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Die Innenstadt ist ein zu heißes Pflaster

Zwei Drittel der Dresdner leiden laut einer Bürgerumfrage enorm unter der Hitze im Stadtzentrum.

© kairospress

Von Kay Haufe

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Diese Ergebnisse überraschen. Sind sie doch nicht etwa nach dem heißen und trockenen Sommer 2018 entstanden, sondern bereits ein Jahr zuvor. Schon damals haben zwei Drittel von 4 352 Befragten eingeschätzt, dass sie besonders in der Innenstadt unter der lang anhaltenden sommerlichen Hitze leiden. Dies ist nur ein Ergebnis der Bürgerumfrage zum Klimawandel, die von Umwelt-, Gesundheits- und Stadtplanungsamt in Auftrag gegeben wurde. 12 500 Personen im Alter zwischen 16 und 90 Jahren wurden dazu angeschrieben, etwa ein Drittel hat im Zeitraum vom 5. August bis 30. September 2017 geantwortet.

Mehr als ein Drittel sieht persönliche Auswirkungen des Klimawandels

Die Jahreszeiten werden in Dresden immer wärmer. Vor allem der Frühling hat 1,2 Grad zugelegt im Zeitraum von 1989 bis 2018 gegenüber 1961 bis 1990. Doch auch der Sommer mit 1,1 Grad, der Winter mit einem Grad und der Herbst mit 0,1 Grad liegen über den vorherigen Werten. Die Anzahl der heißen Tage mit über 30 Grad ist um 18 Prozent gestiegen. Das spüren die Dresdner deutlich. 34 Prozent der Befragten schätzen ein, dass der Klimawandel große Auswirkungen auf ihr Leben hat, weitere 57 Prozent stimmen eher oder teilweise zu. Nach Altersklassen betrachtet, tangiert dies die über 75-Jährigen wenig, wogegen von den 16- bis 34-Jährigen dem 43 Prozent zustimmen. Fast in allen Altersgruppen sind rund 40 Prozent beunruhigt, unter welchen Umweltverhältnissen ihre Kinder oder Enkel leben werden.

Hitzebelastungen differieren in den verschiedenen Stadtteilen

Auf sechs Gebiete wurde bei der Befragung der Fokus gelegt, konkret sind das Plauen-Süd, Leuben, Blasewitz, Gorbitz, Pieschen und die Äußere Neustadt. Die Viertel sind unterschiedlich dicht bebaut und mehr oder weniger begrünt. Kein Wunder, dass 41 Prozent der Pieschener die Hitzebelastung in ihrer Wohnungsnähe wegen der hohen Häuserdichte als belastend empfinden und sich dort 79 Prozent Maßnahmen wünschen, die der Hitzevorsorge dienen. Dagegen empfinden nur 18 Prozent der Blasewitzer die Hitze in Wohnungsnähe als zu stark. Letztgenannte haben weitaus mehr Parkanlagen und Straßengrün als die Pieschener. Dementsprechend fällt auch die Bewertung aus, wie zufrieden die Befragten mit dem Angebot öffentlicher Grünflächen in ihrem Stadtteil sind. Während 90 Prozent der Blasewitzer und 67 Prozent der Gorbitzer sehr zufrieden sind, bilden die Pieschener und Leubener mit 39 und 57 Prozent die Schlusslichter.

Ähnlich ist die Bewertung, ob die Zahl der Grünflächen im Viertel zugenommen hat. Sehen dies in Blasewitz nur sieben, in Plauen nur acht und Leuben nur neun Prozent, sind es in Gorbitz 36 Prozent. Auch die Neustadt liegt mit 25 Prozent weit vorn.

Mehr Grün für Straßen und öffentliche Plätze gefordert

Gefragt, welche Maßnahmen sie zur Hitzereduktion für sinnvoll halten, sprechen sich 93 Prozent für mehr Bäume und Sträucher auf Straßen und öffentlichen Plätzen aus. Dies gilt auch für Innenhöfe und Vorgärten. 79 Prozent wünschen sich die Anlage von Wasserflächen und Brunnen in Wohnortnähe. Viele sind auch dafür, weitere Flächen zu entsiegeln und Dächer und Fassaden zu begrünen.

Über die Hälfte bereit, Lebensstandard umweltfreundlicher zu gestalten

Neben der Erkenntnis, dass sich die Dresdner des Klimawandels bewusst sind und ihre Verantwortung gegenüber künftigen Generationen erkennen, steht die Bereitschaft, dass über die Hälfte ihr Leben so verändern wollen, dass es umweltfreundlicher wird. Das kann der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel sein, aber auch eine Patenschaft für Straßenbäume. Die Stadt setzt beim Neubau von Schulen auf begrünte Dächer und will mehr Bäume pflanzen. Künftig könne die Innenstadt nur noch maßvoll verdichtet werden, sagt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne). Eine Erkenntnis ist auch, dass sich Wohnungseigentümer besser und veilseitiger vor Hitze schützen können als Mieter. Das könnte ein Ansatzpunkt für Vermieter sein.