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Die Lücke beim Lieferdienst

Getränke und Gemüse lassen sich bis zur Haustür ordern. Für andere Lebensmittel bleibt nur der Gang zum Supermarkt.

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© nikolaischmidt.de

Von Tobias Hoeflich

Görlitz. Auf die verlängerte Sommerpause hätte Lisa Helmers gern verzichtet. Seit 2012 belieferte sie Görlitzer Haushalte mit frischen Lebensmitteln. Wer unter der Woche keine Zeit zum Einkaufen fand oder schlichtweg zu bequem war, konnte auf ihrer Webseite „Localeben“ Obst, Gemüse und Backwaren bestellen. Durch einen Unfall mit Schlüsselbeinbruch fand ihr Service nun ein jähes Ende: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich wieder mit dem Liefern anfangen werde.“

Pause macht dagegen Lisa Helmers mit ihrem Bringservice für Obst, Brot und Co.: Ob es das Angebot bald wieder gibt, lässt sie offen.
Pause macht dagegen Lisa Helmers mit ihrem Bringservice für Obst, Brot und Co.: Ob es das Angebot bald wieder gibt, lässt sie offen. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Ihre Kunden dürften traurig sein. Und die sind über die Jahre immer mehr geworden, sagt Helmers, die den Lieferdienst nur als Nebenverdienst betrieb. Ob der Bedarf genügen würde, um davon den Lebensunterhalt zu bestreiten? Sie ist sicher, dass es klappen könnte: „Die Nachfrage ist permanent gestiegen, obwohl ich keine Werbung gemacht habe. Der Bedarf ist auf jeden Fall da.“ Wenn man es klug vermarktet und den Service nicht nur übers Internet anbieten würde, könnte das Geschäftsmodell erfolgreich sein. „Eine Marktlücke ist es auf jeden Fall. Aber man bräuchte einen langen Atem.“

Tatsächlich ist die Zahl der Anbieter rund um Görlitz überschaubar, die Lebensmittel liefern. Zu den Ersten in der Branche zählte der Mobilshop Heimdienst. Er gehört zum Meridian-Getränkemarkt im Schöpstal. Ob Bier, Wasser oder Fruchtsäfte: Schon seit 1990 beliefert der Großhändler Kunden der Region mit Getränken. Das sind vor allem ältere Leute, die keine Kästen schleppen wollen und dafür gern etwas mehr für die Ware bezahlen, sagt Geschäftsführer Matthias Heuthe. „Wir bringen es den Leuten dorthin, wo sie es möchten. Und wenn‘s ganz oben auf den Dachboden ist.“

Der Mobilshop beliefert neben Privathaushalte auch Büros oder Praxen. Das Unternehmen hat nicht nur Getränke im Angebot, sondern bietet auch Milch und Kartoffeln. „Unsere Kundenzahl liegt seit Jahren stabil bei rund 500“, sagt Heuthe, stellt zugleich aber klar, dass es ohne den Handel allein nicht ginge: „Nur von der Auslieferung könnte keiner leben.“ Das Sortiment auf weitere Lebensmittel zu vergrößern, ist nicht geplant: „Das ist ein schwieriges Thema“, sagt er. Schon allein, weil viele Produkte gekühlt werden müssten.

Zumindest Gemüse auf Bestellung bringt zum Beispiel die Gärtnerei Jung aus Hilbersdorf. Ihr Lieferdienst hat sich bewährt: Um die 100 Kunden rund um Görlitz und Reichenbach versorgt die Gärtnerei regelmäßig an der Haustür mit Gurken, Salat und Co. Dabei liefert sie als wöchentliches Abo stets eine Kiste mit frischem Gemüse – je nachdem, was gerade geerntet wird.

Die saisonalen Schwankungen des Angebots machen es für die Gärtner nicht leicht: „Im Supermarkt gibt‘s eben fast alles das ganze Jahr über“, sagt Mitarbeiterin Dagmar Ickert. Die Gärtnerei kann dagegen nur das bieten, was die Beete gerade hergeben. „Aber zum Glück haben wir einen treuen Kundenstamm.“ So weit wie möglich gehen die Mitarbeiter auch auf dessen Wünsche ein. Wird ein bestimmtes Gemüse zum Beispiel nicht gewollt, landet es auch nicht in der Kiste.

Hiesige Supermärkte trauen sich an den Lieferdienst noch nicht heran. Zwar bietet etwa Rewe diesen Service schon seit dem Jahr 2011 – jedoch nur in ausgewählten Städten. Die Akzeptanz bei den Kunden wachse stetig, sagt Rewe-Sprecher Thomas Bonrath. „Es ist einfach bequem und praktisch, sich den kompletten Einkauf und Getränkekisten bis in den vierten Stock liefern zu lassen.“ Seit vergangenem Oktober zählt auch Dresden zu den 75 Städten, in denen Rewe den Lieferdienst anbietet.

Für den Markt an der Reichenbacher Straße in Görlitz ist das Angebot jedoch nicht in Sicht. Zu den Gründen äußert sich Bonrath wenig konkret: „Der Service wird dort ausgebaut, wo es entsprechendes Potenzial gibt.“ Aus „Wettbewerbsgesichtspunkten“ könne er dazu aber keine genaueren Angaben machen.