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Die kuriose Reise eines Schaukastens

Im Museum wird zum Bauernmarkt für ein neues Ausstellungsstück gesammelt. Das hat einen langen Weg hinter sich.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Der Holzkasten ist knapp einen Meter hoch, breit und tief. Oben geht der Deckel aufzuklappen. Wenn man das Licht drinnen wie in einer Puppenstube anschaltet und vorn durchs Glas schaut, bietet sich im Diorama ein außergewöhnlicher Anblick: eine Szene auf dem Großenhainer Hauptmarkt um 1750. Die Stadtwache hat vor dem Rathaus, was kurz zuvor – 1744 – abgebrannt war und damals wieder aufgebaut wurde, Aufstellung genommen. Auch ein kleines Häuschen ist auf dem Markt zu sehen, ein Schandesel und allerhand Figuren. Die sind alle aus Zinn. Die originalgetreuen Häuser sind fein aus Holz gebaut. „Eine sehr hochwertige Arbeit“, beurteilt Museumsleiter Jens Schulze-Forster.

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Aus Radeburg hat er im Sommer dieses Diorama geholt. Weil das dortige Museum gerade saniert wird, entdeckte man das Großenhainer Objekt auf dem Dachboden und gab es freiwillig ab, weil Radeburg keine Verwendung dafür hat, so der Museumsleiter. Eine Aktenanalyse zu dem Objekt ist in Radeburg allerdings noch nicht gelungen. Jens Schulze-Forster vermutet, dass das gute Stück in den 1930er bis 1950er Jahren geschaffen worden sein könnte. Und er vermutet auch, dass es nicht für privaten Gebrauch, sondern für eine Ausstellung genutzt wurde.

Vorher im Volkskunstmuseum

Doch Radeburg ist nicht die erste Station des recht gut erhaltenen Schaukastens gewesen. Ein Hinweis deutet auf das Volkskunstmuseum Dresden, wo es vorher gestanden haben muss. Ein Anruf dort brachte aber auch nicht mehr Informationen. Jens Schulze-Forster vermutet nur, dass die Szene ein Abbild aus der Schuberthschen Stadtchronik von 1892 darstellt.

Nun soll das Diorama gereinigt und aufgearbeitet werden. Auch soll die Beleuchtung erneuert und auf LED umgestellt werden. Dafür konnten u. a. die Restauratorinnen Kati Böckelmann und Franziska Frenzel gewonnen werden. Deren Arbeit werde unter 1000 Euro kosten, so Jens Schulze-Forster. Dieses Geld soll unter anderem durch Spenden zum Bauernmarkt eingeworben werden. Der Förderverein des Museums lädt am Sonntag traditionell zum Museumscafé ein. Dessen Einnahmen kommen dem Diorama als Großenhainer Identifikationsobjekt zugute.

Weil Jens Schulze-Forster davon ausgeht, dass das Geld über kurz oder lang zusammenkommt, plant er, den restaurierten Schaukasten in die Weihnachtsausstellung zu integrieren. Derzeit steht er im Innenhof und ist schon öffentlich zu sehen.

Vorm neu gebauten Rathaus

Die Stadtwache zu Hayn ist tatsächlich historisch verbürgt und wird heute von Kostümierten der Freischützengesellschaft dargestellt. 2004 von Andreas Golchert aus Zabeltitz ins Leben gerufen und bei der 800-Jahrfeier 2005 im Einsatz, spielt die historische Gruppe Bürger, die während des 30-jährigen Krieges ihre Stadt mehrfach erfolgreich vor Angriffen schützten. So dass sie zwei großen Belagerungen standhielt, was nur sehr wenigen Festungen in Deutschland gelang. Das war im 17. Jahrhundert. Das Diorama könnte den Anlass gehabt haben, das 1744 neu gebaute Rathaus zu präsentieren. Die Stadtwache ging 1860 in der Freischützengesellschaft auf.

Sonntag, Bauernmarkt, ab 13 Uhr Museumscafé