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Die nächste Grippe-Impfung soll besser wirken

Ab Herbst zahlen die Kassen allen Versicherten den Vierfach-Impfstoff. In Sachsen steigt die Zahl der Grippetoten derweil weiter.

© Sebastian Gollnow/dpa

Von Stephanie Wesely

Berlin. In der nächsten Grippe-Saison soll grundsätzlich ein Vierfach-Impfstoff verwendet werden, der einen besseren Schutz bietet. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss aus Ärzten, Kassen und Kliniken am Donnerstag beschlossen. Damit wird eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission umgesetzt. Sie hatte bereits im Januar den Vierfach-Impfstoff empfohlen, als klar wurde, dass die bisher von den Kassen bezahlte Dreifachimpfung nicht ausreichend schützt. Nur die Gesundheitsämter impften bisher vierfach.

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Für die Sächsische Impfkommission war der Entscheid überfällig. „Wäre der Vierfach-Impfstoff, wie von uns empfohlen, bereits eher eingesetzt worden, hätte ein wesentlicher Teil der Influenza-Erkrankungen verhindert werden können“, sagt der Vorsitzende Dr. Dietmar Beier. Nun würden zumindest für die Zukunft die Weichen richtig gestellt, denn der vierfache Impfstoff biete rein statistisch eine höhere Treffsicherheit. Er richtet sich auch gegen die sogenannte Yamagata-Linie der Influenza-B-Erreger, die laut Robert Koch-Institut in dieser Saison etwa 75 Prozent der Grippefälle ausmachte. Das Institut betont aber, dass auch die Dreifachimpfung Schutz biete. In der jüngsten Grippewelle habe die Wirksamkeit aller Impfungen bei 46 Prozent gelegen. Das sei angesichts üblicher Schwankungen von 20 bis 60 Prozent gut.

Derzeit wird keine Grippe-Impfung mehr empfohlen. Die Erkrankungszahlen gehen deutschlandweit zurück, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt. Mit reichlich 11 000 Neuerkrankten in der vergangenen Woche wurden 55 Prozent weniger Fälle gemeldet als in der Vorwoche. Seit Oktober starben bundesweit knapp 1 100 Menschen an der Grippe, 300 allein in der letzten Woche. Das sächsische Verbraucherministerium allerdings gibt noch keine Entwarnung. Die Zahl der Grippetoten sei im Freistaat noch mal deutlicher gestiegen – von 93 vor rund einer Woche auf 111.

Den Krankenkassen gibt der Beschluss Rechtssicherheit. Damit können sie ab der nächsten Saison die Kosten für die Vierfach-Impfung übernehmen. Mit einigen Herstellern seien zwar bereits Verträge für zwei Jahre abgeschlossen worden. „Sie enthalten aber eine Ausstiegsklausel, die in diesem Fall greift“, sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus.

Laut Corinna Volz-Zang vom Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe ist die Produktion des Vierfach-Impfstoffs bei vielen Herstellern bereits angelaufen. Nur die Impfbereitschaft müsse noch steigen. Laut Robert-Koch-Institut lag die Impfquote bei den über 60-Jährigen deutschlandweit bei 30 Prozent, in Sachsen bei 53 Prozent. Von den Zielvorgaben der EU, die schon 2015 mindestens 75 Prozent erreichen wollte, ist Deutschland damit noch weit entfernt.