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Die Hemmschwelle sinkt

Tierschützer rund um Großenhain zeigen sich empört über das Anzünden eines Hundewelpen am Sonntagabend.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Catharina Karlshaus

Priestewitz. Manja Baumgartner kann ihr Entsetzen kaum in Worte fassen. „Das ist einfach nur ungeheuerlich! Menschen, die so etwas Abscheuliches tun, müssen hart bestraft werden“, sagt die 41-Jährige von der Priestewitzer Pfötchenhilfe und schüttelt angewidert den Kopf. Der Grund: Auf einem Waldparkplatz zwischen Weinböhla und Steinbach war am Sonntagabend ein lebendiger Hundewelpe angezündet worden. Der in eine Decke eingewickelte Vierbeiner verstarb wenig später, die Polizei ermittelt jetzt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

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Nicht der erste Fall im Landkreis Meißen, der aufhorchen lässt. Erst im Januar schlug eine Familie aus Baßlitz Alarm, weil ihr Kater Paul mit einem Druckluftgewehr angeschossen worden war. Das Projektil – auf einem aktuellen Röntgenbild gut zu erkennen – steckt noch immer in der Wirbelsäule fest. „Wir haben leider so etwas schon vor ein paar Jahren bei einer anderen Katze erleben müssen. Ihr wurde damals ein ebensolches Geschoss am Kopf und in gefährlicher Augennähe herausoperiert“, erinnert sich Paulchens Besitzer, Frank Dörfel im SZ-Gespräch. Lebenslang habe das Tier an den Nachwirkungen gelitten und eine allergische Reaktion auf das Bleigeschoss entwickelt.

Ein vorübergehendes Zuhause

Ereignisse, die Manja Baumgartner keineswegs unberührt lassen. Seit Jahren engagiert sich die gebürtige Coswigerin im Tierschutz. Zunächst in der Aufzuchtstation für Katzen ihrer Heimatstadt tätig, arbeitet sie schon längere Zeit im Großenhainer Tierschutzverein mit. Seit vergangenem Jahr gibt es nun die „Pfötchenhilfe Priestewitz“, die seitdem unter Federführung von Manja Baumgartner hilfebedürftigen Katzen ein vorübergehendes Zuhause gibt. Nicht nur, dass die getigerten, gestreiften, schwarzen oder grauen Fellnasen bei ihr abgegeben werden. „Einige haben wir schon als Babys gewissermaßen auf der Straße aufgesammelt“, so Manja Baumgartner. Nicht zuletzt der Fall von gar im Wald vergrabenen Katzenkindern – im Sommer 2015 waren die Jungtiere im Großenhainer Ortsteil Strauch lebendig verscharrt worden – zeige die Schamlosigkeit und Brutalität bestimmter Menschen.

„Die Hemmschwelle sinkt immer weiter“, ist sich Manja Baumgartner sicher. Die Tiere würden nicht als ernstzunehmende und schützenswerte Lebewesen betrachtet. Nein, sie wären oftmals lästig und entsorgt wie irgendein belangloser Abfall. „Manche Leute bringen uns ihre Katze und geben dann bei näherer Nachfrage, weshalb sie nicht mehr bei ihnen wohnen kann, völlig fadenscheinige Gründe an“, weiß Baumgartner. Allerdings: Ihr sei es immer noch lieber, die Tiere fänden bei der „Pfötchenhilfe“ eine Aufnahme, anstatt dass sie von ihren bisherigen Besitzern ausgesetzt würden.

Mit Sorge betrachtet Armin Krake die Entwicklung. Der Vorsitzende des Großenhainer Tierschutzvereins hat nach eigenem Bekunden mit Entsetzen vom Schicksal des angezündeten Welpen gelesen. „Das ist ganz schrecklich! Und als ebenso schrecklich empfinde ich die Tatsache, dass angesichts von lebendig begrabenen oder erschossenen Tieren eine Verrohung der Gesellschaft immer deutlicher wird.“

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Hinzu käme, dass die Delikte aufgrund mangelnder Kapazität bei der Polizei nur unzureichend geahndet würden. Laut Tierschutzgesetz sei es zwar verboten, ein Wirbeltier ohne triftigen Grund zu töten. Aber dennoch greife man nicht mit der Härte des Gesetzes durch. „Nach neusten Erkenntnissen wird ja eher jemand bestraft, der seine GEZ-Gebühren nicht bezahlen will als ihn wegen schwerer Misshandlung eines Tieres zu belangen“, kritisiert Armin Krake. Darüber hinaus würden zwar häufig Landkreisbewohner anrufen. Sie machten darauf aufmerksam, dass Katzen oder Hunde nicht artgerecht gehalten und manchmal misshandelt würden. Aber: „Zu den Vorwürfen stehen will letztlich keiner!“

Die Tierschutzorganisation Peta setzt eine Belohnung in Höhe von 1 000 Euro für Hinweise aus: www.peta.de Auch der Tasso e.V. hat eine Geldprämie ausgesetzt: www.tasso.net