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Die Nebenbuhlerin verprügelt?

Eine Meißnerin soll eine 15-Jährige geschlagen haben. Doch sie will die junge Frau gar nicht kennen. Wer lügt da?

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Von Jürgen Müller

Die 15-jährige vorgeblich Geschädigte ist als Zeugin geladen. Doch niemandem gelingt es, die junge Frau dazu zu bewegen, in den Gerichtssaal zu kommen, ihrer mit der Erziehung ohnehin überforderten Mutter nicht, aber auch Richter und Staatsanwalt nicht. Hat die Frau so viel Angst oder weiß sie genau, dass sie jemanden zu Unrecht beschuldigt hat? Fakt ist, die 15-Jährige ist ein ziemlich schwieriger Mensch, um das mal freundlich zu umschreiben. Sie schwänzt permanent die Schule, haut aus einem Heim ab. Ihrer Mutter tanzt sie auf dem Kopf herum. „Wenn ich sie morgens wecke, steht sie einfach nicht auf“, sagt diese. Polizisten bescheinigen der jungen Frau „pubertäres Gehabe“ und dass sie keinerlei Respekt vor Erwachsenen habe. Doch ist sie eine Lügnerin? Das muss das Gericht herausfinden. Jedenfalls hat sie die Angeklagte beschuldigt, sie im Park am Walkhoff-Platz in Meißen mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, in den Bauch getreten und mit der Faust auf den Hinterkopf geschlagen zu haben. Grund sei Eifersucht gewesen, denn der Freund der 25-jährigen Angeklagten habe sie immer wieder besucht. Das bestätigt die Mutter der 15-Jährigen. Sie habe den jungen Mann mehrfach in ihrer Wohnung im Zimmer der Tochter erwischt, einmal auch nachts um ein Uhr. Er habe versucht, sich zu verstecken.

Der Freund der Angeklagten ist als Zeuge geladen. Er streitet alles ab. Er kenne die junge Frau überhaupt nicht, habe sie im Gericht das erste Mal gesehen. Folglich sei er auch niemals in der Wohnung der Familie gewesen, behauptet er. Auch als ihn Richter Michael Falk darauf hinweist, dass eine Falschaussage vor Gericht eine viel schlimmere Straftat ist als die, die seiner Freundin vorgeworfen wird, bleibt er bei seinen Aussagen.

Die Angeklagte soll nach der Tat bei der Familie der Geschädigten angerufen und sich entschuldigt haben. Ein paar Tage später sei dann erneut ein Anruf gekommen, sagt die Mutter. Dabei sei sie übel beschimpft worden. Die Angeklagte habe gesagt, sie habe mit ihrem Freund gesprochen, und der habe versichert, die Geschädigte überhaupt nicht zu kennen. Auch diesen Anruf streitet die Angeklagte vehement ab. Es habe ihn nie gegeben, sie habe damals gar kein Handy besessen. Auch was sie am Tattag zur Tatzeit gemacht habe, wisse sie ganz genau. Sie sei bei ihrem Freund gewesen und habe ferngesehen. Wieso sie sich denn so genau daran erinnere, wenn an jenem Tag gar nichts vorgefallen sei, will der Richter wissen. „Ich schaue jeden Tag zur gleichen Zeit eine Serie im Fernsehen“, sagt sie.

Auch die Polizisten können nichts zur Aufklärung beitragen. Äußerliche Verletzungen konnten sie bei der Geschädigten nicht feststellen. Auch für deren Behauptung, die Angeklagte habe ihr Zigarettenasche ins Haar gestreut, gibt es keinerlei Anhaltspunkte.

Es ist klar, irgendjemand lügt gewaltig. Will der Freund der Angeklagten nicht zugeben, dass er ein „zweites Programm“ hat. Oder will sich die junge Frau rächen, weil er sie abgewiesen hat? Oder will sie sich nur interessant machen? Das Verfahren wird fortgesetzt.