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Die lautlose Gefahr

Schaden Windräder dem Menschen, auch wenn man ihren Schall nicht hört? Darüber wurde nun kontrovers diskutiert.

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© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

Meißen. Gerade werden in Sachsen die Regionalpläne und Windgebiete überarbeitet, wozu viele Bürger Fragen haben, besonders was Schallemissionen durch Windräder angeht. Deshalb wollten der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge und die Sächsische Energieagentur Saena am Montagabend im Dresdner Hygienemuseum informieren. Bei der Veranstaltung ging es vor allem um das Thema Infraschall. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick:

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Was versteht man unter Infraschall?

Bei Infraschall handelt es sich um Luftschallwellen im Bereich von weniger als 20 Hertz, die das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmen kann. Studien haben jedoch gezeigt, dass der Körper solche Schallwellen spüren kann und sie sogar psychische Auswirkungen haben können.

Welche Experten und wie viele Bürger waren anwesend?

In kurzen Vorträgen stellten zunächst fünf Experten ihre Erkenntnisse zur Wirkung von Infraschall vor: Andrea Bauerdorff vom Umweltbundesamt, Markus Schmerbeck vom Kompetenzzentrum Windenergie der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, der Landarzt Dr. Thomas Carl Stiller aus Niedersachsen, der Diplom-Physiker Dr. Bernhard Brenner vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie der Diplom-Psychologe Dr. Johannes Pohl von der Universität Halle.

Im Publikum saßen knapp 160 Menschen, darunter viele Windkraftgegner, die in Bürgerinitiativen organisiert sind. Auch Ärzte, Ingenieure und Politiker wie Anita Maaß, die Bürgermeisterin von Lommatzsch (FDP), waren anwesend. Landrat Arndt Steinbach (CDU) hielt das Grußwort.

Was haben die Experten in ihren Studien herausgefunden?

Laut Andrea Bauerdorff vom Umweltbundesamt sei eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Infraschallbelastung „nach derzeitigem Wissensstand nicht zu erwarten“, die Vergleichsmessungen von Markus Schmerbeck aus Baden-Württemberg haben ergeben, dass der Mensch beim Autofahren und teilweise sogar durch seine Waschmaschine höheren Schallpegeln ausgesetzt ist als durch Windräder. „Beim reinen Infraschall kann man wirklich Entwarnung geben“, sagte der Diplom-Physiker Bernhard Brenner – und erntete höhnisches Gelächter von Windkraftgegnern.

Was ist dann mit den Anwohnern von Windrädern, die Beschwerden haben?

Eine spannende Einschätzung dazu lieferte der Psychologe Johannes Pohl: In seinen Studien konnte er unter anderem erschwertes Einschlafen, reduzierte Leistungsfähigkeit und Gereiztheit bei einem geringen Prozentsatz der Menschen (sechs bis sieben Prozent) feststellen, die in der Nähe von Windrädern leben. Er macht dafür jedoch auch psychologische Faktoren verantwortlich: Wurden die Bürger in die Planung mit einbezogen, waren sie schon vorher gegen Windräder oder neigen verstärkt zur Selbstbeobachtung? Im Laufe einer Studie in der Gemeinde Wilstedt verringerten sich die Symptome der Menschen sogar leicht. „Weil wir den Anwohnern eine Erklärung geliefert haben und diffuse Ängste abbauen konnten“, so Pohl.

Gab es auch kritische Stimmen zu Windenergie?

Ja, vor allem in Form des Landarztes Thomas Carl Stiller. Er erntete immer wieder Applaus von den Windkraftgegnern, als er auf die Gefahren hinwies: Krebs durch Carbonfasern, falls die Anlagen Feuer fangen, soziale Spaltung, optische Bedrängung. Der Mensch könne sich nicht an technischen Infraschall gewöhnen, in Tierversuchen an Ratten sei festgestellt worden, dass diese Schäden im Ohr sowie an Lunge und Herz bei Dauerbeschallung davontrugen. Stiller habe selbst noch keinen einzigen Simulanten getroffen, im Gegenteil: Sogar ein Windradbesitzer sei schon erkrankt.

Mit welchem Ergebnis endete die Veranstaltung?

Windkraftgegner und -befürworter dürften sich nach diesem Abend nicht näher stehen als zuvor. Das zeigte die Diskussionsrunde: Bürgerinitiativen gegen Windkraft zweifelten die Studien und die dahinterstehenden Absichten der Wissenschaftler an, Bürgermeisterin Anita Maaß fragte beim Landarzt Stiller kritisch nach, wie er sicher sein könne, dass die Beschwerden seiner Patienten auch direkt mit den Windrädern zusammenhingen. Am Ende blieb ein Fazit, auf das sich fast alle einigen konnten: Die Studienlage ist noch viel zu dünn. Gleichzeitig wird der Ausbau von Windenergie ungebremst vorangetrieben.