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Die neuen Einmischer

Junge Menschen wollen nichts von Politik wissen? Ein Stadtrat und eine Landtagsabgeordnete zeigen, dass es anders geht.

© René Plaul

Lisa Wendler und Max Mirtschink

Keiner interessiert sich mehr für Politik. Wie soll da alles besser werden? Nicht mal jeder Zweite geht noch wählen, die Rechten sind stark wie selten zuvor, die jungen Menschen ziehen einfach weg. „Wenn alles besser werden soll, muss man auch etwas verändern“, meint Patrick Höhne dazu. Die Politikverdrossenheit kann er nicht verstehen. Der 20-Jährige geht einen anderen Weg. Als junger Politiker will er Bautzen seinen Stempel aufdrücken.

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Schon vor fünf Jahren begann er sich, für Politik zu interessieren. Bei Diskussionen im Unterricht ist er einer der aktivsten. Seine Mitschüler wählen ihn zum Schulsprecher. Auch im Jugendbeirat der Stadt mischt er mit. „Mein Vater und mein Großvater waren viele Jahre in der CDU aktiv, von daher waren die Gespräche am Abendbrottisch immer politisch geprägt“, erinnert er sich. Mit 16 Jahren wird auch er Mitglied der Union – und zwar das jüngste.

Franziska Schubert dagegen kam erst vor einem Jahr zu ihrer Partei, den Grünen. Dennoch wurde die 33-Jährige direkt in den Landtag gewählt. Was machte sie anders? Die Geografin kam über die Vereinsarbeit zur Politik. Sie wünscht sich, dass Jugendliche zunächst frei debattieren, ohne sich sofort an eine Partei zu binden. „Die Entscheidung, sich auf eine politische Richtung zu beschränken, sollte erst im Laufe der Zeit getroffen werden“, sagt die 33-Jährige. Im „Grünen Laden“ in Bautzen ist sie häufiger zur Sprechstunde anzutreffen.

Doch von vorn: Nach dem Abitur ging es ihr wie vielen Jugendlichen – die junge Neugersdorferin wollte ganz weit weg. Ihre Heimat war ihr zu eng, zu konservativ, zu verstaucht. Also machte sie ein freiwilliges ökologisches Jahr, studierte in Osnabrück, zog nach Budapest und forschte als Geografin in Afrika, Rumänien und Russland. Vor fünf Jahren gründete sie schließlich ihren ersten Verein – Lebens(t)räume. Das Ziel: Leer stehenden Gebäuden neues Leben einzuhauchen. Es folgten weitere Initiativen.

Partei ist jung und bunt

Vor den Kommunalwahlen in Görlitz im vergangenen Jahr sprechen sie mehrere Parteien an. Sie entscheidet sich für die Grünen. Neben den Kernthemen der Umweltpartei ist der Neugersdorferin die Gleichstellung von Mann und Frau wichtig. „Außerdem ist die Partei jung und bunt, das passt zu mir.“ Es folgt ein Jahr voller Wahlkampf, Ende 2014 sitzt sie neben dem Stadt- und Kreisrat auch im Landtag.

Dort will Patrick Höhne erst noch hin. Auch er wählte seine Partei aus Überzeugung. Einen Widerspruch zwischen seinem Wunsch etwas anders zu machen und der konservativen Haltung seiner Partei sieht der 20-Jährige nicht. „Im Gegenteil, gerade das bietet mir die Möglichkeit, etwas zu verändern.“ Das versucht er seit letztem Jahr. Als jüngster Kandidat zog er vergangenes Jahr in den Bautzener Stadtrat. Er sieht sich „als Stimme der Jugend“.

Franziska Schubert fällt mit unkonventionellen Vorschlägen auf: „Ich glaube, Schüler sollten während der Pubertät ein Jahr pausieren und etwas Praktisches machen.“ An ihrem Job als Berufspolitikerin nervt sie, dass durch Fraktionsstreitereien kaum parteiübergreifende Arbeit möglich ist. Dabei fordert die 33-Jährige genau das von den Jugendlichen. „Ich möchte, dass man Jugendlichen den Raum gibt, sich selbst zu organisieren.“ Dafür kann sie sich ein Jugendparlament oder einen Jugendstammtisch vorstellen. Die Ergebnisse solcher offenen Foren müsse man auch in die städtische Politik einbringen. „Damit kann man der Politikverdrossenheit entgegenwirken“, glaubt die Landtagsabgeordnete.

Mehr auf die Jugend hören

Patrick Höhne hat einen anderen Ansatz. Sein Mittel, um Jugendliche in der Region zu halten, ist Bildung. „Wieso gibt es keine Außenstelle einer Universität in Bautzen?“, fragt er. Wie man die Politikverdrossenheit bekämpfen kann, weiß er allerdings noch nicht. „Bei vielen Themen muss ich mir erst noch meine Meinung bilden.“ Die Hauptsache ist, dass die Stimmen der Jugend besser gehört werden. Und, wer weiß, vielleicht sitzt er in einigen Jahren zusammen mit Franziska Schubert auf der Ministerbank im Bundestag.

Der Beitrag entstand im Rahmen des Projektes SchülerSZ.