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Die neuen Formel-1-Bosse müssen liefern

Für den Mercedes-Motorsportchef geht es ein Jahr nach dem Ende der Ära Ecclestone um die Umsetzung der Ideen.

© dpa

Von Jens Marx

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Die Flitterwochen sind vorbei. Die echten Bewährungsproben kommen erst noch für die neuen Besitzer der Formel 1. „Wir haben viele interessante Dinge gehört“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. „Die Schwierigkeit ist nicht, gute Ideen zu haben, sondern sie tatsächlich auch umzusetzen“.

Einiges änderte sich bereits in der ersten Saison nach dem Ende der Ära von Bernie Ecclestone. Die Königsklasse des Motorsports öffnete sich den Fans. Sie entdeckte unter der Führung der neuen Eigentümer aus den USA die von dem Briten verpönten und vernachlässigten sozialen Netzwerke. Das Stadtevent im Juli 2017 in London als Warm-up für den Silverstone-Grand-Prix soll erst der Anfang einer Art von Roadshow gewesen sein. Die Rennwochenenden garnierten Ecclestones Nachfolger mit ein bisschen typisch US-amerikanischem Spektakel.

Ecclestone verfolgt all das immer noch – auch mit 87 Jahren, beinahe die Hälfte davon als Geschäftsführer der Königsklasse des Motorsports. „Ich bin stolz auf die Formel 1 und will, dass es ihr gut geht“, sagt der ehemalige Promoter. Bitternis verspüre er nicht. Doch die Art und Weise seiner Ausbootung machte ihm durchaus zu schaffen. „Ich wurde abgesetzt, war einfach weg.“

Ganz verschwinden wird Ecclestone aber wohl eh nie aus der Formel 1, selbst wenn seine Besuche vor Ort im Laufe der vergangenen Saison seltener wurden. „Bernie hat diesen Sport gewissermaßen erfunden. Er hat starke Qualitäten gehabt, die Umsätze zu steigern“, sagt Wolff. „Wenn ich einen Punkt herausgreifen würde, dann wäre es diese Fähigkeit, Deals abzuschließen, die Bernie Ecclestone hatte.“

So entwickelte er die Formel 1 zum globalen Milliardengeschäft. Ecclestone machte diese Geschäfte mit den Betreibern der Rennstrecken, den Bossen der Fernsehanstalten und den Chefs der Mannschaften. Er galt immer als zuverlässiger Verhandlungspartner, führte die kommerziellen Geschicke aber auch nach dem Teile-und-Herrsche-Prinzip.

Beispielsweise bekam Ferrari auch finanziell eine Sonderstellung zugebilligt, als die Italiener einst mit dem Ausstieg drohten. Die Scuderia, Arbeitgeber des vierfachen Weltmeisters Sebastian Vettel aus Deutschland, droht erneut. Dieses Mal ist es der kühl kalkulierende Oberboss Sergio Marchionne. Dieser könne ohne die Formel 1 leben, interessiere sich nur für das Geschäft, sagt Ecclestone. Wieder einmal geht es um die Regeln und die Zukunft der sich alle Jahre wieder runderneuernden Formel 1. Der 45-jährige kalifornische McLaren-Renault-Direktor Zak Brown warnt bereits vor „destruktiven“ Gesprächen. Mit seiner Sonderstellung konnte und kann Ferrari noch bis Ende 2020 maßgeblich mitentscheiden. Dann laufen aber alle Verträge aus, die Ecclestone nach seinem Teile-und-Herrsche-Prinzip mit den Rennställen abgeschlossen hat.

Gegen die Verträge hatten sogar zwei Rennställe Beschwerden bei der Europäischen Union eingereicht. Das jetzige Alfa-Romeo-Sauber-Team und die Force-India-Mercedes-Mannschaft zogen diese aber zurück – ein Verdienst der neuen Chefetage der Formel 1.

Der Dialog mit Ecclestones Nachfolger, dem 64-jährigen gebürtigen Iren und Wahl-US-Amerikaner Chase Carey, und den neuen Inhabern bewegte sie zum Umdenken. „Ihr Ansatz hat dem Sport eine neue Kultur der Transparenz gebracht und verdeutlicht den Willen, grundlegende Probleme wie die Verteilung der Prämien, die Kostenkontrolle und das Motorenreglement zu diskutieren“, schreiben Alfa-Romeo-Sauber und Force-India-Mercedes.

Auch Wolff sieht in einer größeren Transparenz seitens der neuen Besitzer, denen er „einen gewissen Honeymoon“ zugesteht, eine der wesentlichen Verbesserungen. Doch die wirklich kritischen Themen dürften erst noch kommen. (dpa)