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Die letzten Tage des Frauenvereins

Die letzten Kisten und Altkleider werden ausgeräumt. Die Liquidierung dauert noch etwas länger.

© Jens Hoyer

Von Jens Hoyer

Döbeln. Gepackte Kisten stehen herum und gebündelte Bücherstapel. So sieht das Ende eines der aktivsten Döbelner Vereine aus. Am 30. September wird der Frauenverein Regenbogen endgültig sein Domizil geräumt haben, das er vor 20 Jahren bezogen hatte. In der vergangenen Woche war der Kleiderbasar zum letzten Mal geöffnet und hatten sich die verbliebenen Frauengruppen noch einmal getroffen. Das Frauenfrühstück, ein Projekt aus der Anfangszeit des Vereins, gibt es schon seit dem Sommer nicht mehr.

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Marina Schulze, die Schatzmeisterin, hält mit wenigen Frauen noch die Stellung. Mit Wehmut blickt sie auf das Ende des Vereins. „23 Jahre haben wir durchgehalten“, sagt sie. Trotzdem hält sie es nach wie vor für richtig, jetzt aufzuhören. „Wir wussten ja nicht, wie es mit den Finanzen weitergeht. Deshalb haben wir Mitte des Jahres die Notbremse gezogen.“

Im Mai hatte der Verein seine Auflösung beschlossen. Grund ist der Mangel an Nachwuchs und die schlechte finanzielle Ausstattung des Vereins. Neben den Mitgliedsbeiträgen brachte nur noch der Kleiderbasar Einnahmen ein. Und auch diese waren zurückgegangen, seit aus steuerrechtlichen Gründen nur noch Menschen mit nachgewiesener Bedürftigkeit die Ware aus zweiter Hand erwerben durften. „Dagegen habe ich mich lange gewehrt. Warum sollen Menschen, die uns Kleider spenden, nicht auch welche kaufen können“, so Marina Schulz.

Die 60-Jährige war vor elf Jahren zum Frauenverein gekommen, hatte ehrenamtlich und auch immer wieder über eine Maßnahme des Amtes für Arbeit beim Verein gearbeitet. Der gelernte Wirtschaftskaufmann – auf die genaue Berufsbezeichnung legt Marina Schulze Wert – wird nun den Verein abwickeln. Die „Liquidatorin“ wird noch zwei Räume in dem Hinterhofgebäude nutzen. Die vorhandenen finanziellen Reserven reichen aus, um noch alle Verbindlichkeiten zu bezahlen, sagte Marina Schulze. Der Verein müsse keine Insolvenz anmelden.

Die letzten Reste aus dem Kleiderbasar hat der Verein Netzwerk für seinen Kleiderverkauf in der Möbelbörse an der Eichbergstraße abgeholt. Marina Schulze hält es auch für möglich, dass die eine oder andere Frauengruppe unter dem Dach eines anderen Vereins weiterbestehen kann.

Früher war die Basis des Frauenvereins eine andere gewesen. Er beschäftigte hauptamtliche Mitarbeiterinnen, die sich um die Frauenschutzwohnung und andere soziale Projekte kümmerten. Nach einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Veruntreuung von Fördermitteln hatten sich wichtige Geldgeber zurückgezogen. Die Mitarbeiterinnen mussten entlassen, die Frauenschutzwohnung geschlossen werden. Obwohl sich die Vorwürfe als falsch herausstellten, waren diese Projekte nie wieder in Gang gekommen.