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Die Letzten lassen das Licht an

Am Donnerstag muss das Bröckel-Hochhaus in Dresden leer sein. Doch nicht alle Bewohner haben eine neue Bleibe gefunden.

© René Meinig

Von Sandro Rahrisch und Alexander Buchmann

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Der letzte Februar-Tag ist für Grigory Khalameyzer nicht zu schaffen. Ja, die Bauaufsicht hat verboten, dass ab diesem Donnerstag weiterhin Menschen im Hochhaus am Pirnaischen Platz leben dürfen. Doch der gebürtige Russe kann seine neue Wohnung in der Dresdner Altstadt erst in wenigen Tagen beziehen. Im Wohnzimmer des 83-Jährigen stapeln sich am Dienstagvormittag die Umzugskartons. Tochter Irina packt die letzten Klamotten ein. Sie ist aus Moskau angereist, um ihrem alten Vater zu helfen, die Kisten aus dem sechsten Stock nach unten zu schleppen.

Irina Khalameyzer bleibt noch ein paar Tage in der Wohnung.
Irina Khalameyzer bleibt noch ein paar Tage in der Wohnung. © René Meinig

Was im Hochhaus übrig blieb

Der Rentner ist nicht allein. Mindestens vier weitere Bewohner können die Auszugsfrist nicht einhalten, wie eine Befragung ergeben hat. Im achten Geschoss öffnet ein 76-jähriger Mann die Tür. „Ich habe noch keine neue Wohnung“, erzählt er. Er sei erst am Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen worden und habe bisher keine Zeit gefunden, sich um eine neue Bleibe zu kümmern. Der Rücken tue ihm weh, und gehen könne er auch kaum. Dass man hier nicht mehr auf Dauer wohnen könne, sehe er ein, sagt er. Der Fußboden und die Wände seien kalt, obwohl die Heizung voll aufgedreht ist. Die Fassade sei eben kaum gedämmt.

Die Frist, der 28. Februar, ist seit Herbst bekannt. Damals hatte die Stadtverwaltung dem Vermieter die weitere Nutzung des Hochhauses verboten. Grund: Gravierende Brandschutzprobleme, die bis heute nicht behoben wurden. So fehlt ein zweiter Rettungsweg. Im Mai letzten Jahres hatte es im Hochhaus gebrannt. Wände und Decken sind immer noch verrußt. Auch wenn die Bewohner nichts dafür können, dass jahrelang nichts erneuert wurde. Die Anordnung müssen sie dulden.

Dass auch am Donnerstag Licht in dem 14-Geschosser brennen wird, weiß die Stadt. „Es sind offensichtlich bis heute noch nicht alle Mieter ausgezogen“, sagte ein Rathaussprecher am Dienstag. Allerdings müssen sie zunächst keine Strafe fürchten. Anders sieht es mit dem Hauseigentümer aus. Denn er hat es nicht geschafft, mit den Bewohnern zusammen eine Lösung zu finden. Stattdessen soll er Vertreter zu den Wohnungen geschickt haben. Das Ziel, so schildern es mehrere Mieter, war es, die Verträge gegen eine Zahlung von 1 000 Euro aufzuheben. Der Vermieter wäre aus seiner Pflicht entlassen.

Nun muss der Eigentümer, das Unternehmen „Creo 7“, wahrscheinlich zahlen. „Laut unseres Bescheides wird ein Zwangsgeld in Höhe von 25 000 Euro fällig, wenn das Haus am 1. März noch bewohnt wird“, so der Sprecher der Stadtverwaltung. Die Mieter will man zunächst nicht unter Druck setzen. „Wenn sie erst zur Monatsmitte umziehen können, weil die neue Wohnung noch nicht zur Verfügung steht, werden wir das dulden.“

Sollte sich herausstellen, dass einzelne Bewohner gar nicht ausziehen wollen, komme es darauf an, wie sich der Vermieter verhält. „Strengt er beim Landgericht eine einstweilige Verfügung an oder lehnt er sich zurück und überlässt das Problem der Stadtverwaltung?“ Sollte die Stadt gezwungen sein, einzugreifen, könnte sie die Zwangsräumung anordnen. Dann würden die Mieter von der Polizei aus dem Hochhaus geholt werden. Übernächste Woche will die Stadt das Haus begehen.

Wie lange der Koloss am Pirnaischen Platz leer stehen wird, ist unklar. Eine einfache Nachbesserung des Brandschutzes hatte der Eigentümer abgelehnt. Stattdessen ist immer wieder betont worden, dass das Gebäude saniert werden soll. „Dresden Cityloft Apartments“, so der Name des Projekts. Inzwischen liege sogar ein Bauantrag vor, so die Stadtverwaltung. Die geplante Fassadengestaltung sei mit dem Stadtplanungsamt und der Gestaltungskommission abgestimmt worden. Allerdings sei der Bauantrag noch unvollständig.

Alte Mieter wie Grigory Khalameyzer werden dann wohl nicht zurückkehren. Denn der monatliche Preis dürfte deutlich höher werden als heute.