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Die haben einen Lenz!

Ein Meer aus 40 000 Blüten erwartet die Besucher des Palais im Großen Garten. Eine frostige Herausforderung.

© Sven Ellger

Von Henry Berndt

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Am Sonntag zum Weihnachtseinkauf

Streß auf Arbeit und noch keine Geschenke gekauft? Kein Problem: Denn am Sonntag, 8. Dezember, hat der ELBEPARK geöffnet.

Ein Röhrchen nach dem anderen nimmt sich Amirah Villa Blanco, steckt vorsichtig eine Orchideenblüte hinein und setzt sie in das zarte Geflecht aus glänzendem Zierdraht. Dabei hockt sie mitten in einem Beet und ist umgeben von Frühlingsblumen, die in allen Farben blühen. Eine Woche lang arbeitete die 33-Jährige hier an dem Brautschleier für einen Kranich.

Ihr Kunstwerk ist Teil einer deutschlandweit einmaligen Blumenschau im Palais im Großen Garten, die ab Freitag für zehn Tage für Besucher geöffnet ist. Rund 40 000 Pflanzen und Blumen werden dann auf 1400 Quadratmetern mehr als einen Hauch von Frühling in die eisige Dresdner Gartenlandschaft zaubern.

Rund 30 sächsische Gartenbaubetriebe sind an der Ausstellung beteiligt. Für alle ist es Kraftakt und Ehre zugleich. „Ich bin froh, hier dabei sein zu können“, sagt auch Amirah Villa Blanco. Sie ist eine der Auszubildenden zur Floristin, die sich um Blumensträuße und Dekorationen kümmern. Normalerweise würde sie jetzt wahrscheinlich Theorie pauken müssen. Stattdessen darf sie selbst kreativ werden, gestaltet einen der Hingucker im Saal im Obergeschoss des Palais. Wie alle Räume trägt der für die kommenden Tage den Namen eines Frühlingsliedes: „Alle Vögel sind schon da“. An der Decke schwebt eine Schar weißer Vögel. Auf dem Beet rasten Schwäne, Pfauen und Kraniche – in 2-D.

Der diesjährige Frühling im Palais steht unter der Überschrift „Blüten, Lieder, Frühlingsglück“. Dabei sollen beliebte Frühlingslieder von den Gärtnern und Floristen in farbenprächtige und emotionale Bilder übersetzt werden. Die Idee dazu hatte die künstlerische Leiterin Bea Berthold. „Ich hoffe, dass viele Besucher singend und summend durch die Ausstellung gehen und sich vielleicht sogar auf einige der alten Lieder zurückbesinnen“, sagt sie. Ein Raum im Erdgeschoss heißt „Komm, lieber Mai und mache“, ein anderer „Leise zieht durch mein Gemüt“ und sogar die „Vogelhochzeit“ hat ihren Platz im Palais gefunden – inklusive hölzerner Nester, in denen allerdings keine Eier liegen. Die Liedtexte gibt es gleich vorn an der Kasse.

„Ach bittrer Winter“ gehört verständlicherweise nicht zu den ausgewählten Liedern, dabei würde es recht gut zur momentanen Witterung passen. Die zweistelligen Minuswerte stellen Gärtner und Floristen in diesem Jahr vor ganz besondere Herausforderungen. „So kalt ist es zur Ausstellung noch nie gewesen“, sagt Pflanzenkoordinator Wolfgang Friebel. Bereits am Montag, als die größte Kälte noch bevorstand, seien die Gehölze eilig ins Palais gebracht worden. Am Dienstag folgte ein Großteil der anderen Pflanzen, dick in mehrere Lagen Papier eingepackt. Sogar die Laster mussten beheizt werden. Einzelne Verluste waren trotzdem zu beklagen. Alpenveilchen und Wicken kapitulierten nachts vor der Kälte im Palais, in dem nur einzelne Räume beheizt werden können. Abend für Abend müssten daher nun etliche Pflanzen umgestellt werden.

Abgesehen davon sind die meisten Vorbereitungen für die Ausstellung nun abgeschlossen. Hier und da fehlt noch eine Hyazinthe im Beet, auch die Beleuchtung muss noch ausgerichtet werden.

Zur vergangenen Blumenschau 2016 kamen rund 39 000 Besucher ins Palais. Nun folgt die siebte Auflage. Die Tradition reicht sogar zurück bis ins Jahr 1828, als hier erstmals „seltene Früchte und Gewächse“ ausgestellt wurden. Darauf weist der Gastgeber hin, Sachsens Schlösserlandchef Christian Striefler. „Viele fragen sich doch in diesen Tagen, wann denn endlich der Frühling kommt“, sagt er. „Ich kann nur sagen: Es ist schon Frühling. Hier drin.“

Die SZ verlost 3 x 2 Freikarten für den Frühling im Palais. Bitte senden Sie bis Donnerstag 17 Uhr eine Mail an [email protected] und schreiben Sie uns, warum es höchste Zeit für Frühlingsgefühle ist.