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Die Hoffnung von der Saar

Nach Erfolgen im Südwesten soll Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt nach Berlin – als mögliche Merkel-Nachfolgerin?

© Oliver Dietze/dpa

Von Birgit Reichert, Saarbrücken

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Annegret Kramp-Karrenbauer ist eine, die gerufen wird. Sich sichtbar vorzudrängeln, ist nicht ihre Sache. Und damit ist die saarländische Ministerpräsidentin in den mehr als 30 Jahren ihrer Karriere, die sie als junge Frau im Stadtrat ihres Heimatortes Püttlingen begonnen hat, bestens gefahren. Und immer, wenn sie gerufen wurde, machte sie ihre Sache so gut, dass irgendwann ganz unvermeidlich der nächste Ruf kam. Jetzt hat Angela Merkel sie als neue CDU-Generalsekretärin vorgeschlagen. Es gilt als nahezu undenkbar, dass die 55-Jährige ihr Amt als Saar-Regierungschefin behalten wird. Der Wechsel nach Berlin könnte sie möglicherweise auf noch höhere Ämter vorbereiten: Die Nachfolgerin als Bundeskanzlerin.

„Es gibt keine Aufgabe, die man Annegret nicht anvertrauen kann“, hat schon der frühere Saar-Regierungschef Peter Müller (CDU) gesagt, als er Kramp-Karrenbauer 2000 als Innenministerin in sein Kabinett berief. Seitdem hat sich AKK, wie sie im Saarland genannt wird, als „Allzweckwaffe der CDU“ einen Namen gemacht: Nach verschiedenen Ministerjobs wurde sie 2011 erste Ministerpräsidentin des kleinsten Flächenstaates der Republik. Und vor allem: Sie gewann im März 2017 auf dem Zenit der Beliebtheit von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Landtagswahl im Saarland haushoch für die CDU.

Dieser Sieg zum Start ins angespannte Wahljahr 2017 – den hat Merkel ihrer engen Vertrauten hoch angerechnet. Seit Jahren arbeiten die zwei, die wegen ihres nüchtern-analytischen Politikstils immer wieder miteinander verglichen werden, eng zusammen: Seit 2010 sitzt die Saarländerin im CDU-Bundespräsidium. Und man hört immer wieder, dass Merkel große Stücke auf die zähe und durchsetzungsstarke AKK hält. Gerade wieder sichtbar: Erst bei den Sondierungen, dann bei den Koalitionsverhandlungen zur Neuauflage der Großen Koalition zwischen SPD und Union.

„Unaufgeregt“ und „uneitel“ gehören zu den Adjektiven, die Kramp-Karrenbauers politischen Weg begleiten. Man glaubt ihr, wenn sie sagt, dass sie ihre steile Politik-Karriere nicht geplant hat. „Viele glückliche Zufälle haben mir dabei geholfen“, sagt die Mutter von drei erwachsenen Söhnen. Eigentlich wollte sie vor dem Abi Hebamme werden, danach dachte sie an einen Beruf als Lehrerin. Als 18-Jährige trat sie in die CDU ein – und entdeckte ihre Leidenschaft für Politik. Später studierte die Katholikin Jura und Politik.

Für Berlin bringt sie drei wesentliche Dinge mit: Sie kann kämpfen – wie sie 2017 bei der Neuregelung der Bund-Länder-Finanzen gezeigt hat: Da holte sie für ihr Land 500 Millionen Euro extra pro Jahr ab 2020 raus. Sie kann Groko: An der Saar steht sie an der Spitze einer ebenfalls zweiten schwarz-roten Regierung. Und ist Optimistin: „Ich bin von Haus aus immer zuversichtlich, sonst wäre ich nicht in der Politik.“ Sie sieht gerne das große Ganze: Als neue Generalsekretärin kann sie ihre Partei wieder in ruhigeres Fahrwasser führen.

Inhaltlich steht sie für den Merkel-Kurs – und hat sich jüngst mit bestimmten Themen positioniert: Sie plädiert für einen härteren Umgang mit Asylbewerbern, die Behörden über ihre Identität täuschen – und fordert konsequentes staatliches Handeln bei Abschiebungen. Sie tritt ein für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist für Priesterinnen in der katholischen Kirche und gegen Werbung für Abtreibung. Eines ihrer Steckenpferde ist die Digitalisierung. Neben ihrem Sachverstand überzeugt AKK auch mit klaren Ansagen und ihrem direkten Umgang: Sie kann gut mit den Leuten. Gesprächspartner loben ihre „offene, kommunikative Art“. Egal wo sie ist, die Menschen kommen auf sie zu und erzählen ihre Alltagsorgen. (dpa)