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Die mit den Ohren sehen

Die Protagonisten der Böhlaer Fledermausnacht waren am Sonnabend einfach zu clever – und gingen den Naturschützern nicht ins Netz.

© Kristin Richter

Von Manfred Müller

Böhla. Neelam kann es kaum erwarten, ihre erste Fledermaus bei der Insektenjagd zu beobachten. Mit angehaltenem Atem sucht die siebenjährige Dresdnerin die Oberfläche des Grünholzteiches bei Böhla ab. Aber noch lässt sich keine Wasserfledermaus blicken. Hören kann man sie schon. Naturschützer Peter Reuße hat einen Fledermausdetektor mitgebracht. Ein Gerät, das die hochfrequenten Fledermausrufe in für den Menschen wahrnehmbare Geräusche „übersetzt“. Jede Spezies klackt, knattert, klopft oder schnarrt auf ganz spezielle Weise. Und dann flattert das erste Tier hakenschlagend über den Teich. Gleich darauf ein Zweites und ein Drittes. Ein Raunen geht durch die 50-köpfige Besucherschar.

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Der Nabu-Regionalverband hatte am vergangenen Sonnabend zur Fledermausnacht nach Böhla bei Ortrand geladen, und viele Familien waren mit ihren Kindern in die Teichwirtschaft Blümel am Dorfrand gekommen. Nicht nur Leute aus der unmittelbaren Umgebung wollten die kleinen Handflügler beobachten, auch Großenhainer, Meißner, und sogar Besucher aus der Landeshauptstadt reisten an. Geleitet wurde die Exkursion vom Dresdner Fledermausexperten Ulrich Zöphel, der sein schier unglaubliches Wissen über die Tiere kindgerecht an die Besucherschar vermittelte.

Weltweit gibt es mehr als tausend Fledermausarten – von den Kleinsten passt ein halbes Dutzend in eine Streichholzschachtel. Und wer weiß schon, dass eine Rauhautfledermaus bis 1 900 Kilometer fliegt, um den Winter in etwas wärmeren Gefilden zu verbringen? Oder dass eine Fledermaus in einer Nacht bis zu 4 000 Mücken erbeutet? Und dass ein Großer Abendsegler, würde er ausschließlich im hörbaren Bereich rufen, laut wie ein Presslufthammer wäre?

Abendsegler flatterten gleich im Dutzend über die Böhlaer Teiche, sodass am Sonnabendabend jeder Besucher – wenn er denn aufmerksam hinschaute – auf seine Kosten kam. Die Exkursionserfahrenen hatten sogar lichtstarke Taschenlampen mitgebracht, um das Treiben über dem Wasser besser beobachten zu können.

„Fledermäuse haben immer noch etwas Geheimnisvolles“, sagt Marion Pretzsch. „Was wissen wir schon über sie?“ Um die Wissenslücke zu schließen, hat sich die Großenhainerin mit ihrem Ehemann Sebastian und den Kindern Sophia (11) und Alexander (9) auf den Weg nach Böhla gemacht. Sophia sind schon die vielen Fledermauskästen im Großenhainer Stadtpark aufgefallen; nun kann sie die pelzigen Flatterer nur wenige Meter entfernt auf Mückenjagd beobachten.

Fledermausschützer Zöphel hat in der Passage zwischen Rosa- und Haferteich sogar ein Fangnetz aufgestellt, damit er seinen Gästen die Tierchen von Angesicht zu Angesicht präsentieren kann. Diese huschen auch des Öfteren am Netz vorbei, aber nur einmal bleibt eine in den hauchfeinen Maschen hängen. Ein kurzes Schütteln, und schon ist sie wieder entwischt.

„Fledermäuse sehen ja mit den Ohren“, erklärt der Biologe. „Sie stoßen Laute im Infraschallbereich aus, die von Hindernissen reflektiert werden“. Die Tiere registrieren die Ablenkung dann über das Gehör und weichen ihnen aus.“ Auch die Insektenjagd funktioniert auf diese Weise. Im Grunde könnten die Fledermäuse das Netz schon orten, sagt Zöphel. Meist erwische man nur die Leichtsinnigen. Wenn aber dann noch der Wind weht wie am Sonnabendabend, lässt sich die Falle viel leichter ausmachen, und die Chance auf einen Fang sinkt.

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Neelam wäre zu gerne mal einer Fledermaus etwas näher auf den Pelz gerückt. In den vergangenen Jahren hat das schon häufig funktioniert. Die Kinder durften die Flattertiere sogar vorsichtig berühren. Wirklich enttäuscht ist die Kleine aber nicht.

Es bleibt ja noch die Hoffnung auf ein paar Streicheleinheiten bei der nächsten Fledermausnacht.