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Die mobile Hütte

In der Sächsischen Schweiz stehen jetzt neue Wanderbauden. Luxus bieten sie nicht, trotzdem sind sie besonders.

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© Marko Förster

Von Carina Brestrich

Baumscheiben und Holzbohlen liefern eine perfekte Tarnung. Denn erst wer etwas näher kommt, erkennt: Die beiden vermeintlichen Holzstapel am Taubenteich, einen Steinwurf von der tschechischen Grenze entfernt, haben es buchstäblich in sich. Ausgestattet mit mehreren Klappen können bis zu vier Personen in den beiden kastenartigen Behausungen übernachten. Zwei Bänke und ein Tisch zum Ausziehen bieten Platz zum Sitzen, Stauraum fürs Gepäck gibt’s auch. Und wenn’s regnet, wird keiner nass.

Jan Herold spricht von einem übergroßen Möbelstück. Mit wenigen Handgriffen führt der wissenschaftliche Mitarbeiter der TU Dresden die Funktionen des Biwaks vor. Zusammen mit seinen Studenten hat er die Hütte in der Werkstatt auf dem Campus gebaut. Entworfen haben sie die Kommilitonen von der Fakultät für Architektur. Der Auftrag: eine einfache Holzhütte – transportabel, umweltfreundlich und wartungsarm. Bei bloßen Zeichnungen auf dem Papier aber sollte es nicht bleiben. Zusammen mit dem Sachsenforst sollten die drei besten Entwürfe ausgewählt, von den Studenten selbst gebaut und schließlich im Wald aufgestellt werden.

Léa Wassong und Farhad Babajev hatten den besten Entwurf abgegeben: eine Hütte, die außen einem halbierten Haus gleicht und innen auf zwei Ebenen Platz bietet. Etwa 45 Gehminuten vom Taubenteich entfernt, auf einer Wiese südlich des Zschirnsteins, wurde am Dienstag ihr Biwak montiert. Bei der Wolf System GmbH in Stolpen hatten die Studenten sie zusammengezimmert, bevor die Teile am Montag per Laster in den Wald gekarrt wurden – nicht ganz ohne Probleme: „Wir mussten die Wände noch mal zerteilen, weil sie für den Transport zu groß waren“, sagt Léa Wassong. Ein Anfängerfehler, sagt Andrej Senenko, Betriebsleiter bei Wolf System. Mit Material und Erfahrung hatte die Firma die Studenten unterstützt. „Es war eine spannende Zusammenarbeit. Jeder hat seine Stärken eingebracht“, sagt er. Bis 31. Oktober stehen die Hütten nun für Wanderer offen. Sie sind Teil des neuen Trekkingpfads, an dem der Sachsenforst derzeit arbeitet. Etwa hundert Kilometer lang, ist der grenzüberschreitende Weg für Wanderungen mit Gepäck gedacht. Mit dem Forststeig, wie der Arbeitstitel lautet, will der Sachsenforst den Nationalpark entlasten und Wanderer in die linkselbischen Gebiete locken. Schutz bieten sollen spezielle Trekkinghütten, für die der Sachsenforst bereits drei alte Jagdhütten umgebaut hat – und die neuen Biwakhütten.

Die Ex-Jagdhütten sind noch etwas schlichter. „Es geht darum, bei schlechtem Wetter ein Dach über dem Kopf zu haben“, sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirks Neustadt beim Sachsenforst. Bei schönem Wetter dagegen können die Wanderer am Biwak ihre Zelte aufgeschlagen. „Das geht im Landschaftsschutzgebiet sonst nur mit Genehmigung“, sagt Borrmeister. Für die Biwaks braucht es die nicht, dafür gelten andere Regeln. So können bis zu fünf Zweimann-Zelte um die Hütte aufgestellt werden – für eine Nacht, und nur in der Zeit zwischen 16 und 10 Uhr. Wasser, Strom und Handyempfang gibt es aber nicht. Nur eine Komposttoilette. So viel Luxus sollte mit Blick auf das Umfeld schon sein, sagt Borrmeister.

Carolin Sigel und Beate Buchelt haben beim Aufbau des Biwaks am Taubenteich geholfen – und ihn gleich auch getestet. „Der Weg hat sich gelohnt: Morgens den Nebel über dem Teich zu sehen, war einmalig“, sagt Carolin.

Wer die Biwakhütten nutzen will, braucht ein Trekkingticket. Erhältlich ist es z. B. im Globetrotter Dresden oder im Nationalparkzentrum Bad Schandau. Kosten: Erwachsene 5 Euro, Kinder 1 Euro (mind. 10 Euro pro Zelt). Reservierungen sind möglich. Alle Infos: www.sz-link.de/biwak