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Die Hof-Dame

Regina Beyer ist von Beginn an im Spanischen Hof dabei. Nicht nur mit Promi-Gästen hat sie über die Jahre so einiges erlebt.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Gröditz. Die Fliesen mit dem verschnörkelten Muster fand Regina Beyer schon damals toll. „Die haben mich fasziniert.“ Damals, das war vor zwanzig Jahren. Als sie angefangen hat im gerade neu eröffneten Spanischen Hof.

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Regina Beyer ist die langgedienteste Mitarbeiterin des Gröditzer Viersterne-Hotels. Von Beginn an und durch alle Höhen und Tiefen ist sie dabei. Seit sie voriges Jahr in Rente gegangen ist, zwar nicht mehr jeden Tag. Ihre Position als Hausdame – quasi die Chefin der Zimmermädchen – hat die Mittsechzigjährige an eine jüngere Kollegin abgegeben. Aber in „ihr“ Hotel kommt sie nach wie mehrmals die Woche zum Arbeiten. „Was soll ich denn zu Hause den ganzen Tag?“

Stellen hat Regina Beyer in ihrem Arbeitsleben einige gehabt. In einer Schokoladenfabrik, bei der Post, in einer Gärtnerei. Zum Job im Spanischen Hof kam sie eher zufällig. 1996 sei noch an dem Haus gebaut worden, als sie bei Bekannten in Gröditz war. „Da stand hier ein großes Bauschild. Ich dachte: Da bewirbst du dich.“ Eigentlich habe sie in die Küche gewollt. „Aber da hatten sie schon so viele.“ Als sie den Job als Zimmermädchen angeboten bekam, sagte sie zu. „Hauptsache, Arbeit!“

Fortan kümmerte sie sich darum, dass die Gänge und Zimmer picobello sind. Dreimal klopfen, Tür auf, Papierkorb leeren, Fenster öffnen, Bett abziehen, Bad reinigen, Handtücher wechseln, Bett beziehen, Staub wischen, durchsaugen, alles zumachen. Dieses Ritual sei fest einstudiert. Je nach Zimmergröße braucht es 20 bis 45 Minuten, bis alles geschafft ist. Am längsten dauere die Hochzeitssuite. „Da sieht’s manchmal lustig aus, wenn nach einer Hochzeit Hunderte Luftballons rumliegen. Da haben wir erst mal zu tun, die zu zerknallen. Da denkt man, die schießen hier.“ Auch Konfetti oder Reis muss schon mal aus den Betten gesaugt werden.

In zwei Jahrzehnten im Spanischen Hof hat Regina Beyer jede Menge erlebt. Anfangs auch den Erbauer und Gröditzer Mäzen Siegfried Richter. Der sei immer lustig pfeifend die Treppe runter gekommen. Und habe immer Mineralwasser der Marke Volvic aufs Zimmer haben wollen.

Insgesamt vier Besitzer- und sechs Chefwechsel hat Regina Beyer im Spanischen Hof mitgemacht. Wie sie es geschafft hat, stets an Bord zu bleiben? „Das müssen sie die Chefs fragen.“ Dann schiebt sie mit ihrer schnellen Art zu sprechen nach: „Vielleicht, weil ich immer ehrlich war, weil ich immer gesagt hab, was ich denke.“

Diskretion muss sein

Freimütig ist Regina Beyer, das wird nach wenigen Sätzen klar. Aber das seien auch manche Gäste, erzählt sie und lacht. „Wir haben uns mit vielen unterhalten, die haben uns ihre ganze Lebensgeschichte erzählt. Die wollten wir gar nicht wissen!“ Eine ältere Dame habe ihr einst anvertraut, warum sie unbedingt in ein bestimmtes Zimmer wollte. „Da war ihr Sohn vor vier Jahren mit der Schwiegertochter, da ist das Baby entstanden. Das fand ich lustig.“

Aber auch schlüpfrige Geschichten bekomme man im Hotel mit. „Manchmal war es so, dass Männer eingecheckt sind und dann haben die Frauen angerufen, ob ihr Mann hier ist“, erzählt Regina Beyer. Aber da sei Diskretion Pflicht. Nicht zuletzt, nachdem eine solch heikle Situation aufgeflogen war, weil das Hotel einem vergesslichen Ehebrecher ein vergessenes Stück Kleidung hinterhergeschickt hatte. So wusste dann auch die Gattin, was los war.

An ein prominentes Paar, das im Spanischen Hof war, hat Regina Beyer indes sehr schöne Erinnerungen: Winnetou-Darsteller Pierre Brice und Gattin Hella. „Die waren sehr nett!“ Auf die Promis zuzugehen, damit habe sie nie Probleme gehabt, sagt Regina Beyer – egal ob Schauspieler oder Schlagerstar. „Ich red’ ganz normal mit denen und ich denk’, das hat denen gefallen.“ Auch bei Autogrammwünschen habe sie sich nie geniert. Behalten habe sie die Karten aber nie, sondern sie einem behinderten Kind in Berlin geschickt, das sie kannte.

Ein bisschen nach Berlin hört sich auch die Mundart von Regina Beyer an. Aber, das täuscht. Die Prösenerin stammt aus dem Harz. Dort lernte sie zu DDR-Zeiten ihren Ehemann kennen. Die als Wirtschaftspflegerin – heute würde man sagen: Hotelfachfrau – ausgebildete Regina Beyer arbeitete damals in einem FDGB-Ferienheim in Schierke bei Wernigerode. „Da waren fünf Männer am Tisch, keiner wollte die bedienen, weil die so zickig waren.“

Die resolute Regina kriegte das Herren-Quintett in den Griff. Einer der fünf sagt ihr, er würde gern mal mit ihr ausgehen. „Ich aber nicht mit Dir!“, habe sie ihm gesagt. Später ließ sie sich doch überreden. Mehr als 45 Jahre ist das her – und der Mann von einst und sie sind noch immer verheiratet.

Von langer Dauer ist auch Regina Beyers Beziehung zum Spanischen Hof. Wie lange die passionierte Radfahrerin sich noch in den Sattel schwingt, um regelmäßig in „ihr“ Hotel zu kommen? „Ewig lang werd’ ich es nicht mehr machen.“ Eins habe sich in all den Jahren aber nicht geändert: „Ich find’ das Haus noch genauso toll wie am Anfang!“