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Die Klobürste der Zukunft

Stefan Richter sucht Hersteller für seine Erfindungen. Wenn der Papa in Elternzeit nicht gerade Windeln wechselt, tüftelt er.

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Von Nadja Laske

Mit winzigen Fingern hält Jasper den roten Plastikstiel umklammert, schwingt die Klobürste wie ein Keule. „Sie ist noch unbenutzt“, sagt sein Vater und lacht. Der Knirps interessiert sich ohnehin mehr für das andere Ende des Utensils: ein Tigerkopf aus Gummi. Einst prangte er an einer Fahrradhupe. Nun sollte er weniger für Töne als für Trockenheit sorgen.

„Ich habe Radio gehört, da ging es in einer Sendung auf Jump um Dinge, die endlich einmal erfunden werden sollten“, erzählt Stefan Richter. Die Moderatorin Miriam Schittek zückte zwei Vorschläge: eine Klobürste, die nicht tropft, und einen Wäscheständer, der keine unschönen Klammerabdrücke an Hemden, Blusen und Shirts hinterlässt. „Ich habe gleich nachgeforscht und nichts dergleichen gefunden.“ Also machte sich der junge Mann an die Arbeit.

Wäscheständer ohne Klammern

Als Papa in Elternzeit hat der 30-Jährige schon mal freie Spitzen, wenn Sohnemann schläft. Entwicklungen gehören ohnehin zu seiner Arbeit als Ingenieur der Elektrotechnik an der TU Dresden. Dort findet er Lösungen, wenn die Bordcomputer eines Autoherstellers formvollendet aus dem Armaturenbrett herausfahren oder sich eine große Weihnachtspyramide verlässlich um die eigene Achse drehen soll.

Nun bekam Stefan Richter Lust auf eine haushaltstaugliche Erfindung. „Eine Lösung für die nicht tropfende Klobürste hatte ich schnell“, sagt er. Bürstenköpfe kann man für 99 Cent kaufen. Daran klebte er ein hohles Rohr und ans andere Ende besagten Tigerkopf. Wenn man ihn zusammendrückt, sollte die entweichende Luft die nassen Borsten trocknen. Doch der Luftstrom reichte nicht aus. Stefan Richter tüftelte weiter und kam rasch auf eine bessere Variante. Den Bürstenkopf verband er nun direkt mit einer Fahrradpumpe. Die erzeugt genug Windzug, um die Borsten zu föhnen.

Als Nächstes machte er sich an den Wäscheständer. „Den habe ich bisher nur am Computer entworfen.“ Statt der üblichen Leinen oder Drähte, an denen man die Wäsche mit Klammern befestigt, plante er flächige Magnetstreben. „Diese dünnen Bleche sollen ferromagnetisch, also für Magnete interessant sein“, erklärt der Erfinder. Anstelle der Klammern würde er flache Haftmagnete verwenden. Sie sollen die Wäsche einklemmen.

Mikrowelle ohne Gebrumm

Einen Namen für diese Teile hat Stefan Richter auch schon: KleiMags für Kleidungsmagnete. Fertigen lassen würde er sie aus einem in Kunststoff gebundenen Material. Diese Magnete sind leicht, preiswert und rosten nicht. „In Serie produziert müsste man einen Wäscheständer für 20 bis 30 Euro herstellen und für rund 40 Euro verkaufen können.“ Jetzt sucht Stefan eine Firma, die ein Muster herstellt. „Das wäre doch eine schöne Aufgabe für eine Lehrlingswerkstatt.“ Und vielleicht sieht ja ein mittelständisches Unternehmen eine Marktlücke in Richters Wäscheständer der Zukunft.

Die tropfenfreien Klobürsten wiederum könnte er sich gut in einem Geschenkeladen vorstellen. Dort würden sie sich neben Eierköpfern, Handtaschenlampen und Parkscheinhaltern gut behaupten.

Für sich selbst hat Stefan Richter noch eine weitere Erfindung vor. Er will die Mikrowelle optimieren. „Mich stört, dass sie immer so laut brummt, wenn man sie einschaltet. Das muss sich doch ändern lassen“, sagt der Ingenieur. Ansonsten haben schlaue Köpfe vor ihm schon jede Menge nützliche Kleinigkeiten erfunden. An spitzen Möbelecken haftende Gummis zum Beispiel. Doch auch die sind vor Jaspers kleinen Fingern nie ganz sicher.