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Die grüne Lunge von Ebersbach-Neugersdorf

Die Oberlandstadt hat jetzt geregelt, was in den nächsten zehn Jahren mit dem Stadtwald geschieht. Er dient auch der Erholung.

© Thomas Eichler

Von Gabriela Lachnit

Knapp 192 Hektar Wald besitzt die Stadt Ebersbach-Neugersdorf. Vor allem im Neugersdorfer Wald, der etwa 115 Hektar groß ist, sind viele Bäume mehr als 100 Jahre alt und können verwertet werden. Etwa 76 Hektar Wald sind es auf Ebersbacher Gebiet. Hier gibt es mehrere Teilflächen, unter anderem am Schlechteberg, am Kühlen Morgen und am Raumbuschweg. „Sogar 0,4 Hektar Wald gehören der Oberlandstadt in Kottmarsdorf“, weiß Andreas Köhler. Er ist der Leiter des Sachgebietes Liegenschaften und Eigentumsverwaltung in der Oberlandstadt.

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Für die nächsten zehn Jahre haben Köhler, die Stadtverwaltung und alle, die mit dem Ebersbacher und Neugersdorfer Wald zu tun haben, Klarheit: Die Stadträte haben ein Betriebsgutachten für den städtischen Wald beschlossen. Dieses Gutachten legt fest, was im kommenden Jahrzehnt zu tun ist, damit der Stadtwald seinen Funktionen gerecht werden kann. Es geht dabei um die Erholung im Wald, aber auch um wirtschaftliche Funktionen und vor allem um Ökologie und Klimaschutz. Das ist das erste Betriebsgutachten für den gesamten Wald von Ebersbach-Neugersdorf seit der Städtefusion. Bisher gab es ein solches für jeden Ortsteil mit unterschiedlicher Laufzeit.

Das große Ziel bei der Bewirtschaftung des Stadtwaldes ist eine schwarze Null am Ende jedes Jahres, sagt Andreas Köhler. „Wir betreiben keinen Raubbau am Wald, auch wenn Holz eingeschlagen wird“, betont Köhler. Die Bäume müssen gesund sein, um überhaupt einen Erlös erzielen zu können. Im vergangenen Jahr hat sich Ebersbach-Neugersdorf zum Beispiel an einer Holzauktion in der Dresdner Heide beteiligt. Stattliche Lärchen, Fichten, Eschen und Eichen kamen dabei unter den sprichwörtlichen Hammer. „Für einen einzigen Stamm haben wir dabei sogar mehr als 1 000 Euro erzielt, weil er so hochwertig war“, erinnert sich der Sachgebietsleiter. „Furnierbetriebe und Sägewerke sind immer auf der Suche nach solchen Hölzern“, sagt Andreas Köhler.

Aber auch Privatleute können als Selbstwerber Brennholz im Stadtwald gewinnen. Dafür müssen sie sich an den zuständigen Revierförster Bernd Lademann wenden. Übrigens, wenn geschlagenes Holz längere Zeit aufgeschichtet im Wald liegt, heißt das nicht, dass sich niemand darum kümmert. Das Holz ist an die Stadt bezahlt, die Erwerber müssen es noch abholen, informiert Andreas Köhler.

Meistens werden Pflegemaßnahmen wie Durchforstungen durchgeführt. Dabei werden alte und schadhafte Bäume gefällt, um jüngeren bessere Wachstumsbedingungen zu schaffen. Das findet im Winter statt. Wenn der Boden gefroren ist, richten die Arbeiten im Wald den wenigsten Schaden an, weiß Köhler.

Heute werden auch in der Forstwirtschaft Spezialmaschinen angewendet, die den Holzfällern die Arbeit erleichtern. Kettensägen und sogenannte Harvester sind im Wald zu hören und zu sehen. Ist auf Waldflächen ein Kahlschlag erforderlich, wird dort wieder aufgeforstet. Dann werden unter anderem Stieleichen, Fichten und Weißtannen gepflanzt. Es entsteht also wieder ein naturnaher, stabiler Mischwald, so wie er bereits im Stadtwald in den Ortsteilen vorrangig zu finden ist.

Die Stadt Ebersbach-Neugersdorf verlässt sich bei allen Vorhaben zum Stadtwald auf die Empfehlungen des Staatsbetriebes Sachsenforst. „Dort sitzen die Fachleute“, sagt Köhler. Die Arbeiten im Wald werden von Forstfachbetrieben ausgeführt, die die Stadt beauftragt. Im letzten Winter gab es deswegen Ärger, weil ein Bürger auf eigene Initiative im Winterwald Loipen gespurt hatte, die durch Forstfahrzeuge zerstört worden sind. Im Nachhinein haben sowohl der Bürger als auch die Stadtverwaltung festgestellt, dass es besser gewesen wäre, man hätte vor dem Loipenspuren miteinander gesprochen. Die Forstarbeiten waren lange geplant.

Andreas Köhler wünscht sich, dass die Bürger Verständnis für Pflegemaßnahmen im Wald haben. Da könne es passieren, dass Waldstücke nicht zugänglich sind, wenn Forstarbeiten ausgeführt werden. Das dient der Sicherheit der Waldbesucher. Oder dass Wege zeitweise unpassierbar sind. Sie werden nach den Arbeiten zeitnah wiederhergestellt. Zäune wird es im Wald selten geben – höchstens bei Neupflanzungen, die gegen Wildverbiss geschützt werden müssen.

Andreas Köhler hofft, dass die Bürger verantwortungsvoll mit dem Wald umgehen. Es verstehe sich von selbst, dass gerade bei Trockenheit im Wald kein Feuer gemacht und nicht geraucht wird, sagt er. Der Wald ist kein Müllablageplatz. Leider wissen das nicht alle. Über zwei große Müllhaufen am Höllengrundweg hat sich nicht nur Andreas Köhler geärgert. Deren Beseitigung hat der Landkreis bezahlen müssen. Wer heute mit Ruhe und Bedacht den Stadtwald aufsucht, hat vor allem in Neugersdorf die Chance, Schwarz- und Rehwild zu beobachten. Im Stadtwald ist die Jagd mit entsprechender Genehmigung erlaubt. In Neugersdorf wird der Wildbestand jedoch stärker durch die Umgehungsstraße dezimiert als durch die Jäger, weiß Andreas Köhler.