merken

Die neuen Pläne für das Blaue Wunder

Nach dem geplatzten Sanierungsstart muss der Bauablauf geändert werden. Eine Vollsperrung will die Stadt verhindern.

© Sven Ellger

Von Peter Hilbert

Anzeige
Tauchen Sie ein in ein Meer aus Lichtern!

Seit 14. November bis 5. Januar verwandelt sich Schloss & Park Pillnitz in den Christmas Garden.

So mancher Kraftfahrer hatte sich bereits darauf eingestellt, dass es ab April auf dem Blauen Wunder besonders eng wird. Denn eine Spur sollte wegfallen, da der Beginn der Stahlbauarbeiten geplant war. Doch der Zeitplan ist geplatzt, wie die SZ bereits berichtete. Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz erläutert, was die genaue Ursache ist und wie es jetzt an der Loschwitzer Brücke weiter gehen soll.

... prägen an vielen Stellen das Bild am Blauen Wunder.
... prägen an vielen Stellen das Bild am Blauen Wunder. © Peter Hilbert
Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz zeigt eine verbogene Strebe.
Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz zeigt eine verbogene Strebe. © Peter Hilbert

Das Problem: Geforderte Bausummen kann die Stadt nicht bezahlen

Bei der Sanierung der Albertbrücke hat es funktioniert, bei der Augustusbrücke ebenso – die Baufirmen erledigen die Arbeiten etwa zu den Kosten, die die Stadt auch eingeplant hatte. Beim Blauen Wunder geht diese Rechnung beim Stahlbauauftrag jedoch nicht auf. Den hatte die Stadt Mitte Dezember öffentlich ausgeschrieben. So sollten unter anderem Stahlbauteile des Haupttragwerks gewechselt werden, die sechs Tonnen auf die Waage bringen. Zudem war geplant, die inneren Geländer direkt neben der Straße auf einer Länge von 540 Metern zu erneuern. Ende Januar lagen die Kostenangebote der Baufirmen vor. Allerdings waren es nur zwei, berichtet Koettnitz. „Die Angebote waren dreimal so hoch wie von uns geplant.“

Die Stadt steht vor einem Problem. Dass die Fördermittel für den zuvor kalkulierten Kostenumfang fließen, sei klar gewesen. „Aber ob wir viel mehr bekommen würden, ist unklar“, nennt der Amtschef ein Problem. „Wir prüfen jetzt den gesamten Bauablauf noch einmal.“

Die erste Lösung: Der zweite Brückenfußweg wird eher saniert

Eine mögliche Variante sieht Koettnitz darin, den zweiten Fußweg eher als geplant zu sanieren. Das elbaufwärts liegende Pendant ist bis Dezember vergangenen Jahres erneuert worden. Ursprünglich sollten die Fußwegbauer erst 2021 wieder anrücken. Geprüft wird jetzt, ob dies bereits im Frühjahr 2019 geschieht. Am zweiten Fußweg muss die Stahlplatte erneuert werden. Zudem ist vorgesehen, die Oberfläche wieder zu asphaltieren und die Geländer zu ersetzen. Das würde ein halbes Jahr dauern.

Die zweite Lösung: Stahlbau- und Rostschutzarbeiten werden kombiniert

Durch einen vorgezogenen Fußwegbau hätten die Planer die Chance, die nächste Großaktion sehr gut vorzubereiten. Bei der könnten die jetzt verschobenen Stahlbau- mit den Rostschutzarbeiten kombiniert werden. Bei denen soll das Blaue Wunder auch einen neuen Anstrich erhalten.

Nach dem Fußwegbau könnte mit den ersten Arbeiten noch vor dem Winter 2019/2020 begonnen werden. Mit einer ordentlichen Vorbereitung will Koettnitz ein Problem lösen. Bei einem ersten Planungsentwurf hätte die Gerüstkonstruktion es nicht zugelassen, dass während des Baus Kraftfahrzeuge übers Blaue Wunder rollen. Also hätte die Straße voll gesperrt werden müssen. „Es ist aber schwierig, bis zu 30 000 Fahrzeuge täglich umzuleiten“, sagt er. Also wird nach einer Lösung gesucht.

Geprüft wird jetzt eine Gerüstkonstruktion, bei der die Autos noch durch zwei überdachte Röhren fahren können. Die zweite Fahrspur in Richtung Blasewitz müsse bei den Arbeiten, die zwei Jahre dauern, auf jeden Fall gesperrt werden.

Geplant ist, die Farbe abzustrahlen und den Rost zu entfernen. Aufgetragen werden soll eine Schicht Rostschutz und zwei weitere Farbschichten. Die haben einen Blauton nach dem Vorbild des ursprünglichen Anstrichs. Da Pigmente davon entdeckt wurden, konnten bereits Musterflächen am Blasewitzer Ende der Brücke angelegt werden.

In einem ersten Abschnitt soll ein Jahr lang die Blasewitzer Hälfte der Stahlkonstruktion saniert werden, im folgenden Jahr die Seite mit dem Loschwitzer Pylon. Für die Stahlbau- und Rostschutzarbeiten sind neun bis zehn Millionen Euro nötig, erklärt Koettnitz. Nach diesem Zeitplan würden die Arbeiten bis 2021 dauern. Seinen letzten Anstrich hatte das Blaue Wunder zwischen 1988 und 1993 erhalten.

Ist diese Großaktion geschafft, sind noch viele Arbeiten nötig, so an den Ankerkammern, den Pfeilern und der Fahrbahn.

Der Zeitdruck: Der Rost zerfrisst die Stahlteile an vielen Ecken

Zwar ist das Blaue Wunder nicht akut gefährdet. Sein Zustand ist befriedigend. Allerdings sind Stahlteile verrostet oder deformiert. Zudem sind an vielen Bauteilen Instandsetzungen nötig, so an dem großen Scheitelgelenk in der Brückenmitte, das die Loschwitzer und die Blasewitzer Hälfte des Blauen Wunders verbindet. Also muss gehandelt werden. Vorgesehen ist, bis 2030 rund 45 Millionen Euro zu investieren. Ist das geschafft, kann die Brücke noch bis zu 30 Jahre genutzt werden.