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Die neuen Säle wachsen

Ostern sollen vier zusätzliche Kinos an der Görlitzer Jakobstraße öffnen. Noch gibt es dort aber eine große Baustelle.

© Pawel Sosnowski

Von Matthias Klaus

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Die Lausitz auf dem Weg in die Zukunft

Zeit mitzureden: Die Lausitzer in Sachsen und Brandenburg entwickeln eine gemeinsame Vision für ihre Heimat.

Görlitz. Frau Kieft hat die Schuhe grau. Probehalber streicht sie mit dem Finger über das Leder. Siehe da, drunter glänzt die Fußbekleidung in sattem Schwarz. „Heute früh sahen beide Schuhe noch so sauber aus“, sagt Marlis Kieft. Da war die Chefin der Geschwister Kieft GbR aus Rhena in Mecklenburg aber auch noch nicht über die Görlitzer Kinobaustelle an der Jakobstraße gestiefelt. Die Dame aus dem Norden nimmt es mit Humor. „Es ist doch schön, wenn man sieht, wie es hier vorwärtsgeht“, sagt sie. Und das tut es tatsächlich.

Die neuen Kinosäle an der Jakobstraße nehmen mehr und mehr Gestalt an – auch wenn es derzeit noch mächtig staubt und lärmt auf der Baustelle Jakobstraße 16, egal ob unten, in der Mitte oder oben. Am 29. März, so der ehrgeizige Plan, soll alles fertig sein: eine Lobby unten, das historische Treppenhaus, vier Kinos mit je 100 Sitzplätzen. Seit etwa vier Jahren waberte die Idee vom Ausbau in Görlitz in den Kieft-Firmenplänen herum. Kosten des Ganzen: etwa zweieinhalb Millionen Euro. „Herr Weise kriegt das hin. Ich vertraue ihm“, sagt Marlis Kieft. Herr Weise, Christian mit Vornamen, ist Architekt aus Görlitz und steht wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung des Baugeschehens. „Als wir hier angefangen haben“, sagt er, „da konnten wir von unten noch das Dachgeschoss des Hauses sehen.“ Drei Etagen hatte das frühere Gebäude an der Jakobstraße, inzwischen sind es nur noch zwei mit einem Zwischengeschoss. In Letzterem ist die Toilette eingebaut. Zwei Kinosäle unten, zwei Kinosäle oben, so ist der Plan. Mit dem Denkmalschutz habe es Wege gegeben, sich zu verständigen, sagt Christian Weise. Manche Fenster etwa durften demnach zugemauert werden. Natürlich bleibt aber der historische Charakter des Hauses erhalten. Christian Weise ist optimistisch, den Termin Ostern halten zu können. „Wir haben mit den Lieferanten klare Termine abgesteckt“, sagt er. Am 19. März beispielsweise werden die Stühle für die Säle und Technik geliefert. Anderes, wie etwa ein ausgeklügeltes Lüftungs- und Klimasystem für das neue Haus, ist bereits unsichtbar eingebaut. „Wichtig für uns ist, dass die bestehenden fünf Kinos weiter betrieben werden können. Eine Schließung des gesamten Hauses wäre nicht infrage gekommen“, sagt Marlis Kieft. So etwas würde vielleicht in Dresden funktionieren. „Für Görlitz wäre es eine Katastrophe“, sagt sie.

Der Filmpalast gehört zu den ersten Kinos der Kieft-Gruppe, die eine Rundum-Aufbereitung erfahren. In Schwerin, nahe des Firmensitz, war der erste derartige Versuch. Er habe sich gelohnt, sagt Marlis Kieft, auch in Zeiten von Netflix und Co. Die beiden oberen Kinosäle in Görlitz werdem künftig Filme in 3-D zeigen. „Wir bringen eine ganz neue Generation von Projektoren zum Einsatz“, freut sich Maik Honscha, Kieft-Regionalleiter. Laserprojektoren werden es sein, sie sollen ein homogeneres Bild bieten, eine stärkere Lichtleistung, weniger Energie verbrauchen, weniger an Wartung erfordern. „Wir sind selbst darauf gespannt, wie das Ganze funktioniert“, sagt Maik Honscha.

Mehr Kino bedeutet mehr Service, mehr Verkauf – und damit auch mehr Personal? „Ja“, sagt der Görlitzer Kinoleiter Stefan Kretschmer. Derzeit sind drei Mitarbeiter in Görlitz fest angestellt, 25 als Aushilfen. „In Zukunft werden wir insgesamt rund 40 Mitarbeiter haben“, sagt Stefan Kretschmer. Bewerbungen habe er bereits zahlreiche bekommen. Marlis Kieft schaut derweil noch ein Stück weiter in die Zukunft des Görlitzer Kinos. Die nächsten Sanierungsabschnitte warten: die „alte“ Fassade, der Eingangsbereich, die Kasse und schließlich die bereits vorhandenen Säle. Nach und nach, sagt die Kinochefin, werde daran gearbeitet. Mit minimalen Schließungen, das ist ihr wichtig. Etwa eine Million Euro ist dafür noch einmal nötig.

Dass sich das alles rechnet, davon ist die Unternehmerin Kieft überzeugt. „Das Ausgehverhalten hat sich komplett verändert. Heute gehen gerade auch Ältere häufiger ins Kino, wenn das entsprechende Angebot stimmt“, sagt sie. Dieses, Klassiker, Programmkino – das soll Görlitz künftig bieten. „Bis jetzt haben wir hier etwa zehn Filme pro Woche gezeigt. Künftig werden es 20 sein“, sagt Marlis Kieft. Sie wolle mit dem Umbau zeigen: So kann Kino aussehen. „Ich glaube, Görlitz kann das vertragen “, sagt sie.