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Die Johannstadt freut sich auf neue Nachbarn

Wenn ab August die ersten Flüchtlinge an der Ecke Blasewitzer/Fetscherstraße einziehen, gibt es zahlreiche Angebote für sie.

© Sven Ellger

Von Kay Haufe

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An diesem Mittwochabend ist alles anders. Es geht um Asyl, um bis zu 700 Flüchtlinge, die in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes an der Ecke Blasewitzer/Fetscherstraße einziehen sollen. Doch die Stimmung ist ruhig und entspannt im Hörsaal des Zentrums für regenerative Therapien. Die Forschungseinrichtung hat ihr Haus für eine Informationsveranstaltung des Netzwerkes „Willkommen in Johannstadt“ zur Verfügung gestellt. Dieses gibt detailliert Auskunft über Ursachen und Folgen von Flucht und hat das Sozialamt der Stadt ins Boot geholt, um konkrete Zahlen für die Entwicklung des Flüchtlingsaufkommens in Dresden zu zeigen.

Die Landesdirektion Sachsen, unter deren Regie die Erstaufnahmeeinrichtung entsteht, wollte im Vorfeld keine Bürgerinformationsveranstaltung. Stattdessen verweist sie auf einen Tag der offenen Tür, der kurz vor Eröffnung des Containerstandortes stattfinden soll. Die ist mittlerweile auf das dritte Quartal des Jahres verschoben, wie der Altstädter Ortsamtsleiter André Barth informierte.

So lange wollte das Netzwerk „Willkommen in Johannstadt“ aber nicht warten, um Anwohner zu informieren. Immerhin haben sich die rund 220 Mitstreiter bereits seit Ende vergangenen Jahres in verschiedenen Arbeitsgruppen zusammengefunden. Ihr Ziel sei es, die neuen Nachbarn hier gut aufzunehmen und ihnen mit Deutschkursen und Unterstützung bei Behördengängen das Leben in Dresden zu erleichtern, sagt eine Sprecherin des Netzwerkes. Auch Freizeit- und Sportangebote sowie Kinderbetreuung und Kunstprojekte soll es geben. Doch genauso wichtig sei dem Netzwerk, die alteingesessenen Johannstädter bei diesem Prozess mitzunehmen und eventuell vorhandene Ängste abzubauen. „Es geht um alle, die hier leben und arbeiten“, so die Sprecherin.

Viele, die an diesem Abend gekommen sind, äußern ihre Bereitschaft, den Neuankömmlingen helfen zu wollen. Sei es mit alltäglichen Dingen, wie der Orientierung auf dem Stadtplan oder gemeinsamer Freizeitgestaltung. Doch es gibt auch Fragen, wie die Flüchtlinge darauf vorbereitet werden, dass in Deutschland Männer und Frauen gleichberechtigt sind und Frauen respektvoll zu behandeln sind. „Nur so wird unser Zusammenleben funktionieren“, sagt der Fragesteller.

Annett Schöne vom Sozialamt verweist auf die Sozialarbeiter, die die Flüchtlinge genau in diesen Dingen schulen sollen. Nicht jeder verstehe das gleich und es klappe derzeit nicht immer problemlos. „Wichtig ist aber auch, dass wir diese Dinge vorleben“, sagt eine Mitstreiterin des Netzwerkes. Vor kurzem habe es eine Veranstaltung zu Homosexualität für Flüchtlinge im Schauspielhaus gegeben, die bei den Adressaten gut angekommen sei.

Einer kleinen Gruppe von Besuchern scheint der Verlauf der Infoveranstaltung nicht zu gefallen. Sie verlassen den Saal lange vor Ablauf der Diskussion. „Ihr könnt Euch selbst weiter beweihräuchern“, sagt ein Mann laut beim Gehen. An diese Szene knüpft auch eine Frage des Blasewitzer Ortsbeirates Werner Schnuppe (Volkssolidarität) an. „Es ist schön, dass hier im Raum 90 Prozent Befürworter der Flüchtlingshilfe sitzen. Aber wie kommen wir an die heran, die Ängste haben? Wie können wir sie mitnehmen“, fragt Schnuppe in die Runde. Das klappe wohl nur durch Information, das Zusammenleben und eigene Erfahrungen mit Asylbewerbern, so eine Antwort.

Zudem müsse auch die Stadt darauf vorbereitet sein, dass bei einer Asylanerkennungsrate von rund 49 Prozent im Vorjahr auch günstige Wohnungen gebraucht werden für die, die bleiben, so ein Besucher der Veranstaltung. Von den 4 178 Flüchtlingen, die 2015 in Dresden aufgenommen wurden, sind 1 096 Syrer. Mehr als 60 Prozent der Asylsuchenden kann die Stadt derzeit in Wohnungen unterbringen. „Aber wir wissen, dass auf dem Sektor des sozialen Wohnungsbaus etwas passieren muss“, so Annett Schöne vom Sozialamt.

Am Ende stehen die Gäste in kleinen Gruppen zusammen, nehmen die Flyer des Netzwerkes mit oder stecken Fragen in die Kiste, die sie vom Netzwerk beantwortet haben wollen. Am Haus weist ein Banner auf die 40 Nationalitäten der Forscher hin, die hier arbeiten. „Wir sind gespannt auf unsere neuen Nachbarn“, hatte Institutsdirektorin Elly Tanaka zu Beginn gesagt.

www.willkommen-in-johannstadt.de