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Die Konsequenzen der Bombennacht

Das Evakuieren des Pflegeheimes in Heidenau dauerte lange und war zum Teil unnötig. Das soll so nicht noch einmal passieren.

© Marko Förster

Von Heike Sabel

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Heidenau. Die Heidenauer Bombennacht vom November 2017 hat Folgen. Damals musste unter anderem das Pflegeheim auf der Friedrich-Engels-Straße evakuiert werden. Obwohl die Bewohner schon kurz nach der Information in ihren Rollstühlen im Eingang saßen, lief einiges schief. Da es für den Transport keine entsprechenden Fahrzeuge gab, mussten sie auf Liegen umgebettet werden, was alle Beteiligten Zeit und Kraft kostete. Außerdem stellte sich im Nachhinein heraus: Das Heim hätte gar nicht komplett evakuiert werden müssen, es hätte gereicht, vordere Räume zu leeren.

Als am Donnerstag in Pirna auf dem Sonnenstein eine Bombe gefunden wurde, musste kein Pflegeheim evakuiert werden. Doch beim nächsten Mal könnte das schon wieder anders sein. Deshalb gibt es nun von Heimleiterin Antje Gietzelt und dem Landkreis einige Schlussfolgerungen.

Evakuierung: nicht immer vermeidbar

Evakuierungen erfordern einen enormen logistischen Aufwand und sind vor allem für ältere und kranke Menschen eine gesundheitliche Belastung. Die Katastrophenschutzbehörde im Landratsamt will deshalb, dass die Pflegeheime Vorkehrungen zu treffen, um eine Evakuierung zu vermeiden. Doch nicht immer wird das möglich sein. Es muss kein Bombenfund sein, auch Hochwasser kann wie 2002 und 2013 eine Evakuierung erforderlich machen. Die Planung dafür obliegt dem Betreiber der Heime und Einrichtungen. Dieser hat sie mit der Kommune abzustimmen.

Pflegebetten: simple Alternative testen

Wenn dennoch evakuiert werden muss, sollen die alten Menschen ohne großen Aufwand transportiert werden. Das heißt, möglichst ein mehrmaliges Umlagern vermeiden, sagt Antje Gietzelt. Die Johanniter werden deshalb testen, wie Feldbetten mittels Pflegematratzen rasch zu Behelfspflegebetten umgebaut werden können.

Ausweichplätze: Reserven analysieren
Wenn evakuiert werden muss, gibt es immer die Frage, wohin. Damit die Pflegeheimbewohner nicht unnötig weit transportiert werden müssen, sei es gut zu wissen, wer im Umkreis welche Reserven hat, sagt Antje Gietzelt. Im Johanniter-Stift auf der Burgstraße gibt es Platz für 48 Personen, vorausgesetzt, es sind Liegemöglichkeiten, also Betten, vorhanden. Für das Heim auf der Engelstraße werde diese Kapazität noch geprüft, so Antje Gietzelt. Im Rahmen des Kreis-Workshops „Notfallplanung Pflege“ im Dezember letzten Jahres wurde zudem auf die gegenseitige Unterstützung der Heime hingewiesen. Die Verantwortung dafür liegt jedoch bei den Pflegeheimen, sagt der zuständige Amtsleiter im Landkreis, Steffen Klemt.

Transport: Behindertendienst nutzen

Fahrzeuge sind nicht gleich Fahrzeuge. Normale Rettungsfahrzeuge sind für Evakuierungen ungeeignet, weil sie keine Rollstuhlfahrer befördern können. Der Landkreis hat nach den Heidenauer Erfahrungen festgestellt: Künftig müssen Behindertenfahrdienste mehr einbezogen werden. Zur Erklärung: Von den 74 Bewohnern auf der Engelsstraße können nur noch sieben ohne Hilfsmittel laufen.


Übungen: Vernetzung zählt
Übungen zeigen Reserven auf und wo es klemmt. Deshalb soll, möglichst vor dem nächsten Ernstfall, die Evakuierung geübt werden – mit dem Schwerpunkt eines Betreuungsdienstes, sprich in Pflegeheimen. Zudem sollen sich Pflegeheime und Katastrophenschutzeinheiten besser vernetzen. Die Johanniter-Pflegeheime in Heidenau haben mit der Johanniter-Unfallhilfe abgesprochen, mindestens einmal jährlich eine Weiterbildung für ehrenamtliche Katastrophenschutzhelfer zum Transfer von Heimbewohnern bzw. alten Menschen durchzuführen.