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Sport

Die neue Führungskraft

Volleyballerin Louisa Lippmann hat in Dresden gespielt. Jetzt ist sie eine Stütze in der deutschen Auswahl, mit der sie bei der EM vor der schwersten Aufgabe steht.

Louisa Lippmann spielte von 2014 bis 2016 beim DSC.
Louisa Lippmann spielte von 2014 bis 2016 beim DSC. © dpa/Guido Kirchner

Bratislava. Auf Entdeckungsreise gehen, ein bisschen bummeln, auch mal einen Kaffee trinken: Für solche Dinge hat Louisa Lippmann leider viel zu wenig Zeit. Mehr als ein halber freier Tag in Wien war dafür so kurz vor Beginn der Volleyball-EM nicht drin. „Ich habe mich einfach treiben lassen“, sagte sie zu ihrem Kurzaufenthalt in der österreichischen Hauptstadt. Nun hat Lippmann mit den deutschen Volleyballfrauen bereits die ersten beiden Spiele bestritten bei der Europameisterschaft, die gleich in vier Ländern ausgetragen wird: Polen, Türkei, Ungarn und Slowakei.

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In Bratislava hat das deutsche Team die ersten zwei Partien gewonnen: mit 3:0 gegen die Schweiz und – etwas mühevoller – mit 3:1 gegen Spanien. Lippmann wurde dabei ihrer neuen Führungsrolle gerecht. Die 24-Jährige, die von 2014 bis 2016 beim Dresdner SC unter Vertrag stand, ragte gegen die Schweiz mit 17 Punkten besonders heraus. In Dresden gewann sie zwei Meisterschaften, 2016 sogar das Double. Doch auf ihrer Position war für die junge Lippmann an der Weißrussin Kristina Mikhailenko kein Vorbeikommen, was sie frustrierte. „Es war eine hochemotionale Zeit“, erinnert sie sich. „Aber vielleicht musste es so sein, damit ich jetzt dort stehe, wo ich bin. Es war ein Reifeprozess, und das alles gehört zu mir“, sagte sie im vergangenen Jahr der Sächsischen Zeitung. Es habe viel Gutes in Dresden gegeben. Vor allem die Erfahrung in der Champions League möchte Lippmann nicht missen.

Der größere Druck, nun als Leistungsträgerin vorangehen zu müssen, macht ihr wenig aus. Trotzdem ist sie dankbar, auch mal abschalten zu können. „Wenn man immer nur auf Hochtouren mit Volleyball beschäftigt ist, ist der Kopf sonst am Ende müde, wenn es losgeht“, sagte Lippmann. Die gestiegene Verantwortung begreift sie als Lohn für die Arbeit, die sie Tag für Tag in ihre Karriere steckt. „Früher war ich eine extrem aufgeregte Spielerin. Wenn ich zum Beispiel an mein erstes Länderspiel in Münster denke, dann hätte ich nie gedacht, dass ich mit Druck jetzt so gut umgehen kann“, sagte Lippmann.

Das feste Mannschaftsgefüge gibt ihr Sicherheit

Ein Ventil braucht die 1,90 Meter große Diagonalangreiferin nach mittlerweile 135 Länderspielen nicht mehr. Die Aufregung könne ja auch ein „Push“ sein, sagte sie. Sicherheit gibt ihr neben ihrer Erfahrung das feste Teamgefüge. „Wir kennen uns alle unglaublich gut und sind schon lange zusammen. Wir sind sehr gut eingespielt.“ Die Auswahl trifft am Montag ab 17.30 Uhr auf Rekord-Europameister Russland. Am Dienstag folgt ab 20.30 Uhr die Slowakei, am Mittwoch um 20 Uhr Weißrussland. Die besten vier Teams der vier Sechsergruppen stehen im Achtelfinale.

„Jetzt geht es darum, wofür wir den ganzen Sommer gearbeitet haben. Wir haben vier Gegner, bei denen wir sagen, gegen die müssten wir gewinnen“, sagte Lippmann, die sich auch gegen die körperlich überlegenen Russinnen Chancen ausrechnet: „Da wir nicht alle über Nacht zehn Zentimeter wachsen, müssen wir unser Spiel spielen und konsequent sein. Dann geht da vielleicht was.“

Bundestrainer Felix Koslowski vertraut einem jungen Kader. Er ist durchschnittlich 23,7 Jahre alt. Sechs Spielerinnen geben bei dem erstmals in vier Ländern ausgetragenen Turnier ihr EM-Debüt. Mittelblockerin Camilla Weitzel vom DSC gehört dazu. „Ich will nicht irgendwelche doofen Floskeln raushauen, aber man wächst mit seinen Aufgaben“, sagte Lippmann. Anfang Oktober beginnt für die zweifache Volleyballerin des Jahres ein neues Kapitel. Dann startet die Saison in China. Lippmann hat in Schanghai unterschrieben. Dort gibt es sicherlich viel zu entdecken. (sid mit SZ)