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Die Klingenberger Fische ziehen um

Das letzte Wasser fließt aus der Talsperre. Angler haben abgefischt. Dicke Karpfen waren dabei. Aber sonst bot die Sperre wenig.

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Von Franz Herz

Rund 700 Kilogramm Fische haben 50 Helfer von den Anglervereinen in Höckendorf, Dorfhain und Wilsdruff gestern unterhalb der Talsperre Klingenberg aus der Wilden Weißeritz gefischt. Das ist ein dünner Ertrag. „Der Fischbestand in Klingenberg ist sehr gering für 110 Hektar Wasserfläche“, sagt Peter Kluß vom Anglerverband Elbflorenz, der das Fischrecht für die Talsperre hat. Das klare Wasser bietet wenig Nährstoffe für die Fische.

Staumeister Andreas Wendt lässt das Wasser aus der Talsperre strömen. Es staut sich an dem kleinen Damm, der vor hundert Jahren die Baustelle schützte. Der Staumeister sägt die Staubalken durch. Mit jedem Balken, der bricht, strömt eine Wasserwelle durch den Grundablass und mit ihm Fische, die bis zuletzt ihre angestammten Plätze nicht verlassen wollen.

Die Talsperrenverwaltung hat für das Abfischen in der Weißeritz unterhalb der Staumauer eine Staustufe aus Betonsteinen gebaut. Hier waten die Angler bis zum Bauch im Wasser. Sie haben ein großes Netz ausgelegt. Sooft es gefüllt ist, ziehen sie die Fische ans Ufer.

Kräftige Silberkarpfen

Einfacher wäre es, direkt im Staubecken abzufischen. Doch das ist in Klingenberg zu gefährlich. Erstens liegt eine dicke Schlammschicht auf dem Grund, berichtet Eckehard Bielitz, Betriebsleiter bei der Landestalsperrenverwaltung. Hier ist bereits ein Angler beinahe versunken. Zweitens haben die Bauleute alte Munition gefunden. Die haben Fachleute vom Kampfmittelbeseitigungsdienst diese Woche gesprengt. „Im Staubecken herrscht Lebensgefahr“, warnt Bielitz auch Wanderer und Spaziergänger.

Deswegen arbeiten die Angler in der Weißeritz unterhalb der Staumauer. Hier kommen jetzt kräftige Marmor- und Silberkarpfen an. „Die haben wir 1988 ausgesetzt“, berichtet Horst Hehnen aus Freital. Diese Tiere kommen aus Asien, fressen Plankton und Algen. Darum waren sie seinerzeit gern gesehen. In der Zwischenzeit sind sie zu stattlichen Exemplaren herangewachsen, die etliche Kilogramm auf die Waage bringen. Sie sollen aber wieder aus unseren Gewässern verschwinden, weil sie keine einheimischen Fische sind. Darum schlägt ihnen das letzte Stündlein.

Die Plötze, Barsche, Forellen, Zander, Hechte und anderen Fische sind deutlich kleiner. Sie brauchen andere Nahrung, und die ist knapp. Doch sie dürfen woanders weiterleben. „Wir setzen sie um nach Malter, Lehnmühle, Nieder- und Oberwartha“, informiert Carola Stilec, Geschäftsleiterin beim Anglerverband Elbflorenz. Die Angler sortieren sie in große Bottiche und heben diese mit einem Kran auf einen Transporter. Drei Laster fahren den ganzen Tag und bringen die Fische in ihre neuen Heimatgewässer.

Vorher gehen die Tiere über den Tisch von Maik-Gert Werner. Dem Fisch-Biologen bietet sich eine seltene Chance. Er untersucht sonst mit dem Echolot die Fischbestände. Das hat er auch vor zwei Jahren in Klingenberg gemacht. Jetzt kann er die damaligen Messungen und Berechnungen kontrollieren. In Klingenberg ist das zum ersten Mal seit hundert Jahren möglich. Fisch um Fisch legt er auf seinen Messtisch, besondere Arten wiegt er noch.

Der Staumeister schickt um 15Uhr die letzte Wasserwelle mit Fischen in die Weißeritz. Ein kleiner Rest bleibt noch. Doch die Abenddämmerung beendet das Abfischen.