgesetzt, sich für ihre Arbeit ungerechtfertigt und illegal bezahlen zu lassen. Manches, was normal scheint, ist in Wirklichkeit hoch bedenklich. Wichtig ist, dass die Journalisten objektiv und unabhängig bleiben. Es klingt abgedroschen. Aber gerade weil die Branche so anfällig ist, muss sie höchst aufmerksam schwarze Schafe aussondieren. Um glaubhaft zu bleiben. S.1/3