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Die Linke will es laufen lassen

Die Fraktion im Görlitzer Stadtrat fordert vier öffentliche Trinkwasserbrunnen. Die CDU ist nicht abgeneigt, am Donnerstag wird abgestimmt.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Matthias Klaus

Görlitz. Hertha Siebert freut sich über das erfrischende Nass. „Endlich mal was gratis zu trinken“, sagt die Görlitzbesucherin aus Bremen und streckt ihre Hand an den Brunnen am Augustum-Annen-Gymnasium aus. Aber nein, trinken sollte sie hier davon nicht. Denn der einzige Trinkwasserbrunnen in Görlitz ist ein paar Meter weiter installiert, gegenüber dem Kartoffelhaus an der Steinstraße. „Macht das wirklich so einen großen Unterschied?“, fragt sich Hertha Siebert. Offensichtlich schon.

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Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Straßenbild, in Görlitz gibt es sie bis auf die eine Ausnahme an der Steinstraße nicht. Ein Zustand, den die Fraktion der Linken im Stadtrat ändern möchte – und das im zweiten Anlauf. Bereits im Stadtrat im vergangenen September stand das Thema auf der Tagesordnung. Und der Antrag der Linken scheiterte nur ganz knapp. Zunächst sah es nach einer Mehrheit aus. Aber dann wurde eine Neuauszählung notwendig, es gab ein Patt von 14 zu 14 Stimmen – Antrag abgelehnt. Nun der erneute Vorstoß der Linken. „Die Frage, ob es überhaupt geht, ist Quatsch“, sagt Fraktionschef Thorsten Ahrens. Trinkwasser liege in der Mehrheit der Leitungen in Görlitz an. Er hoffe sehr, dass am Donnerstag sich eine Mehrheit für den Antrag findet. Vier öffentliche Trinkwasserbrunnen möchten die Partei zunächst installieren lassen, bis zum zweiten Quartal kommenden Jahres. Der Oberbürgermeister müsste die Kosten auflisten für Aufstellung und Instandhaltung. „Wenn es mehr Brunnen werden könnten, sind wir natürlich dafür offen“, sagt Thorsten Ahrens. Aber es sollte doch mit einer überschaubaren Anzahl starten.

Görlitz hinke bei kostenlosen Wasserspendern hinter anderen Städten hinterher, ist die Meinung der Linken. Beispiel Dresden: An zwölf Stationen können sich dort Touristen und Einwohner kostenlos mit Trinkwasser versorgen. Die Angebote befinden sich alle in der Altstadt, der Neustadt und in Blasewitz. In Dresden hat Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) die Aktion „Refill“ ins Leben gerufen, die ursprünglich in Hamburg startete. Touristen und Einheimische sollen sich ihre Trinkwasserflaschen gratis auffüllen können. Die CDU-Fraktion im Görlitzer Stadtrat hatte zu ihrer Ablehnung im vergangenen Jahr argumentiert, dass es doch vielleicht privatwirtschaftlich Lösungen zum Thema Trinkwasser in der Stadt geben könnte.

Die Stadtwerke Görlitz kennen sich aus mit dem Aufstellen von Trinkwasserbrunnen. Seit Jahren versorgt das Unternehmen Schulen mit dem kühlen Gratis-Nass. Erst im vergangenen Jahr wurde wieder ein Trinkwasserbrunnen im Speiseraum der August-Moritz-Böttcher Grundschule in Betrieb genommen. Die Stadtwerke hatten ihn – wie auch die vier anderen Brunnen – installiert. „Technisch gesehen, ist der Bau von Trinkwasserbrunnen in der Stadt sicherlich kein Problem“, sagt Stadtwerke-Vertriebsleiter Sascha Caron. Das Unternehmen hat selbst Pläne für einen neuen Trinkwasserbrunnen. Der soll am Wasserwerk am Neißeradweg gebaut werden. „Derzeit wird der Standort von uns geprüft“, sagt Sascha Caron. An den Plänen, jedes Jahr eine Schule mit einem Trinkwasserspender auszustatten, halten die Stadtwerke fest.

Wie es bei der Abstimmung am Donnerstag im Stadtrat ausgeht, ist offen. Christoph Brixner vom Touristikbüro I-Vent am Obermarkt würde sich über die zusätzlichen Erfrischungsmöglichkeiten für Touristen freuen. „Eine gute Idee. Sie kommt vor allem Kindern und Senioren in der Stadt mit Sicherheit entgegen“, sagt er.

Während der vergangenen Entscheidung über die Trinkwasserbrunnen hatte unter anderem die CDU-Fraktion im Stadtrat gegen die Aufstellung gestimmt. Fraktionsvorsitzender Dieter Gleisberg gibt sich jetzt allerdings versöhnlich. „Wir werden noch einmal prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, dass private Unternehmen die Brunnen betreiben“, sagt er.

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Außerdem habe die Fraktion noch Nachfragen zu den Installations- und Betriebskosten. „Grundsätzlich ist aber gegen die Idee nichts einzuwenden“, sagt Dieter Gleisberg. Alles, was Görlitzern und Besuchern der Stadt eine Erfrischung beschert, sei zu befürworten. Worte, die eine Görlitz-Besucherin wie Hertha Siebert mit Sicherheit gern hören würde.

Der Görlitzer Stadtrat tagt in öffentlicher Sitzung am Donnerstag um 16.15 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses am Untermarkt.