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Die Monarchs nehmen Fahrt auf

Die Footballer ziehen für ein Spiel ins Dresdner DDV-Stadion. Zur ungewohnten Atmosphäre kommt diesmal ein besonderer Preis.

© Robert Michael

Von Alexander Hiller

Sören Glöckner wirft einen Kennerblick von der VIP-Tribüne des DDV-Stadions – auf den grünen Rasen. „Sieht ganz schön ramponiert aus“, bewertet der Präsident der Footballer der Dresden Monarchs den Naturteppich, auf dem einige braune Stellen nicht zu übersehen sind. Wohlgemerkt: schon bevor 40 000 Beine von der Rewe Team Challenge am Mittwochabend über das Areal liefen.

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Seit Donnerstag werden für das fußballgewohnte Auge ungewohnte Linien im DDV-Stadion gezogen – für die Footballer des Erstligisten Dresden Monarchs, die sonst ihre Heimspiele im Heinz-Steyer-Stadion austragen. Mindestens und meistens einmal pro Saison, so ist es seit acht Jahren Tradition, brechen die Hünen gezielt aus dem Alltag aus und ziehen mit Sack und Pack in die moderne Arena ein, um dort ein viel breiteres Publikum anzusprechen. 150 Cheerleader, eine Kids-Zone mit Hüpfburg, eine Kiss-Cam und DJ DeeThreeCee sowie professionelle Getränke- und Imbissstände sollten für jeden Familienangehörigen etwas bieten – hoffen die Monarchs. Am Sonnabend ab 18 Uhr gastiert der ewige Rivale aus Kiel beim Tabellenzweiten.

Verein verkauft Namensrechte

Dass sich die Footballer, mit einem Jahresetat von knapp 460 000 Euro vergleichsweise bescheiden aufgestellt, diesen Luxus überhaupt einmal leisten wollen und können, hat mit dem langjährigen Sponsoring-Partner zu tun, der Ostsächsischen Sparkasse. An das Bankinstitut haben die Monarchs die Namensrechte dieser Partie für einen mindestens fünfstelligen Betrag verkauft – „sodass alle Einnahmen direkt in die Kostendeckung fließen“, wie Sören Glöckner betont. Weitere Details des Deals unterliegen branchenüblich der beidseitigen Verschwiegenheit.

Ganz und gar nicht still ist der neue Monarchs-Trainer Ulrich Däuber, wenn es darum geht, die Qualität seiner Mannschaft aufzuzeigen. Dazu hat der 47-Jährige derzeit auch allen Grund nach dem Saisonstart nach Maß: drei Spiele, drei Siege. Das kann gern so weitergehen, auch gegen Kiel. Ausgerechnet gegen die Norddeutschen ging im Vorjahr der Sparkassen-Gameday im DDV-Stadion mit 42:49 verloren. „Gefühlt ist eine Revanche Pflicht“, stellt Däuber fest. „Grandios müssen wir allerdings nicht spielen. Solange wir gewinnen, ist alles gut“, sagt er. Zur optimalen Vorbereitung darf sein Team bereits am Freitagabend zum Abschlusstraining auf den Rasen im DDV-Stadion. „Ich bin davon begeistert, wie geil meine Spieler auf den Auftritt im großen Stadion sind“, berichtet der Coach von der bisherigen Trainingswoche.

Der Kontrahent wird es den Sachsen allerdings nicht leicht machen, auch wenn die Kiel Baltic Hurricanes lediglich als Tabellensechster anreisen. „Kiel hat sich in dieser Saison bislang unter Wert verkauft“, sagt Däuber und warnt deshalb vor allem vor dem Quarterback Lenorris Footman, den der Kontrahent erst am letzten Sonnabend nachverpflichtete. „Er verbessert die Qualität der Kieler Offense um Längen. Aber unser Quarterback ist besser“, sagt er und klopft dem neben ihm sitzenden Gelobten auf die Schulter. Trenton Norvell quittiert das mit einem breiten Grinsen. „Ich spüre, dass wir jede Woche besser werden“, sagt der 24-jährige Spielmacher, der für seine Kollegen die entscheidenden Pässe werfen soll. Ob er vor der zu erwartenden Kulisse von mehr als 6 000 Fans etwas Respekt hat? Der 1,96 Meter große Hüne zuckt mit den Achseln. Vor 80 000 Zuschauern habe er schließlich auch schon gespielt – und sein College, die Western Illinois University als zweitbester Quarterback aller Zeiten verlassen.

Verlassen werden die Monarchs den Rasen des DDV-Stadions am Sonnabend aller Voraussicht nach in einem guten Zustand – oder so ramponiert wie vorher. Denn dass die schweren Jungs die Grashalme förmlich durchpflügen, ist ein weit verbreitetes Vorurteil. „Darüber gibt es viele Rasengutachten. Der Football macht den Rasen weniger kaputt als der Fußball“, sagt Däuber.