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Die Malter leert sich

In zwei Wochen endet eine Freibadsaison, die trotz aller Wetterkapriolen ordentlich ist. Dann kommen Industrietaucher.

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© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Am Sonntag, dem 10. September, endet die Freibadsaison an der Talsperre Malter. Das hat dieses Mal nichts mit dem Wetter oder der Jahreszeit zu tun, sondern mit den geplanten Arbeiten an der Talsperre Malter. Dafür wird von 8. September an der Wasserspiegel um gut drei Meter abgesenkt. Jeden Tag wird er um 30 Zentimeter nach unten gehen.

Als im Januar 2006 dieser Taucher einen Dichtungsbehälter an seinen Platz dirigierte, war das Wasser zwei Grad kalt. Damals wurden Schieber und Abflüsse saniert. Ähnliches steht jetzt wieder bevor.
Als im Januar 2006 dieser Taucher einen Dichtungsbehälter an seinen Platz dirigierte, war das Wasser zwei Grad kalt. Damals wurden Schieber und Abflüsse saniert. Ähnliches steht jetzt wieder bevor. © SZ/Thomas Lehmann
Immer wieder sind Taucher in der Malter im Einsatz. Dieses Foto entstand schon zu DDR-Zeiten.
Immer wieder sind Taucher in der Malter im Einsatz. Dieses Foto entstand schon zu DDR-Zeiten. © SZ-Archiv

„Weil die Ufer der Talsperren dann sehr schnell steil abfallen, haben wir entschieden, dass wir auf jeden Fall ab Montag, dem 11. September, den Badebetrieb einstellen“, sagt Klaus Kaiser, Geschäftsführer der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft, welche die Bäder bewirtschaftet. Das wäre zwar schade, wenn wieder so ein warmer September käme wie im vergangenen Jahr. Aber in diesem Fall geht die Funktion der Talsperre zum Hochwasserschutz für Freital und Dresden Staumauer vor.

Klaus Kaiser würde natürlich einige schöne Spätsommertage im September noch gerne in die Badesaison hineinnehmen, ähnlich wie im vergangenen Jahr, als die Bäder noch weit in den September hinein offen hatten. Aber obwohl das dieses Jahr nicht möglich sein wird, ist er durchaus zufrieden. Die Saison läuft bisher sogar etwas besser als die im vergangenen Jahr. Bis Donnerstag vergangener Woche waren rund 33 500 Besucher in den Strandbädern an der Talsperre, im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit waren es erst 32 000 Besucher gewesen.

Bis Ende vergangener Wochen hatte Kaiser 55 Badetage gezählt, zwanzig mehr als im Jahr zuvor. Allerdings ist das Wetter dieses Jahr wechselhaft. „Wir hatten keine extrem heißen Tage und auch kein Wochenende, an dem es sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag richtig heiß war, immer nur einen Tag“, zieht Kaiser sein Fazit. Wettermäßig war der Sommer eine Achterbahnfahrt. Dennoch ist Kaiser mit dem Verlauf der Badesaison zufrieden. „Vom Wetter sind wir einfach abhängig“, sagt er. Er hofft nun, dass die Bauarbeiten an der Staumauer planmäßig vorangehen. Dann sollte Mitte Mai nächsten Jahres in der Talsperre wieder der normale Wasserstand erreicht sein, und einer schönen Badesaison 2018 stünde nichts im Wege.

Bis dahin lässt die Landestalsperrenverwaltung mit Tauchern den Umleitungsstollen der Talsperre so ausbauen, dass er künftig mehr Wasser sicher ableiten kann. Bisher liegt dort tief unten der Stollen, der noch aus der Bauzeit der Talsperre vor über hundert Jahren stammt. Hier haben seinerzeit die Bauleute die Rote Weißeritz um die Baustelle herumgeleitet.

Mehr Stauraum als Reserve für Hochwasser

Heute wird der Stollen genutzt, wenn die Sperre einmal schnell geleert werden muss. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Hochwasser droht. Erst fließt das Wasser 70 Meter durch den Stollen, der mündet dann in drei Rohrleitungen, die jede einen Meter Durchmesser hat, erklärt Ehsan Amani, zuständig für die Stauanlagen der Talsperrenverwaltung im oberen Elbtal.

Bisher sind die Rohre mit Klappen in der Mitte abgesperrt, die zum Entleeren geöffnet werden. Aber das ist keine gute Lösung. Die Klappen hängen in der Mitte der Rohre und können zu flattern anfangen, wenn das Wasser zu schnell durchschießt. Um das auszuschließen, haben die Wasserbauer schon vor Jahren Blenden eingebaut, die den Rohrdurchschnitt auf 70 Zentimeter einengen. Dann fließt nicht so viel Wasser durch und die Klappen werden nicht so strapaziert. So können durch den Stollen und durch diese drei Rohre maximal 18 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen werden.

Aber sinnvoll wäre natürlich, den vollen Rohrquerschnitt zu nutzen. Darum werden die Klappen ausgebaut und durch ordentliche Talsperrenschieber ersetzt. Damit diese Arbeiten beginnen können, werden Mitte September Industrietaucher die Rohre mit Schwimmventilen verschließen. Diese werden sie unter Wasser 70 Meter durch den Stollen dirigieren und auf jedes Rohr eines aufsetzen. Dann sind diese trocken und andere Monteure können die Klappen gegen die Schieber austauschen.

In der Zeit sind die Staumeister aber nicht voll handlungsfähig. Sie haben nur zwei Rohre in der Mitte der Talsperre, durch die sie höchstens 10 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ablassen können. Das ist zu wenig, um bei einem drohenden Hochwasser schnell reagieren zu können. Daher wird der Wasserspiegel abgesenkt, damit zur Sicherheit zusätzlicher Stauraum bereitsteht.

Wenn dann im kommenden Frühjahr die Schieber eingebaut sind, können durch den Umleitungsstollen 30 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen werden. Zusammen mit dem Ablass in der Mitte ergibt das 40 Kubikmeter pro Sekunde. Dann rauscht es schon gewaltig in der Roten Weißeritz. Das ist die größte Wassermenge, die hier noch ohne größere Schäden durchfließen kann.