Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Die Jugend auf dem Sprung

Elstra bekommt eine Dirt-Bike-Strecke. Vier junge Leute machen sich dafür stark. Aber noch ist viel zu tun.

Teilen
Folgen
NEU!
© René Plaul

Von Manuela Paul

Elstra. Ein wenig Lampenfieber war schon da, als Mark Gräfe und Eric Lauke in der jüngsten Stadtratssitzung das Wort ergriffen. Kein Wunder. Als 17-Jährige vor so einem Gremium Rede und Antwort stehen, ist schon etwas anderes, als beispielsweise in der Schule einen Kurzvortrag vor Mitschülern zu halten.

Doch die Jugendlichen wollten die Chance nutzen, die Elstraer Stadträte von ihrem Projekt zu überzeugen. Der Idee, hinter dem alten Elstraer Sportplatz Unmengen von Erde aufzuschütten, um daraus Wellenpisten zu zaubern – eine sogenannte Dirt-Bike- oder BMX-Strecke. Ein solcher Parcours eignet sich nämlich bestens für kühne Tricks, Sprünge und Drehungen mit und auf dem Rad. Wie das künftig einmal aussehen könnte, führten sie den Zuhörern nach ihrer Präsentation in einem kleinen Video vor.

Gebaut werden soll die Strecke in Eigenregie. Mark Gräfe aus Burkau, Eric Lauke aus Talpenberg, Daniel Hentschel aus Elstra und Lukas Domann aus Boderitz haben sich dieses Vorhaben gemeinsam ans Bein gebunden. Wer mithelfen will, sei aber willkommen, so die Initiatoren. „Wer selber mit anpackt und mit schaufelt, wird die Anlage auch mehr schätzen und nicht mutwillig zerstören“, erklärte Mark Gräfe.

Entstehen sollen auf dem rund 2000 Quadratmeter großem Gelände zwei Strecken mit jeweils drei bis vier Sprüngen verschiedener Höhe und Schwierigkeit, auf denen sich Kinder und Jugendliche ausprobieren können. Als erstes hat das Quartett aber einen sogenannten Übungssprung gebaut. Das ist ein Erdhügel mit weichem Landeplatz aus Sand. Dort können noch ungeübte Biker zunächst Sprünge und verschiedene Tricks ausprobieren, bevor es später auf die richtige Strecke geht. Die ersten zwölf Tonnen Erde für diesen kleinen Buckel habe die Rauschwitzer Firma Linde + Wiemann gesponsert, verrät Eric Lauke. Das hilft wirtschaften. Denn die vier Jugendlichen verfügen nur über ein schmales Budget von 500 Euro. Der Großteil des Geldes ist für tonnenweise Erdlieferungen veranschlagt. 150 Euro gehen als Honorar an einen Experten, der die Neulinge bei ihrem Projekt fachlich berät. Der Rest ist eigenhändiges Schaufeln, Formen und Festklopfen. Und das über Monate hinweg.

Bis Herbst nächsten Jahres fertig

An der eigentlichen Strecke bauen, wolle man nach und nach. „Je nachdem, wie es mit den weiteren Erdlieferungen klappt.“ Schön wäre es auch, wenn man noch ein paar Sitzmöglichkeiten schaffen könnte, so Eric Lauke. Für den Bau der Rampen, Hügel und Kurven wollen die jungen Leute nur Erde verwenden. Kein Holz, wie auf anderen Anlagen. Das habe den Vorteil, dass die Strecke am Ende nicht vom TÜV abgenommen werden muss. Dies spare Zeit und Geld, erklärten die Vortragenden.

Die Entscheidung, nur Erde zu verwenden, habe auch einen weiteren Vorteil, so Bürgermeister Frank Wachholz. „Falls die jungen Leute womöglich mal aufgeben sollten – wovon wir natürlich erst mal nicht ausgehen – dann brauchen wir die Erdhaufen nur wegschieben.“

Bis Mitte Herbst nächsten Jahres wollen die vier Initiatoren mit dem Parcours fertig sein. Ihre Dirt-Bike-Anlage soll den Radsport für junge Leute attraktiver machen. Dass für Fahrrad-Enthusiasten am Elstraer Schwarzenberg bereits ein Downhill-Bike-Park entsteht, tue dem Vorhaben keinerlei Abbruch, so der Bürgermeister. Beides sind zwar Angebote für Biker, aber für unterschiedliche Zielgruppen. Das sei wie Ski Alpin und Langlauf miteinander zu vergleichen, pflichtete Stadtrat Christian Träber (Runder Tisch) bei.

Demnächst wollen die jungen Leute auch eine Bautafel mit Fakten zum Projekt und Ansprechpartnern aufstellen. Auch ein Schild mit Regeln für die Nutzer ist in Vorbereitung. Auf Letzterer wird beispielsweise zu lesen sein, dass das Benutzen der Strecke auf eigene Gefahr geschieht und die Initiatoren keine Haftung für Verletzungen übernehmen – ähnlich wie bei Spielplätzen. Zudem wollen die Projektverantwortlichen den öffentlich zugängigen Parcours außerhalb der Öffnungszeiten mit einer Kette sichern. Auch über die Sauberhaltung des Geländes hat sich das Quartett natürlich Gedanken gemacht.

Anstoß kam von der Jugend selbst

Unterstützung bekommen die vier Biker-Enthusiasten bei ihrem Vorhaben vom Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit in Bischofswerda und von einem jungen Mann vom Dresdner Verein 248 Wheels, der den vier Verantwortlichen bei der Planung hilft. Aber auch in der Stadtverwaltung hatte man ein offenes Ohr für das Vorhaben und half beispielsweise bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück. Frank Wachholz sieht Potenzial in dieser Jugend-Initiative. Deshalb gewähre man auch einen Vertrauensvorschuss.

Der Anstoß, eine solche Strecke in Elstra zu etablieren, ging von den Jugendlichen selbst aus. Die vier Fahrrad-Verrückten entwickelten die Idee im Rahmen eines Jugendforums, welches Jugendliche animierte, in der Kommunalpolitik mitzumischen. Die jungen Leute wurden gefragt, was es in ihrem kleinen Städtchen geben würde, wenn sie mitbestimmen könnten. Aus den Vorschlägen entwickelten sich verschiedene Projekte. Und weil das keine Eintagsfliege bleiben sollte, bildete sich eine Art Jugendvertretung. Junge Leute aus Elstra und den Ortsteilen konnten Anfang des Jahres über das Programm „Jugend bewegt Kommune“ 3 500 Euro Fördergeld für fünf Projekte von Jugendlichen für Jugendliche vergeben. Das Dirt-Bike-Quartett bekam aus diesem Topf 500 Euro.