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Die Legende lebt – und wie!

Johannes Heesters wird106 Jahre alt. Der „Dandy des Jahrhunderts“ kanndas Singen nicht lassen.

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Von Wilfried Mommert

Er darf an diesem Sonnabend putzmunter 106 Kerzen auf der Geburtstagstorte anzünden. Reingefeiert werden sollte in Wien, wo Johannes Heesters, der „Grandseigneur der Operette“, vor 75 Jahren seine Karriere als Schauspieler und Sänger an der Wiener Volksoper begann – in Millöckers Operette „Der Bettelstudent“, die danach mit ihm und Marika Rökk auch verfilmt wurde. Der inzwischen nahezu erblindete älteste aktive Schauspieler der Welt, der zuletzt mit donnernder Stimme Gott den Herrn im „Jedermann“ spielte, erinnert sich noch heute daran und singt bei jedem Anlass das berühmte Lied daraus: „Ich knüpfte manche zarte Bande, studierte die Pariserin, die schönsten Frau’n im Sachsenlande, in Deutschland, Ungarn und in Wien.“

Heesters war der „Dandy des Jahrhunderts“ und wird als Graf Danilo in der „Lustigen Witwe“ mit dem Evergreen „Heut geh’ ich ins Maxim“ noch lange in Erinnerung bleiben – als lebensfroher Gigolo mit Frack, weißem Seidenschal, Nelke im Knopfloch und dem Champagnerglas in der Hand. „Man müsste Klavier spielen können“ oder „Ich möchte jede Nacht von Ihnen träumen“ gehörten zu seinen bekanntesten Liedern.

Seine Karriere begann der am 5.Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Johannes Marius Nicolaas Heesters in den 30er-Jahren als Schauspieler und Operettensänger und Filmstar in Berlin und Wien, und er blieb damals in Deutschland. Damit verbunden ist ein dunkles Kapitel – der umstrittene, nach seinen Erinnerungen befohlene Besuch im KZ Dachau. Gegen die Behauptung, er sei dort sogar aufgetreten, führt Heesters bis heute einen Prozess.

Auch wenn die großen Auftritte ewig her sind, Heesters hat den ersten Applaus noch immer im Ohr. Und das „alte Zirkuspferd“ folgt der Devise seiner 60-jährigen Ehefrau Simone Rethel („Poppie“, wie Heesters sie nennt), die ihm beim Einüben der Texte hilft: „Je mehr los ist, je mehr Kraft hat er, desto besser fühlt er sich, denn sich schonen ist das, was Kraft nimmt.“ Dem stimmt ihr Mann zu: „Soll ich zu Hause sitzen und warten, bis man mich holt? Ohne Arbeit würde ich richtig krank werden.“ Aber Heesters neigt nicht zum Philosophieren. „Disziplin, gesundes Leben und eine positive Einstellung zum Leben“ – er sieht sich als glücklichen Menschen. Ein Ziel hat er: Er will noch zwei Jahre leben, damit er zum zehnten Mal bei der Bambi-Verleihung geehrt werden kann, wie er es Ende November 2009 zur achten Verleihung bekräftigte. So leicht gibt Jopie nicht auf. (dpa)