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Die Krögiser Kugel ist verkauft

Ein Privatmann erwirbt die Gaststätte. Die Gemeinde nimmt dadurch mehr als 100 000 Euro ein. Doch es gibt einen Wermutstropfen.

© Robert Schlesinger/dpa

Von Jürgen Müller

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Krögis. Lange hat es gedauert, doch nun ist es perfekt. Das Problem der Gaststätte „Kugel“ in Krögis ist gelöst. Die Gemeinde wird das Grundstück zum Preis von knapp 103 000 Euro verkaufen. Das entspricht dem von einem Gutachter ermittelten Verkehrswert. Der Gemeinderat stimmte dem Verkauf jetzt mehrheitlich zu.

Dennoch gab es nochmals Diskussionen. Denn die Sache hat einen Haken. Der potenzielle Käufer wird die Immobilie nicht mehr als Gaststätte nutzen, sondern als Wohnhaus. Damit schließt die letzte Gaststätte in der Gemeinde Käbschütztal. Genau das aber wollte die Gemeinde vermeiden. Deshalb war sie auch bereit, die Immobilie zu vermieten, wenn sich jemand finden würde, der die Gaststätte weiter betreibt.

Allerdings fand sich nur einer, der aber unannehmbare Bedingungen stellte. So wollte er einen Mietkauf machen. Ein solches Finanzierungsmodell sei einer Kommune aber verboten, so Heike Kühne aus dem Bauamt der Gemeinde, wo sie für Liegenschaften zuständig ist. Zudem wollte der Interessent das Gaststätteninventar vom Vorgänger Ullrich Baudis übernehmen. Der hat es aber inzwischen ausgebaut, weil es sein Eigentum ist.

Das Inventar ausgebaut

Lars Dietrich (Bürger für Käbschütztal) hat ein Problem damit, dass die letzte Gaststätte in Käbschütztal schließt. „Es gab doch einen Interessenten für die Gaststätte. Wir hätten mit ihm eine Lösung finden oder eben weitersuchen müssen“, sagt er. Allerdings war die „Kugel“ schon seit April 2016 praktisch geschlossen. Baudis hat die ehemalige Badgaststätte mit Bowlingbahn schon seit Mitte der 1990er-Jahre gepachtet. 2008 verlängerte die Gemeinde den Vertrag bis 2020. Doch im vergangenen Jahr wurde der Vertrag außerordentlich gekündigt. Baudis habe gegen die Vertragsbestimmungen verstoßen. Er betreibe die Gaststätte nicht selbst, sondern habe sie untervermietet. Dies sei nicht zulässig, so die Gemeinde. Doch auch der Unterpächter habe aufgegeben. Seitdem war die Gaststätte zu.

Nur noch ein Bieter

Bei der ersten Ausschreibung fanden sich drei Anbieter, von denen zwei die „Kugel“ wieder als Gaststätte nutzen wollten. Doch es kam nicht zum Vertragsabschluss. So schrieb die Gemeinde erneut aus, entweder zur Vermietung oder zum Verkauf, auch unter der Voraussetzung, dass das Grundstück nicht mehr als Gaststätte genutzt wird. Der jetzige potenzielle Käufer war der einzige Interessent. Der SZ sagte der junge Mann, der aus der Gemeinde kommt, er wolle die Immobilie als Wohngrundstück für sich und seine Familie nutzen.

Platz hat er dann jede Menge. Das gesamte Grundstück ist knapp 12 000 Quadratmeter groß. Im Außenbereich befinden sich eine Sitzfläche für den Gaststättenbetrieb und ein Feuerlöschteich, der allerdings nicht mit verkauft wird. Das Gebäude wurde im Jahr 2000 errichtet. Die Nutzfläche beträgt 396 Quadratmeter, davon entfallen 236 Quadratmeter auf die Bowling- und Kegelbahnen und 160 auf die Gaststätte.

Letztlich haben sich auch die Gemeinderäte damit abgefunden, dass die Gaststätte nicht zu halten ist. „Wer war denn wann das letzte Mal in einer Dorfgaststätte zum Essen“, fragte Jens Langer (CDU) seine Gemeinderatskollegen. Und gab die Antwort gleich selbst: „Es wäre doch fast sträflich, jemanden überreden zu wollen, hier in Krögis eine Gaststätte zu eröffnen.“ Auch Harald Lau (CDU) stimmte ihm zu. „Uns nützt doch kein Kneiper etwas, der den Laden nach einem halben Jahr wieder schließt, weil es sich nicht rechnet. Dann haben wir als Gemeinde das Grundstück wieder am Hals.“