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Technik für mehr Einbruchsicherheit

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Dresden ist binnen eines Jahres um mehr als ein Fünftel gestiegen. Auf der heute startenden Messe „Haus 2014“ hat die Kripo eine Beratungsstelle eingerichtet.

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© André Wirsig

Von Bettina Klemm

Vor Dieben ist fast nichts sicher. Beinahe dreimal am Tag wird die Polizei in Dresden zu Einbrüchen gerufen, so die Statistik. 922 Wohnungseinbrüche gab es 2012. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. „Wir hatten innerhalb eines Jahres einen Anstieg von 22,3 Prozent. Die Tendenz ist weiter steigend“, schätzt Polizeisprecher Marko Laske ein.

Es sei nicht möglich, sich vollkommen zu schützen, aber man könne es den Tätern schwer machen, Türen und Fenster zu öffnen. Die Kripo habe deshalb eine Beratungsstelle eingerichtet, in der sich die Dresdner kostenlos und markenunabhängig Rat holen können, um die Schwachpunkte herauszufinden. Wenn es erforderlich ist, kommen die Kriminalisten auch zu den Ratsuchenden nach Hause.

Zur diesjährigen Messe Haus 2014 ist die Kriminalpolizei mit ihrem Infomobil Sicherheit dabei. Dort erklärt Kriminalhauptkommissar Andreas Thomas, wie man beispielsweise Fenster mit sogenannten Pilzzapfen und Spezialverriegelungen sichert, um ein schnelles Aufhebeln zu verhindern. Die Haus- und Wohnungstüren sollten hochwertige Schlösser erhalten, die Balkontür mit einem Zusatzschloss gesichert sein. „Wer ein Haus baut, sollte keine billigen Schlösser und Zargen verwenden, das ist Sparen an falscher Stelle“, sagt Polizeisprecher Laske.

Infos zur Messe „Haus 2014“

Haus 2014 vom 27. Februar bis 2. März, Messe Dresden, Messering

Über 600 Aussteller sind auf der größten regionalen Baumesse Deutschlands vertreten.

Zum Programm gehören über 100 Fachvorträge.

Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr.

Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt acht Euro, für Senioren am 27. Februar sieben Euro.

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Das Infomobil der Polizei steht am Stand der Firma Felgner Sicherheitstechnik. „Unser Stand hat 130 Quadratmeter. Das ist etwa doppelt so groß wie die Ausstellungsfläche im Vorjahr“, sagt Andree Grun. Seit Januar ist er Geschäftsführer der traditionellen Dresdner Firma Felgner.

Jürgen Felgner hatte sein Unternehmen 1967 als Schlüsseldienst mit drei Mitarbeitern gegründet. Nach 1990 kaufte er das Grundstück Heiligenbornstraße 17 und baute es aus. Heute hat die Firma 39 Angestellte. Im vergangenen Jahr übernahm Felgner die Firma Haus- und Sicherheitstechnik in der Uhdestraße mit sechs Mitarbeitern. Der 67-jährige Firmenchef hörte aus Altersgründen auf. Da griff der 71-jährige Jürgen Felgner zu. Auch wenn er nun kürzer treten will und das operative Geschäft seinem Sohn Albrecht und Andree Grun überlässt, wird für ihn nun erst einmal ein neues Büro geschaffen.

Felgner muss sich umstellen, denn die klassischen Schlüsseldienste machen nicht einmal mehr zehn Prozent des Umsatzes aus. „Wir bieten komplette Lösungen für die Unternehmen an, kümmern uns beispielsweise auch um Einbruchssicherung, Brandmelder, Videoüberwachung, Torschranken und Feuerwehrtechnik“, erklärt Albrecht Felgner.

Sicherheit durch die Cloud

Zur Messe hat er gleich sechs Hersteller eingeladen, die ihre Technik präsentieren. Dass sichere Türen auch komfortabel sein können, will Thilo Mörstedt beweisen. Der System-Projektberater vertritt die in Spanien gegründete Firma Salto-System und stellt zur Messe Haus 2014 erstmals in Deutschland ein neues System zum elektronischen Öffnen von Türen vor. Bisher nutzen beispielsweise die Ibis- und Pullmann-Hotels, von Ardenne Anlagentechnik, Leibniz-Institute und die Post-Tochter DHL in Leipzig das System mit dem Namen Clay. Jetzt will es Salto Systems mit Felgner auch für Privatpersonen, Praxen und Kanzleien anbieten. Ein Transponder ersetzt den traditionellen Schlüssel. Dieser wird in der Regel nur vor die Tür gehalten, damit sich diese öffnen kann. Das Ganze funktioniert übers Internet. Cloud-basiert nennen es die Fachleute.

Mit der Methode lässt sich der Zutritt zur Wohnung auch vom Urlaubsstrand aus per Handy regeln, wenn beispielsweise die Reinigungskraft oder der Handwerker kommen wollen. Der Kunde entscheidet ebenso, welche Räume seinen Kindern zugänglich sind. Es lässt sich auch nachvollziehen, wer, wann, welche Tür geöffnet hat. Geht ein Transponder verloren, kann er übers Internet ausgeschaltet werden. „Das ist am Ende sogar preiswerter und deutlich sicherer als traditionelle Türschlösser“, sagt Albrecht Felgner.

Der Firmen-Chef hat mit Salto-Systems einen Kooperationsvertrag geschlossen. Danach soll das neue Türöffnungssystem, ähnlich wie bei Handyverträgen, gemietet werden. Noch stehen keine Preise für Deutschland fest, aber in England, Holland und Dänemark kostet die Funkvernetzung etwa fünf Euro im Monat.