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„Mitarbeiten statt abarbeiten“

Am 1. Mai wird das Meißner Unternehmen „Teppich Schmidt“ 25 Jahre alt. Im Interview blickt Inhaber Holger Schmidt (48) auf die wichtigsten Etappen zurück.

Regina und Holger Schmidt führen gemeinsam das 4000 Quadratmeter große Geschäft in Meißen. © Claudia Hübschmann

Herr Schmidt, Sie zählen zu den etablierten Meißner Unternehmern. War es für Sie immer klar, dass Sie in Ihrer Heimat ein Geschäft aufbauen werden?

Nein, ganz und gar nicht. Da ich als Christ in Opposition zum DDR-Regime stand, wollte ich nach der Grenzöffnung 1989 eigentlich in den Westen gehen. Allerdings war meine Frau gerade hochschwanger, deshalb ging das nicht. Ich saß heulend vor dem Fernseher und hatte große Angst, dass die Grenze wieder zugemacht wird.

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Eigentlich sind Sie gelernter Kellner. Auf welchen Wegen sind Sie in die Teppichbranche gelangt?

Mein Vater hatte einen Bodenlegerbetrieb. Als er einen schlimmen Unfall hatte, bin ich dort mit 21 Jahren eingestiegen. Mein Vater fühlte sich jedoch schnell an den Rand gedrängt. Außerdem hatte ich Visionen für den Betrieb. Das soll nicht abwertend klingen, aber ich wollte in fünf Jahren mit dem Unternehmen woanders stehen. Schließlich haben wir uns auseinanderdividiert und ich habe 1994 meine eigene Firma gegründet.

Sie sind als Bodenlegerbetrieb gestartet, haben sich dann aber zum Teppichkaufhaus gewandelt. Wie kam es dazu?

Mitte der 1990er Jahren gab es eine Goldgräberstimmung. Wir haben viel zu tun gehabt. Dennoch wurde ein Problem immer akuter: Ich habe sechs Tage die Woche gearbeitet, bin aber davon an drei Tagen meinem Geld hinterhergelaufen. Der Handel versprach da zuverlässigere Zahlungseingänge, so dass wir 1996 in Weinböhla die erste Filiale eröffnet haben.

Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis nach 25 Jahren Unternehmertum?

Dass es vor allem auf die Mitarbeiter ankommt. Ihr Feedback ist mir sehr wichtig. Wir haben vom Chef bis zum Azubi das gesamte Unternehmen mit Zielen überzogen. Nun führe nicht mehr nur ich, sondern die Ziele. Unsere Mitarbeiter arbeiten durchweg eigenverantwortlich – sie sollen mitarbeiten und nicht nur abarbeiten. So fördern wir ihre innovativen Ideen und prämieren die eingereichten Verbesserungsvorschläge.

2012 haben Sie bis auf das Stammhaus in Meißen alle Filialen verkauft. Gleichzeitig haben Sie sich aus der Firma zurückgezogen und fünf Jahre hauptamtlich eine freikirchliche Gemeinde geleitet. Warum haben Sie das getan?

Ich habe die Not dort gesehen und überlegt, wie ich den Menschen in dieser Organisation am besten mit meinen Fähigkeiten helfen kann. Ich habe in meinem Leben viel Glück und Erfolg gehabt und wollte der Gesellschaft gern etwas davon zurückgeben. Anfangs war ich nur beratend und unterstützend tätig, nach kurzer Zeit dann auch leitend. Diese Jahre waren eine sehr spannende und lehrreiche Zeit für mich.

Mittlerweile arbeiten Sie wieder Vollzeit in der Firma. Und es gibt große Herausforderungen. Das Internet bedroht den Einzelhandel. Was tun Sie, um zu bleiben?

Wir überlegen uns ständig, was uns abschaffen könnte. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass wir den Menschen zu dienen haben. Sollten diese dem Internet mehr vertrauen als uns, dann müssen wir uns fragen, warum das so ist. Darüber hinaus haben wir eine Marketingabteilung eingerichtet. Früher hätte ich nicht gedacht, dass das notwendig ist, aber inzwischen sind wir eine bekannte Marke. Um uns noch breiter aufzustellen, werden wir zudem im Juni einen Webshop starten.

Interview: Stephan Hönigschmid

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens findet vom 29. April bis 4. Mai bei „Teppich Schmidt“ eine Jubiläumswoche statt. Unter anderem gibt es eine Auktion für ein Schulprojekt in Indien.