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Die Gründe für die Krise

Die Dresdner Eislöwen rutschen nach fünf Niederlagen in Folge auf Platz neun. Die Ursachen sind vielschichtig und hausgemacht – eine Analyse.

© Thomas Heide

Von Alexander Hiller

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Eislöwen treffen auf Heilbronn&Ravensburg

Am kommenden DEL2-Punktspielwochenende sind die Dresdner Eislöwen auswärts bei den Heilbronner Falken gefragt.

Die Stimmungslage bei den Dresdner Eislöwen könnte frostiger kaum sein. Innerhalb von nur sechs Wochen ist die Mannschaft in der Deutschen Eishockey-Liga 2 vom vierten auf den neunten Platz abgerutscht. Das 1:2 beim bisherigen Verfolger Heilbronn war die fünfte glatte Niederlage in Folge. 13 Spieltage vor Schluss der Hauptrunde gerät der direkte Einzug in die Play-offs, für den mindestens Platz sechs nötig ist, ernsthaft in Gefahr. Der Rückstand beträgt bereits sechs Zähler. Der Umweg über die sogenannten Pre-Play-offs der Teams auf den Plätzen sieben bis zehn droht. Als Sieger des Duells könnten sie noch in die Meisterschaftsrunde einziehen.

Die SZ erläutert die wichtigsten Gründe für den Leistungseinbruch des Teams um Trainer Franz Steer.

Hat der Klub die Ausländer-Stellen qualitativ ausreichend gut besetzt?

Vier ausländische Profis darf jeder Verein aufbieten, sie sind meist die teuersten und sollten deshalb auch mit die besten Spieler sein. Das ist den Eislöwen in dieser Saison nur bedingt gelungen – und das trotz eines Etats, der im oberen Mittelfeld der DEL 2 anzusiedeln ist. Matt Siddall beispielsweise bleibt weiter hinter den Erwartungen des Vereins und sicherlich auch den seinen zurück. Der 33-jährige Kanadier erzielte in 32 Partien bislang elf Tore für die Dresdner und lieferte 14 Vorlagen. „Da muss mehr kommen. Er will Dinge machen, die er nicht kann“, sagt Franz Steer.

Siddalls Landsmann Nick Huard (15/12) spielt solide, ist jedoch weit davon entfernt, der Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken – symptomatisch dafür die beiden jüngst vergebenen Penaltys. Harrison Reed war als Leistungsträger fest eingeplant, fiel aber nach seinem zweiten Einsatz Ende Oktober mit einem Knöchelbruch aus. Ende Februar will der 30-Jährige wieder auf dem Eis stehen.

Von Juuso Rajala haben sich die Eislöwen inzwischen getrennt. Der Finne war auf Bestreben von Steer-Vorgänger Bill Stewart an die Elbe geholt worden – und hat lediglich Geld für andere Zugänge blockiert. Als Steer als Trainer in Dresden unterschrieb, stand ein Teil des Kaders bereits fest, sein Einfluss auf Transfers war dadurch auch eingeschränkt. Spieler wie Matt McKnight oder Tayler McNeely, die Top-Scorer in Bietigheim, hätte auch er gern in seiner Mannschaft. „Die verfügen über eine hohe Schusseffizienz“, sagt der 59-Jährige, er weiß aber: „Diese Qualität kostet.“ Immerhin erwies sich der erst Ende November verpflichtete Litauer Tadas Kumeliauskas als die erhoffte Verstärkung.

Fehlen Führungsspieler oder die nötige Hierarchie im Team?

Das ist zumindest im Moment ein Problem. „Uns fehlt ein Spieler, der eine Partie mit einer Aktion oder mit einem Tor an sich reißt. Den haben wir nicht“, sagt Steer. Jedenfalls im Moment nicht. Thomas Pielmeier ist weit entfernt von seiner Form, mit der er im Herbst überzeugen konnte. Auch andere Leistungsträger wie Steve Hanusch und Kapitän René Kramer sind mehr mit sich selbst beschäftigt, als eine krisengeschüttelte Mannschaft wieder ans Limit führen zu können.

Hinzu kommen die längerfristigen Ausfälle von Reed und Petr Macholda. Der Tscheche mit deutschem Pass fiel am dritten Spieltag mit einer schweren Schulterverletzung aus. „Er fehlt uns vor allem beim Überzahlspiel brutal. Wir konnten ihn nicht ersetzen“, sagt Steer. Macholda erzielte vorige Saison 15 Tore, die meisten von der blauen Linie, allerdings wird der Verteidiger am Donnerstag 36 – ein Mann für die Zukunft ist er sicher nicht. Das wäre Cedric Schiemenz, aber der 18 Jahre alte Stürmer wechselte im Januar in die kanadischen Top-Juniorenliga Ontario Hockey League zu den Windsor Spitfires.

Was können Steer und sein Team gegen die Krise unternehmen?

Arbeiten, arbeiten, arbeiten. „Andere haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, aber wir kriegen es derzeit einfach nicht gebacken“, sagt der Trainer. „Wir bekommen zu viele Gegentore, bei denen Spieler zu langsam oder falsch reagieren.“ Das wiederum wirft die Frage nach der Qualität des Kaders auf.

Dass sie zumindest körperlich mithalten können, zeigt die Anzahl der Torchancen in jedem Spiel. „Wir können den nötigen Druck entfachen, treffen aber das Tor einfach nicht“, meint Steer. „Das ist vielleicht psychisch bedingt.“ Noch vor den jüngsten Niederlagen meinte Verteidiger Sebastian Zauner auf die Frage, ob es ein Kopfproblem sei: „Das soll es nicht werden.“ Allerdings stellt sich dann auch die Mentalitätsfrage.

Was ist in dieser Saison noch drin für die Eislöwen?

„Wir müssen dahin kommen, wo wir Ende November schon einmal waren. Hinten nicht so viele Tore kriegen und vorne mehr schießen. Das ist eigentlich keine große Kunst“, sagt Steer. Trotzdem hapert es an der Umsetzung. Der Trainer ist gefordert, Lösungen zu finden. Viel Zeit, die Negativserie zu stoppen, bleibt nicht – sonst ist das Saisonziel in Gefahr. (mit SZ/-ler)