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Die letzte Ecke von Roßwein

Anwohner des Baderberges und Unterneusorge wünschen sich, dass ihr Wohngebiet nicht in Vergessenheit gerät. Doch offenbar sehen nur sie Gefahren.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

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Roßwein. Nur ein paar hundert Meter hinter dem Kindergarten an der Böhrigener Straße endet das Hoheitsgebiet von Roßwein, beginnt das Territorium der Gemeinde Striegistal. Doch auch wenn sie am Rande der Stadt wohnen, fordern die Anwohner des Gebietes Baderberg und Unterneusorge, dass ihre Sorgen und Ängste ernst genommen werden. Im Moment fühlen sie sich vergessen in Roßweins letzter Ecke.

Das ehemalige Hotel nebenan ist ungesichert – genau wie eine Baracke, die zur Müllkippe verkommt.
Das ehemalige Hotel nebenan ist ungesichert – genau wie eine Baracke, die zur Müllkippe verkommt. © Dietmar Thomas
Kein schöner Anblick - überall Müll.
Kein schöner Anblick - überall Müll. © Dietmar Thomas

Dort sieht es schon ein wenig trostlos aus. Acht Garagen, zum überwiegenden Teil zumindest auf den ersten Blick genutzt und noch gut in Schuss, befinden sich am Baderberg fast am Ende einer Betonplattenstraße. Die ist nicht mehr die beste, aber erfüllt ihren Zweck. Darum geht es den Nutzern der Garagen aber auch nicht in erster Linie. Hinter der Gebäudereihe und am Zufahrtsweg stehen Bäume, die nicht kontrolliert und gepflegt werden.

Bei den letzten Stürmen im Oktober 2017 und auch jetzt wieder sind Bäume umgestürzt, ein Strommast wurde in Mitleidenschaft gezogen. Auf dem Nachbargrundstück steht ein ehemaliges Hotel, das vorher ein Wohnheim das ehemaligen Schmiedewerkes war. Vor allem Arbeiter aus Kuba haben dort übernachtet. „Die Absperrung ist schon lange wieder löchrig. Kinder räubern in dem Haus herum, springen aus Fenstern“, schildern Nachbarn, was sie nicht erst einmal beobachtet haben.

Ebenfalls zum früheren Schmiedewerk gehörte eine Baracke. Anwohner erinnern sich, dass dort noch bis Anfang der 1990er-Jahre Polen wohnten, die in dem Industriebetrieb gearbeitet haben. Seit sie ausgezogen sind, hat wahrscheinlich niemand mehr einen Fuß in die Baracke gesetzt. Die Anwohner beschreiben sie inzwischen als einsturzgefährdet. Offenbar ist mehr als nur ein Fenster eingeschlagen. Denn in den Räumen scheinen die Müllberge Woche um Woche zu wachsen. Die Nachbarn sehen das mit Unbehagen.

„Mehrfach habe ich mich schon mit der Kommune in Verbindung gesetzt und gebeten, dass sich das mal jemand anschaut“, erzählt eine der Anwohnerinnen. Doch sie merkt nicht, dass das passiert ist, sich jemand der Absperrung um die Hotelruine oder des Barackenabbruchs annimmt.

Außerdem müssten endlich einmal Grundstücksangelegenheiten und damit Zuständigkeiten geklärt werden. Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) geht davon aus, dass nur die Zuwegung kommunal ist, die Garagen selbst aber privat sind – wie das Land, auf dem sie stehen. Das ist nach Angaben der Nutzer nur die halbe Wahrheit. Die Garagen sind ihr Eigentum. Das Land gehört zum Teil einem privaten Eigentümer, zum Teil aber der Kommune, an die sie Pacht zahlen.

Dafür kann eine der Anwohnerinnen einen Auszug aus dem Liegenschaftskataster vorlegen. Nach dem verläuft die Grundstücksgrenze durch die Grundflächen der Garagen hindurch. Die Baracke stehe nach diesem Papier auf kommunalem Land. „In dem Fall müssten wir uns kümmern“, gibt der Rathauschef zu. Er will sich zuvor aber selbst ein Bild am Baderberg machen. Und der Besitzer des ehemaligen Hotels soll aufgefordert werden, die Absperrzäune wieder aufzurichten.