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Die Grumbacher Strommast-Lotterie

Ein Kabel soll gezogen werden – ausgerechnet durch den Ziergarten von Familie Baumann. Oder doch nicht?

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Grumbach. Der kleine Brunnen plätschert, die schweren Tulpenblüten wippen im Frühlingswind, ein Star sucht nach Futter auf dem perfekt getrimmten Rasen. Ein Traumgarten erstreckt sich hinter dem Haus von Familie Baumann in Grumbach. Doch nun droht dem Traum der Bagger. Angekündigt wurde dieser in einem Schreiben vom 7. April. Es kam von der Energie Sachsen Ost AG (Enso), dem hiesigen Stromversorger. Denn mitten im Ziergarten der Baumanns steht ein Strommast, der eine Freileitung stützt. Von dem Mast aus möchte die Enso ein Erdkabel durch den Garten der Baumanns, dann unter der Wilden Sau und dem dahinter liegenden Gartenweg zum Südhang ziehen. Dort wird gerade ein neues Baugebiet erschlossen – bis zu 14 kleine Wohnhäuser sollen entstehen, die alle einen Stromanschluss brauchen. Gisela Baumann hält den Brief in der Hand. Da ist von einer Baugrube am Fuße des Mastes die Rede und einem 45 Meter langen Kabel. Zudem soll die Kabeltrasse zukünftig einen halben Meter rechts und links davon freigehalten werden. „Wir werden hier einfach vor vollendete Tatsachen gestellt, keiner hat mal mit uns geredet“, ärgert sich die Grumbacherin.

Sie und ihr Mann würden sich wahrscheinlich fügen, gebe es keine Alternativen zu dem Strommast in ihrem Garten. Aber nur einen Steinwurf weiter steht der nächste Mast – auf einer Wiese, die der Stadt Wilsdruff gehört. In die andere Richtung geblickt stehen ebenfalls Masten, auf Privatgrundstücken an der Tharandter Straße. „Eins, zwei, drei“ zählt Otto Baumann auf.

Ein vierter Mast befindet sich direkt an der zukünftigen Zufahrtsstraße ins neue Wohngebiet. Er steht auf einer verwilderten Wiese und jenseits der Wilden Sau. Eine Unterquerung des Gewässers wäre nicht mehr notwendig, die Bauarbeiten wesentlich einfacher. „Da frage ich mich schon, warum sie ausgerechnet von unserem Grundstück aus das Wohngebiet anbinden wollen“, sagt Gisela Baumann. Das Ehepaar schrieb einen Einspruch.

Bei der Enso hat man unterdessen alles wieder über den Haufen geworfen. „Die Planung zur Erschließung des Wohnungsbaugebietes mit Strom hat sich in der Zwischenzeit komplett geändert“, teilt Unternehmenssprecherin Claudia Kuba mit. Der Grund dafür sei, dass für das Baugebiet nun auch eine Erschließung mit Gas erfolge. Beides – Stromleitung und Gasrohre – sollen von einem anderen Grundstück aus verlegt werden. Und zwar genau dort, wo auch die neue Straße ins Wohngebiet abzweigen wird. Dazu habe es Ende April entsprechende Abstimmungen gegeben, heißt es aus der Enso-Zentrale. Kuba: „Das Grundstück von Familie Baumann muss nun nicht mehr in Anspruch genommen werden.“ Demnächst werde die Grumbacher Familie darüber informiert.