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Die Möbel aus dem Fenster geworfen

Ein Tunesier soll Polizisten mit einem Messer bedroht haben. Alles nur ein Missverständnis?

© privat

Von Jürgen Müller

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Meißen. Probleme gibt es mit den Asylbewerbern aus Tunesiern schon lange. Sie sind in einer Wohnung auf dem Albert-Mücke-Ring, die der Landkreis von der Stadtentwicklungs-Gesellschaft Seeg gemietet hat, untergebracht. Insgesamt zehn Tunesier wohnen in dem Block. Deutsche Mitbewohner hatten sich mit einem Protestbrief an den Landkreis gewandt. Darin wurde der Auszug der Asylbewerber gefordert. „Es sind einfach zu viele junge Männer in dem Wohnblock, die immer wieder aneinandergeraten. Viele Mieter haben Angst“, so eine Anwohnerin.

Am 2. April dieses Jahres kommt es wieder mal zu einem lautstarken Streit. Mehrfach muss die Polizei in der Nacht anrücken, weil sich betrunkene Asylbewerber eine Messerstecherei liefern. Zwei werden in Polizeigewahrsam genommen. Doch schon am Morgen gibt es den nächsten Notruf. Anwohner beschweren sich, weil aus einer Wohnung Möbel aus dem Fenster geworfen werden. Die Möbel, fast die gesamte Wohnungseinrichtung, liegt vor der Tür. Die Polizei rückt mit allen drei verfügbaren Funkstreifenwagen an, klopft lautstark an der Wohnungstür, ruft „Polizei, öffnen“. Als nichts passiert, öffnen die Beamten gewaltsam die Tür. Dahinter steht ein 43-jähriger Tunesier, der ein Küchenmesser in der Hand hält. Auf die Aufforderung, das Messer wegzulegen, reagiert der Mann nicht. Die Polizisten sprechen nicht Arabisch, er nicht Deutsch. Ein Beamter sprüht dem Asylbewerber Pfefferspray mitten ins Gesicht. Der dreht sich weg, wird zu Boden gebracht und gefesselt. Der Mann kommt ins Krankenhaus, weil psychische Probleme vermutet werden. Doch die Ärzte können nichts feststellen, außer, dass er total betrunken ist. Nach drei Tagen entlässt sich der Mann selbst. „Wegen meiner Sozialleistungen“, wie er sagt.

Am Dienstag wurde gegen ihn am Amtsgericht Meißen wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte und Sachbeschädigung verhandelt. Es habe in der Nacht eine Messerstecherei gegeben, bestätigt er. Als es morgens an der Tür klopfte, habe er gedacht, seine Mitbewohner kehrten zurück und habe Angst gehabt. „Die benutzen das Messer auf der Stelle“, sagt er. Auch hätten sie seine Sachen wie einen Fernseher und anderes aus dem Fenster geworfen und ihm das Handy gestohlen. Da habe er eben nun deren Gegenstände rausgeschmissen, gibt er zu.

Die Polizisten habe er nicht angegriffen. „Ich verabscheue Gewalt“, sagt er. Tatsächlich hat er offenbar mit dem Messer in der Hand getaumelt. „Ich fand die Situation sehr bedrohlich“, so ein Polizist. In der Küche sind alle Platten des Elektroherdes und der Backofen auf höchster Stufe an. Ein Topf mit Garnelen und Öl steht in Flammen. Die Polizisten können das Feuer löschen.

Bestraft wird der Tunesier nicht. Die Taten, die ihm vorgeworfen werden, seien nicht nachzuweisen, so der Richter. Die Version des Angeklagten, dass er Angst vor seinen Mitbewohnern hatte, sei nicht zu widerlegen. Auf Antrag des Staatsanwaltes stellt er das Verfahren ohne Auflagen ein. Die Polizisten hätten jedoch richtig reagiert. Aufgrund der früheren Vorkommnisse hätten sie die Situation anders eingeschätzt. Nicht Gegenstand des Verfahrens ist der Aufenthaltsstatus des Tunesiers. Nach eigenen Angaben lebt er seit 15 Jahren in sieben europäischen Ländern. Dabei habe er nie Probleme mit der Polizei gehabt, sagt er.

Im Albert-Mücke-Ring ist inzwischen wieder Ruhe eingekehrt. Die Seeg hat die Mietverträge gekündigt.