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Die Lehrerin mit dem Roller

Die Schule in Pulsen feiert 50. Ruth Schmidt hat viele Jahre dort gearbeitet – und erinnert sich gern an die Zeit zurück.

© Eric Weser, Montage: SZ

Von Eric Weser

Röderaue. Als Ruth Schmidt ihren Dienst als Mittelstufenlehrerin in Pulsen antritt, ist das Schulhaus ganz neu. Denn im November 1969, als die Lehrerin dort zu arbeiten anfängt, liegt die symbolische Schlüsselübergabe noch keine anderthalb Jahre zurück: Am 31. Mai 1968 hatte der damalige Bürgermeister das Nutzungsrecht überreicht.

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Ruth Schmidt kommt Ende der 60er Jahre mit Berufserfahrung an ihre neue Schule. „Ich hatte schon zehn Jahre in Hirschfelde gelehrt“, erzählt sie. Das heute zu Zittau gehörende Dorf ist Ruth Schmidts Heimat, dort war die 80-Jährige einst auch selbst zur Schule gegangen. Eigentlich habe sie Gärtnerin werden wollen. Aber ihre eigenen Lehrer hatten in der wissensdurstigen Jugendlichen jemanden erkannt, der später anderen etwas beibringen könnte. Gerade mal drei Jahre dauerte ihre Lehrer-Ausbildung in Halle, erzählt Ruth Schmidt. „Die haben uns gebraucht!“

In ihren heutigen Heimatort Koselitz und an die Pulsener Schule verschlug es die gebürtige Ostsächsin dann Ende der 1960er. Ihr Mann stammt aus dem Ort. Nach ihrer Bewerbung beim damaligen Kreis Riesa sei sie an die Schule nach Pulsen geschickt worden, erzählt Ruth Schmidt. Hell und freundlich sei alles gewesen, erinnert sie sich. „Es war ja alles neu.“ Kein Vergleich zu den Zuständen der Jahre davor. Da habe es nur eine Behelfsschule gegeben. „In einer Baracke daneben waren ein Werken- und ein Turnraum. Der Turnraum – Turnhalle konnte man das nicht nennen – war so niedrig, dass die Kinder beim Reck-Turnen an die Decke gestoßen sind“, sagt Ruth Schmidt. Wie die alte Schule aussah, weiß sie nicht nur von Erzählungen ehemaliger Kollegen. Ihr eigenes Bewerbungsgespräch in Pulsen hatte seinerzeit noch in den Räumen stattgefunden.

Ihre gut drei Kilometer Arbeitsweg von Koselitz nach Pulsen hat Ruth Schmidt viele Jahre auf einem Troll zurückgelegt, einem in der DDR beliebten Motorroller. Das habe ihr auch einen Spitznamen eingebracht, verrät sie lachend: „Ich war ,de Roller-Schmidt’n‘.“ Wer Ruth Schmidt sprechen hört, der merkt, dass das zweideutig gemeint gewesen sein könnte. Denn bis heute hat sich ihre Oberlausitzer Mundart mit dem typischen, gerollten R erhalten.

Wie viele Schüler sie im Laufe der Jahre unterrichtet hat, hat sie nicht gezählt. Aber es dürften Hunderte gewesen sein – darunter auch ihre beiden Kinder. Ob sie eine strenge Lehrerin gewesen sei? Das nicht unbedingt. „Ich bin mit meinen Schülern gut ausgekommen.“ Nach wie vor wird die einstige Lehrerin, die nach der Wende noch einige Jahre in Nünchritz gelehrt hat, von vielen ehemaligen Pulsener Schülern gegrüßt. Sie freue sich, erkenne nur nicht jeden gleich, sagt Ruth Schmidt, die krankheitsbedingt Sehprobleme hat.

Ob sie zur Schuljubiläumsfeier am Wochenende in Pulsen vorbeischaut, weiß Ruth Schmidt noch nicht. Sie und ihr Mann haben zu Haus selbst Gäste. Wenn sie hinüberfahren sollte, dann würde das aber mit dem Auto passieren. Den Motorroller gibt es nämlich schon lange nicht mehr. „Den haben wir verkauft“, sagt Ruth Schmidt. „An einen ehemaligen Schüler.“

Anlässlich des 50. Geburtstags des Pulsener Schulhauses findet am Sonnabend, 2. Juni, von 9 bis 12 Uhr ein Tag der offenen Tür in der Grundschule Pulsen statt.